200 Jahre Freischütz Fünf Dinge, die Sie vielleicht noch nicht über den Freischütz wussten

Er zählt bis heute zu den beliebtesten Opern Deutschlands: Der Freischütz von Carl Maria von Weber. Vor 200 Jahren wurde die Oper am Schauspielhaus Berlin uraufgeführt – und löste einen regelrechten Hype aus, der sich bis heute gehalten hat. Anlässlich ihres 200. Geburtstags sagen wir Ihnen, was Sie über Webers Oper vielleicht noch nicht wussten.

Zwei Personen mit langen Gewändern in einem grün-roten mystischen Bühnenbild, in der Mitte ein Dreibein-Kochtopf über Feuer, Totenköpfe und Skelette
Opernaufführung Der Freischütz bei den Erfurter Domstufen-Festspielen 2015 Bildrechte: imago/Bild13

1. Ordentlich Ohrwürmer auf Deutschlands Straßen

Die Schlager des 19. Jahrhunderts – so nennt Romy Donath, Leiterin des Carl-Maria-von-Weber-Museums Dresden, Webers Stücke aus dem Freischütz.

Der Freischütz ist damals eingeschlagen wie eine Bombe, weil er dieses erstarkende Nationalgefühl genau getroffen hat. Die Oper bildete für die Menschen eine Art künstlerische Identifikationsmöglichkeit.

Romy Donath Carl-Maria-von-Weber-Museum

Der 18. Juni 1821 – der Tag der Uraufführung – muss einen regelrechten Hype auf Webers Kompositionen ausgelöst haben. Überall sangen und pfiffen Menschen wohl auf den Straßen Webers Kompositionen, meint Romy Donath. Die Oper war beim Volk so beliebt, dass sich sogar Heinrich Heine 1822 dazu satirisch äußerte.

Zitat aus dem Zweiten Brief aus Berlin: "Haben Sie noch nicht Maria von Weber’s Freischütz gehört? Nein? Unglücklicher Mann! Aber haben Sie nicht wenigstens aus dieser Oper das Lied der Brautjungfern oder den Jungfernkranz gehört? Nein? Glücklicher Mann!"

Die Beliebtheit der Oper lag nicht zuletzt an den Themen, derer sich Weber bediente. Mit dem Freischütz schuf er eine Oper, die sehr ästhetisch mit dem Nationalgefühl der Deutschen in dieser Zeit spielte. So griff Weber den Wald als Handlungsort auf und verwendete volksliedhafte Melodien, die schnell in den Köpfen der Menschen blieben.

2. Nicht Böhmen – sondern Thüringen!

Kaum ein Ort wird so stark mit dem Freischütz verbunden wie der Böhmerwald, in dem sich die legendäre Wolfsschlucht befinden soll: Der Ort, an dem der Jägerbursche Max den Pakt mit dem Teufel eingeht. Dabei liegt die eigentliche Wolfsschlucht im thüringischen Hainichwald. Ebenso wie die Geschichte, die als Vorlage für Webers Oper gedient haben soll: Die Handlung des Freischütz geht zurück auf eine Sage, die in Thüringen während des Dreißigjährigen Kriegs entstand – die des sogenannten wilden Elbels, einem Jäger, der in den Felsklüften nahe des thüringischen Ortes Mihla gelebt haben soll. Zudem orientiert sich die Handlung aber auch zu großen Teilen an August Apels Erzählung Der Freischütz.

3. Carl Maria von Weber – Schuldenfrei dank der Oper

Da sich die Beliebtheit der Oper schon früh abzeichnete, verhalf sie nicht zuletzt dem Komponisten Carl Maria von Weber selbst zu finanzieller Unabhängigkeit, sagt auch die Leiterin des Carl-Maria-von-Weber-Museums Dresden, Romy Donath: "Für Weber selbst war der Freischütz wie ein Befreiungsschlag. Durch den finanziellen Erfolg konnte er sich erst von seinen Schulden lösen."

4. Bis heute eine der beliebtesten Opern

93 Mal – so oft wurde der Freischütz im Jahr 2018 in Deutschland aufgeführt; hinzu kommen noch 13 Inszenierungen. Damit steht die Oper nach Bizets Carmen und Beethovens Fidelio an Platz 14 der am häufigsten aufgeführten Opern in Deutschland.

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5. Inspiration für Musik und Menschen

Es steckt viel von Webers doch recht einfachem Leben in der Oper selbst, meint Romy Donath. Mit seiner Musik inspirierte Carl Maria von Weber beispielsweise auch Richard Wagner, der schon als Kind begeisterter Zuhörer seiner Werke war. Auch für die Bevölkerung wurde Weber zur Inspiration, sprach im Freischütz über Themen, die die Menschen bewegten: Versagensängste, Liebe und das Gefühl einer erstarkenden Nation Deutschland. Nicht zuletzt deshalb zählte Carl Maria von Weber auch für die Bevölkerung zu den beliebtesten Komponisten Deutschlands – und der Freischütz zu den geachtetsten Opern. Auch nach 200 Jahren noch.