Im Gedenken Friedrich Goldmann, ein Komponist zwischen zwei Welten

Die Biografie des 2009 verstorbenen Komponisten Friedrich Goldmann ist eng mit der deutsch-deutschen Geschichte verbunden. Geboren in Chemnitz, begann er schon als Mitglied des Dresdner Kreuzchores zu komponieren, war als Student Stipendiat der Darmstädter Ferienkurse, konnte allerdings nach dem Mauerbau nicht mehr dorthin reisen. Aber er konnte sich mit seiner Musik bereits zu DDR-Zeiten durchsetzen.

Komponist Friedrich Goldmann in Berlin
Bildrechte: IMAGO / Kai Bienert

Friedrich Goldmanns Ouevre umfasst Kammermusik, Sinfonien, Solokonzerte, zahlreiche Bühnenmusiken und eine Oper. Auch als Dirigent machte er sich einen Namen und arbeitete mit renommierten Ensembles wie dem Ensemble Modern, den Berliner Philharmonikern, der Staatskapelle Berlin und allen deutschen Rundfunkorchestern zusammen. Goldmann dirigierte viele Uraufführungen seiner Zeitgenossen, u.a. von Helmut Lachenmann, Wolfgang Rihm und Hans-Werner Henze.

Musik als Lebensweg

Seine Liebe zur Musik entdeckt er früh. Er singt im Dresdner Kreuzchor und beginnt schon als Junge zu komponieren. Karlheinz Stockhausen lädt Goldmann 1959 nach Darmstadt zu den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik ein. Nur kurze Zeit später werden die deutsch-deutschen Grenzen geschlossen, das Reisen nach Westeuropa ist vorerst nicht mehr möglich. Goldmann beendet sein Dresdner Kompositionsstudium vorzeitig und wird Meisterschüler bei Rudolf-Wagner-Régeny. Schon damals verdient er als Komponist von Bühnenmusik sein Geld und arbeitet mit Heiner Müller und Ruth Berghaus zusammen. Paul Dessau wird sein Freund und Mentor.

Der Komponist Paul Dessau studiert mit dem Orchester der Deutschen Staatsoper am 20.12.1969 in Ost-Berlin/DDR seine "Bach-Variationen" ein.
Der Komponist Paul Dessau war zeitlebens ein enger Freund und Mentor von Friedrich Goldmann. Bildrechte: dpa

Zwischen zwei Welten

Goldmann macht sich als Komponist und Dirigent schnell einen Namen. Die Restriktionen, denen Künstlerinnen und Künstler in der DDR ausgesetzt sind, werden in den 1970er Jahren gelockert. Und so bekommt auch die Neue Musik einen anderen Stellenwert. Musik von Georg Katzer, Reiner Bredemeyer oder eben Friedrich Goldmann wird jetzt auch außerhalb der ostdeutschen Grenzen gehört und anerkannt. Zwar bleibt das Leben in der DDR eng. Eigene Ideen, Gedanken und Gefühle können nur verschlüsselt und versteckt geäußert werden. Doch Goldmann lernt durch Auslandsreisen auch die andere Seite kennen. Der krasse Gegensatz beider Welten findet in Goldmanns Schaffen Ausdruck.

Der Pianist Björn Lehmann kannte Friedrich Goldmann seit seinem Studium. Er spielt immer wieder gern dessen Musik und ist besonders angetan von dem Kommunikativen in ihr, dem Unerwartbaren und dem Gebrochenen.

Das fand ich immer sehr faszinierend, einerseits dieses Gefühl, in so einem Staat zu leben, der einem ziemliche Restriktionen auferlegt, und andererseits werden ja auch so Kräfte, schöpferische Kräfte wach. Ich finde in seiner Musik ist eben so viel das, so Erwartungen nicht erfüllen oder die so innermusikalisch angelegt sind. Und was mir immer aufgefallen ist, dass er so ein scharfsinnigern und scharfzüngiger Beobachter war von gesellschaftlichen Zuständen, nicht nur in der DDR, sondern auch hinterher, wenn wir über aktuelle Dinge geredet haben.

Björn Lehmann

Frei und neugierig

Und so bleibt sich Friedrich Goldmann auch nach dem politischen Umbruch 1989 treu. Musikalisch arbeitet er mit Vorhandenem, um es neu zu hinterfragen und daraus Eigenes zu schöpfen. Er entwickelt eine eigene Ästhetik, die mit Brüchen der Zeit spielt und daraus neue Verbindungen schafft. Goldmann macht sich auch als Dirigent einen Namen, führt Werke seiner Zeitgenossen auf und stellt sie in Beziehung zu älterer Musik. Bis zum Schluss lebt Friedrich Goldmann seine persönliche innere Freiheit, bleibt offen und neugierig. Seine Musik spiegelt genau das wider.

Und ich hatte das Gefühl, dass es keine ästhetischen Tabus oder so gab, über die man nicht sprechen konnte. Ich hatte das Gefühl, dass er sich diesen Auseinandersetzungen gestellt und gern gestellt hat. Und ich meine er war ja ein ganz toller Lehrer, wenn man guckt, was für ganz unterschiedliche Komponisten tatsächlich aus seiner Klasse gekommen sind, hat vielleicht auch genau damit zu tun mit diesem Aspekt.

Björn Lehmann

Goldmann starb 2009. Zu seinen Schülern gehörten heute so renommierte Komponistinnen und Komponisten wie Enno Poppe, Helmut Oehring, Charlotte Seither oder Steffen Schleiermacher.

Zum Nachhören

Komponist Friedrich Goldmann in Berlin 4 min
Bildrechte: IMAGO / Kai Bienert

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 27. April 2021 | 07:13 Uhr