Wettbewerb "Der Bolko wäre zufrieden" – Erster Internationaler Liedwettbewerb Bolko von Hochberg in Görlitz / Zgorzelec startet

In Görlitz startet an diesem Wochenende ein neuer Liedwettbewerb. Ein Wagnis angesichts der vielen schon existierenden Wettbewerbe? Oder eher ein grenzüberschreitendes Novum, das in der Region Neiße die Kultur grenzüberschreitend verbinden und zudem an einstige Traditionen anknüpfen soll? Der internationale Zuspruch ist jedenfalls groß und die Initiatorin, die griechisch-polnische Sängerin Eleni Ioannidou, freut sich über den künstlerischen Zuspruch, den sie sich übrigens auch vom Publikum wünscht. Ein Vorbericht von MDR KLASSIK.

Blick von einer Bühne auf den Zuschauerraum
Im Görlitzer Gerhart-Hauptmann-Theater finden das Halbfinale und das Finale des Wettbewerbs statt. Bildrechte: Björn Gripinski

Musikwettbewerbe gibt es wie den schon sprichwörtlichen Sand am Meer. In der europäischen Doppelstadt Görlitz/Zgorzelec ist nun aber ein neuer Liedwettbewerb ins Leben gerufen worden, der "Erste Internationale Liedwettbewerb Bolko von Hochberg". Die Idee dazu stammt von der Sängerin Eleni Ioannidou, die damit eine alte Tradition wiederbeleben will:

Görlitz/Zgorzelec als Standort

Porträt eines Mannes
Bolko von Hochberg war Komponist und Impressario und ist eng mit der Geschichte von Görlitz/Zgorzelec verbunden. Bildrechte: Eleni Ioannidou

"Bolko von Hochberg war ein Komponist, ein Musiker und Intendant, der hier vor etwa 100 Jahren das Schlesische Musikfest gegründet hatte. Namhafte Orchester aus großen Städten sind damals nach Görlitz gekommen. Es gab aber auch sehr viele Sänger. Und deswegen dachte ich an einen Liedwettbewerb für diese Region."

Mit Tabus brechen

Bolko von Hochberg ist heutzutage nahezu vergessen. Das will Eleni Ioannidou unbedingt ändern. "Er gehört zum Kulturerbe aus Schlesien. Das ist ein schwieriges Thema, weil Schlesien damals deutsch war, heute polnisch ist. Eine Zeit lang hat man sich mit diesem Kulturerbe überhaupt nicht beschäftigt, es war ein Tabu. Aber meine Generation hat das ein bisschen geändert." Eleni Ioannidou ist halb Griechin, halb Polin, sie kam in Wroclaw zur Welt, lebt seit langem in Görlitz und ist in der Welt der Musik zu Hause.

Es ist etwas sehr Faszinierendes, das Lied.

Eleni Ioannidou, Sängerin

Zum Operngesang ist sie über das Lied gekommen, wie sie bekennt: "Ich liebe das Lied. Über die Musik von Franz Schubert, gesungen beispielsweise von Dietrich Fischer-Dieskau und Peter Schreier bin ich überhaupt erst auf das Singen gekommen. Es ist etwas sehr Faszinierendes, das Lied."

Grenzüberschreitende Begegnungen wecken großes Interesse

Auf ihre Idee, den Wettbewerb zu gründen, haben sich 140 Sänger aus der ganzen Welt gemeldet. Das Interesse war also groß, freut sich die Initiatorin, der besonders an den grenzüberschreitenden Begegnungen gelegen ist, um Lust auf Neues, Begegnung und Austausch zu wecken. "Die Welt ist heute natürlich international geworden, nicht mehr von Nationen et cetera geprägt. Ich finde das fantastisch; meiner Meinung nach wäre der Bolko von Hochberg sehr zufrieden mit dieser Idee."

Offenbar hat Eleni Ioannidou den Anstoß zu etwas gegeben, was vielen jungen Künstlerinnen und Künstlern insbesondere aus Deutschland und Polen ein großes Bedürfnis war. Die Sängerin scheint ein gutes Händchen dafür zu haben, Dinge und Menschen zusammenzubringen. Dabei waren die Bedingungen für die Teilnahme am Wettbewerb durchaus sehr anspruchsvoll.

Blick in ein keines Konzert
Bass-Bariton Jerzy Butryn und Lucja Krupa bei dem Projekt "Bolko von Hochberg" 2018. Bildrechte: Ars-Augusta e.V

Hellas als Thema

Eleni Ioannidou erklärt: "Die Sänger sollten nicht älter als 40 Jahre sein, und sie mussten ein Programm von zwölf Liedern vorbereiten, wobei das Repertoire keinesfalls einfach gewesen ist. In diesem Jahr hatten wir 'Hellas' als Thema, also griechische Klassik. Das werden wir auch für die nächste Edition fortführen, um Neue Musik zu pflegen, also auch ausgegrabene Musik oder neu vertonte Musik."

Eine namhafte Jury wird den Liedwettbewerb begleiten und die Preisträger küren. Das Publikum kann sowohl im Görlitzer Gerhart-Hauptmann-Theater als auch im Dom Kultury in Zgorzelec die einzelnen Wettbewerbs-Runden verfolgen. Zu hören sind Kompositionen etwa von Schubert, Ravel, Debussy sowie von griechischen Komponisten. Bis zum Semifinale am 15. Juni ist der Besuch übrigens kostenlos, für die Endrunde am 16. Juni mit anschließender Preisverleihung gibt es Karten zu höchst freundlichen Preisen.

Mehr Infos zum Lied-Wettbewerb Der Wettbewerb ist öffentlich.

Der erste Durchgang ist bei freiem Eintritt.

Der Eintritt im Saal ist nur in den Pausen erlaubt.

Sonntag 12.6.
13:30-13:45 Uhr und 15:30 Uhr.
Montag, 13.6. und Dienstag, 14.6
11 Uhr, 14:30 Uhr und 17 Uhr

Alle weiteren Termine und Preise
www.lied-competition-goerlitz.net

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Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | MDR KLASSIK am Morgen | 11. Juni 2022 | 07:10 Uhr