150 Jahre Hochschule für Musik "Franz Liszt" in Weimar Musikhochschule Weimar: "Ein großartiger Anfang mit Franz Liszt"

Die Weimarer Musikhochschule feiert in diesem Jahr ihr 150-jähriges Jubiläum. Die Gründung geht auf das Jahr 1872 zurück - und die Geschichte bis heute verlief alles andere als glatt. Nicht nur die Zeit des Nationalsozialismus hat Kerben und Spuren hinterlassen. MDR KLASSIK hat sich die Anfänge der Hochschule angesehen.

Barockgebäube mit gelblich gestrichener Fassade, Totale mit einem Reiterdenkmal im Vordergrund
Die Musikschule "Franz Liszt" in Weimar - sie blickt auf 150 Jahre wechselhafte Geschichte zurück. Bildrechte: imago/Karina Hessland

Die Geschichte der Hochschule für Musik "Franz Lizst" in Weimar - sie ist eine wechselhafte. Dank Franz Liszt nahm sie ihren Lauf - und doch war sie den Wogen der Zeit auch immer ausgeliefert. Denn, so sagt der Präsident der Hochschule, Christoph Stölzl, Musik scheint von außen unpolitisch auszusehen - im Inneren ist sie es nicht.

Christoph Stölzl, Gründungsdirektor für das Exilmuseum steht am Anhalter Bahnhof.
Christoph Stölzl, Präsident der Musikhochschule Weimar Bildrechte: dpa

Auch im Nazireich wurden Beethoven und Mozart-Sinfonien gespielt. Und auch da waren die Leute glücklich, während sie dasaßen, währenddessen draußen vor den Toren der Konzertsäle die schlimmsten Sachen passiert sind. Aber umso mehr sollte man einigermaßen wissen, wo man herkommt und was die Institution mal geleistet hat und was nicht.

Christoph Stölzl, Präsident der Musikhochschule Weimar

Franz Liszt legt den Grundstein für die Musikhochschule

Franz Liszt
Mit Franz Liszt trägt die Musikhochschule heute noch den Namen ihres Gründervaters. Bildrechte: imago images / Leemage

1872 beginnt die Geschichte der Hochschule. Damals hatte sich Liszt schon 20 Jahre lang bemüht, eine solche Institution im Herzogtum Weimar auf den Weg zu bringen. "Ein großartiger Anfang", meint Christoph Stölzl. Liszts Idee war philosophisch - Musik als Völkerverbund. Doch, wie es begann, ging es nicht weiter. Weimar wurde mehr und mehr zu einer Orchesterausbildungsstätte, die sich neben den großen Konservatorien schwer entfalten konnte. Die Ideen des Gründervaters Liszt - sie haben dennoch Bestand, meint die Ur-Ur-Enkelin, Nike Wagner.

Die Ideen sind seine Ideen, seiner Zeit, seiner Romantik, seines Kosmopolitismus, seiner Neubestimmung des Musikers. Er will den denkenden, umfassend gebildeten Musiker. Er will Musiker herangebildet sehen, die sich auch gesellschaftlichen Aufgaben und Einordnungen bewusst sind. Alles schöne große, hehre Ziele - und diese Ideen haben weiter gewirkt.

Nike Wagner, Ur-Ur-Enkelin von Franz Liszt
Frau singt auf einer Bühne 1 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL So 23.01.2022 19:00Uhr 01:27 min

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Die ersten Schülerinnen und Schüler kommen

Anders als zu dieser Zeit üblich wurden in Weimar neben Schülern auch Schülerinnen aufgenommen - und diese kamen auch aus Riga, Kiew, Manchester, Ohio und aus der Nähe von New York. Damals war Schulgeld üblich, doch es gab auch Stipendien für zahlungsschwächere Schüler und Schülerinnen. Und: Auch die Weimarer Herzogin subventionierte. 

Ungewissheit nach dem Zweiten Weltkrieg

So langsam wuchs die Schule zu einem Ort, der dennoch seine Brüche erlebte. Wolfram Huschke hat die Geschichte der Hochschule in den Archiven umfangreich recherchiert. Der erste Bruch, so sagt Huschke, war, als sich Carl Müllerhartung als Kapellmeister von Richard Strauss verdrängt fühlte. Die zweite Krise sei dann der Erste Weltkrieg gewesen. Und mit ihm die Frage: Wie geht es weiter? 1930 folgte dann schließlich die Ernennung zur Hochschule.

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Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 24. Januar 2022 | 08:40 Uhr

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