Rezension "Il trovatore" an der Oper Leipzig

Zwei Männer sind in dieselbe Frau verliebt und wissen nicht, dass sie Brüder sind. Ein Kind wurde vor vielen Jahren ins Feuer geworfen und lange ist nicht klar, welches. Eine geheimnisvolle Frau behält ihr Geheimnis für sich, am Ende ist einer der beiden Männer tot, hingerichtet vom eigenen Bruder. Wir sind mitten in der italienischen Oper der Romantik: "Il trovatore" von Giuseppe Verdi.

Mann
Gaston Rivero als "Manrico" Bildrechte: KirstenNijhof

Kultur

Il Trovatore an der Oper Leipzig 6 min
Bildrechte: Kirsten Nijhof

Giuseppe Verdis "Il trovatore" wurde am 6. Dezember live aus der Leipziger Oper gestreamt. Hören Sie die Rezension dazu von Uwe Friedrich.

MDR KLASSIK Mo 07.12.2020 08:10Uhr 06:18 min

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Mit seinem Librettisten Salvatore Cammarano erzählt der Komponist die Schauergeschichte atmosphärisch und in kurzen Szenen, von denen in der Leipziger Kurzfassung einige der Schere zum Opfer fallen. Die Vorgeschichte sollten Zuschauer bereits aus dem Opernführer kennen, denn sie erschließt sich in Jakob Peters-Messers Inszenierung nur bedingt.

Zum Bühnenbild:

Noch schneller als in der Originalversion wechseln die Schauplätze und bleiben in Markus Meyers rudimentärem Bühnenbild über dem Orchestergraben doch immer gleich. Am Rand ein mit rotweißem Flatterband abgesperrter Sperrmüllhaufen, das Zuhause der geheimnisvollen Azucena, der Troubadour kommt mit einem fahrbaren Hochstand ins Bild, zwischendurch kämpfen geflügelte Ritter-Statisten mit Riesenschwertern. Das scheinen Übrigbleibsel eines Regiekonzepts aus Vor-Corona-Zeiten zu sein, die recht zusammenhanglos einige gemäßigt surrealistische Bilder zum Eifersuchtsgeschehen bieten. Zum Finale klettert Azucena in einen Sarg und wieder heraus, ohne dass damit dem Armerecken und Augenrollen neue Spannung hinzugefügt würde.

EIne Frau streckt die Arme nach oben
Marina Prudenskaya als "Azucena" Bildrechte: Kirsten Nijhof

Zu den Sängern:

Wenn die Aufmerksamkeit gegen Ende der hundert Minuten Aufführungsdauer dann doch ein wenig abflacht, sorgt Marina Prudenskaya als Azucena noch einmal für einen für einen grandiosen Gänsehautmoment, wenn sie sich im Kerker zurückträumt in die heimischen Wälder und sich im Ensemble mit den feindlichen Brüdern ein Moment größter Sehnsucht und zum Scheitern verurteilter Utopie öffnet. Da hat sich Roberta Mantegna als Leonora bereits vergiftet, nachdem sie zuvor mit Koloraturleichtigkeit ebenso überzeugen konnte wie mit großem Leidenston. Der Tenor Gaston Rivero hat die nötige Durchschlagskraft und sichere Höhe für den Titelhelden, Dario Solari gibt dem fiesen Bruder eine gefährliche Eleganz, die ihn fast sympathisch erscheinen lässt.

Sängerin auf einer Bühne
Roberta Mantegna als "Leonora" Bildrechte: KirstenNijhof

Zum Orchester:

Dirigent Antonino Fogliani lässt es mit dem Gewandhausorchester zunächst recht ruhig angehen, rückt den mittleren Verdi in die Nähe der großen Lyrikers Vincenzo Bellini. Diese ruhige Grundfläche braucht er, um im weiteren Verlauf das Drama mit rhythmischer Kontur und vorwärtsdrängender Kraft aufbrechen zu lassen. Die weggefallenen Szenen hätte man in dieser Qualität gerne auch noch gehört, während das szenische Arrangement verzichtbar bleibt.

Dieses Thema im Programm: 07. Dezember 2020 | 08:10 Uhr