Musikinstrumente Mit Stanley-Hobel und Knochenleim – Nachbauten historischer Tasteninstrumente

Kerstin Schwarz hat Intarsienschneiderin gelernt, Restauration studiert und am Händelhaus in Halle gearbeitet. Dann machte sie sich selbstständig, lebte in Italien und kehrte schließlich nach Sachsen-Anhalt zurück. Die Instrumentenbauerin hat unter Freunden besonderer Klaviernachbauten einen vorzüglichen Ruf. Wir haben sie in ihrer Werkstatt in Zerbst besucht.

Nachbau eines Clavecin Royal der Instrumentenbauerin Kerstin Schwarz
Nachbau eines Clavecin Royal der Instrumentenbauerin Kerstin Schwarz Bildrechte: Kerstin Schwarz
Nachbau eines Clavecin Royal
Nachbau eines Clavecin Royal Bildrechte: Kerstin Schwarz

Zur Zeit arbeitet Kerstin Schwarz an einer Intarsie aus Eibenholz: fein geflammt, rötlich schimmernd, schön gemasert. Und der Hobel aus Stahl blitzt im Werkstattlicht. Eigentlich, sagt sie, sei es mehr ein Kratzen als ein Hobeln. Dabei entstünden auch keine Späne, sondern lediglich ein feines Holzpulver. Stoß um Stoß schneidet sie mit dem Hobelmesser an der Hirnholzkante des Sägefurniers, das mit anderthalb Millimetern deutlich stärker ist als geschältes Furnier, das üblicherweise für Tischplatten oder Schrankwände verwendet wird.

Das soll begradigt werden. Es braucht viel Geduld bis das Stück wirklich gerade ist. Es ist Teil der Intarsie. Die Sohle des Hobels muss überall aufliegen, dann weiß ich, dass es hundertprozentig passt.

Kerstin Schwarz, Instrumentenbauerin und Restauratorin
Detail des Nachbaus eines Clavecin Royal
Detail des Nachbaus eines Clavecin Royal Bildrechte: Kerstin Schwarz

Eibenfurnier war beliebt im 18. Jahrhundert. Der Streifen, den Kerstin Schwarz bearbeitet, soll Verwendung finden beim Nachbau eines sehr speziellen Instruments, eines "Clavecin Royal", das im Original in der Werkstatt des Dresdner Instrumentenbauers Johann Gottlob Wagner gefertigt wurde. Ein zeitgenössisches Lexikon beschreibt es als ein Pianoforte mit sechs Veränderungen des Klangs in Form eines Klaviers. Diese Veränderungen werden durch drei Pedaltritte regiert und geben den Ton eines bekielten Flügels, einer Laute, Harfe oder Pantalons.   

Das ist eigentlich das Hauptanliegen dieses Instrumentes: Der Klang lässt sich variieren. Und anders als bei Silbermann, der noch umständlich aufstehen musste, um das einzustellen, lässt es sich beim Clavecin Royal mit Kniehebeln während des Spiels lösen.

Auch mit Silbermann kennt Kerstin Schwarz sich aus: 2012 hat sie ein Instrument gebaut, das die drei erhaltenen Hammerklaviere des sächsischen Orgelbaumeisters zum Vorbild hat. Zwei der wertvollen Originale stehen heute in Potsdam in der Sammlung Preußischer Kulturbesitz, das Dritte in Nürnberg im Germanischen Nationalmuseum. Was der Hammerflügel von Silbermann kann – das demonstriert Kerstin Schwarz an der Kopie:

Die Dämpfer lassen sich heben. Silbermann hat diese Aufhebung erfunden. Pedale gab es ja noch nicht. Das Register musste also mit der Hand betätigt werden.

Kerstin Schwarz spielt. Mehrere Töne klingen ineinander. Es gibt verschiedene Register, eines, das den Klang des damals bekannten Pantalon imitieren sollte. Pantalon Hebestreit hatte das Instrument berühmt gemacht, weil er es bis an den Hof Ludwigs des Vierzehnten geschafft hatte. Es wirkt schlicht und edel. Kerstin Schwarz tourt damit durch ganz Europa und stellt es Pianisten zur Verfügung, damit sie darauf konzertieren können. Nächste Woche etwa ist sie in Belgien, Ende des Monats in London. Einen Eindruck vom Klang des Instruments erhalten Sie hier:

Kultur

die Klaviatur eines alten Tasteninstruments 4 min
Bildrechte: imago images/Westend61
4 min

Der Nachbau historischer Instrumente ist eine Kunst. Die Originale sind oft technische Meisterwerke: raffiniert und einzigartig. Kerstin Schwarz hat sich auf alte Tasteninstrumente spezialisiert.

MDR KLASSIK Mi 19.01.2022 09:10Uhr 04:20 min

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Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 19. Januar 2022 | 08:40 Uhr

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