"Klänge der Hoffnung": Interkulturelles Laienorchester Leipzig Musik als gemeinsame Sprache verschiedener Nationalitäten und Erfahrungen

Das rund fünfzigköpfige Orchester „Klänge der Hoffnung“ verbindet Musikerinnen und Musiker mit und ohne Migrationshintergrund in einem großen Projekt. Über die gemeinsame Sprache der Musik kann hier kommuniziert werden, wofür sonst manchmal die richtigen Worte fehlen.

Esmeralda Bolaños aus Mexiko links am Akkordeon
Das interkulturelle Orchester Leipzig bei einer Probe. Bildrechte: MDR/Grit Friedrich

Hinten das Schlagwerk und vorne die Geigen, etwas erhöht daneben der Dirigent. So kennt man die klassische Orchesteraufstellung. So strukturiert sich auch das interkulturelle Laienorchester Leipzig und wird damit seiner klassischen Ensemble-Bezeichnung gerecht.

kurze Probenpause beim Orchester "Klänge der Hoffnung"
Bildrechte: MDR/Grit Friedrich

Lässt man das Auge über die etwa 50 Musikerinnen und Musiker des Orchesters schweifen, fällt schnell auf, dass hier kein traditionelles Sinfonieorchester zu hören ist. Neben europäischen Streichinstrumenten finden sich Gitarren verschiedener Bauform, daneben die orientalische Laute Tar und auch Oud und Baglama. Zwei Akkordeone bilden eine eigene Stimmgruppe und gerade die Schlagwerkfraktion zeigt eine instrumentale Vielseitigkeit, die nur von den später gespielten Rhythmen übertroffen wird.

Begegnung auf Augenhöhe

Musik als eine Sprache zu nutzen, die über Grenzen geht, die verbindet und Brücken schlägt: so das Anliegen des ersten transkulturellen Laienorchesters in Leipzig. Durch die musikalische Begegnung auf Augenhöhe entsteht die Möglichkeit zu einem interkulturellen Austausch, nicht durch Gespräche oder Vorträge, sondern über das gemeinsame Tun. Tilmann Löser, Projektleiter und Pianist erklärt:

Wir haben ja in Sachsen viele politische Probleme. Stichwort 'Akzeptanz von Menschen mit Migrationshintergrund'. Wir halten den Leuten keine Vorträge, wir senden schöne Bilder nach draußen. Wir haben Menschen aus ganz verschiedenen Kulturen, die sich zusammenfinden, die zusammen was machen, was nur zusammen machbar ist, das ist das Wichtigste.

Daraus erwächst ein vielseitiges Repertoire, in dem deutsche neben iranischen Volksliedern erklingen und Harmonien und Rhythmen aus verschieden Musikkulturen zusammenkommen. So erklärt Ali Pirabi, musikalischer Leiter des Orchesters, der erst seit wenigen Jahren mit seiner Familie in Leipzig lebt, zu einem der gespielten Stücke:

Das Lied Segodar ist aus dem Nordiran und auch ein Volkslied. Es ist sehr berühmt im Iran. Ich wollte es mit dem Orchester spielen und habe in der Mitte etwas dazu komponiert. Ich wollte auch den Iranern zeigen, es ist ein Volkslied, aber man kann das auch mit europäischen Harmonien spielen. Davor hat das niemand gemacht. Niemand hat es mit Orchester gespielt. In der Mitte habe ich eine Melodie mit Sambarhythmus geschrieben.

Musik als Brücke und als Türöffner

Initiiert wurde das Projekt von der Stiftung Friedliche Revolution Leipzig im Jahr 2016, aus dem Wunsch heraus, die Situation Geflüchteter in Deutschland zu verbessern.

Mohammad Khaitou, der in Syrien geboren wurde, ist Gitarrist im interkulturellen Laienorchester Leipzig. Er erzählt, warum er ein Teil des Orchesters geworden ist:

Mohammad Khaitou, ganz rechts im Bild aus Syrien
Mohammad Khaitou aus Syrien, ganz rechts im Bild Bildrechte: MDR/Grit Friedrich

Ich spiele Musik und ich möchte gern in einer großen Gruppe spielen. Als ich nach Deutschland kam, da konnte ich kein Deutsch sprechen, und ich habe mich mit den Leuten durch Musik unterhalten. Dann war dieses Orchester hier und ich habe gesagt: 'Ok, ich komme'. Ich bin seit langem hier in Leipzig, vielleicht kann ich jemandem helfen und dann baut man eine Freundschaft auf.

Es entstand ein Netzwerk an Interessierten mit und ohne Fluchterfahrung und entwickelte sich über kleinere Konzerte, Veranstaltungen und Anfragen zu einem immer bekannteren Projekt. Im April 2021 startete nun mit dem interkulturellen Laienorchester das bisher größte Ensemble der Initiative „Klänge der Hoffnung“.

kurze Probenpause beim Orchester "Klänge der Hoffnung" 5 min
Bildrechte: MDR/Grit Friedrich

Die Stiftung Friedliche Revolution hat ein interkulturelles Laienorchester aufgebaut. Für das Projekt "Klänge der Hoffnung" wurden Musikerinnen und Musiker mit und ohne Fluchterfahrung gesucht. Grit Friedrich berichtet.

MDR KLASSIK Fr 16.07.2021 07:13Uhr 04:31 min

https://www.mdr.de/mdr-klassik-radio/klassikthemen/klaenge-der-hoffnung-interkulturelles-laien-orchester-leipzig-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 16. Juli 2021 | 07:13 Uhr