Studie Musik bleibt ein Hobby für Privilegierte – wenig Amateurmusik im Osten

Jede oder jeder Fünfte in Deutschland macht Musik als Hobby. Das zeigt eine aktuelle Studie. Aber: längst nicht alle Bevölkerungsschichten haben gleichermaßen Zugang zur Musik. Und: Im Süden wird am meisten, im Osten am wenigsten musiziert.

Mädchen mit längeren, dunklen Haaren und freundlichem Gesicht spielt Klavier und Blickt dabei nach oben in die Kamera – Vogelperspektive/Draufsicht
Klavierspielen: Besonders bei jungen Musikerinnen und Musikern beliebt Bildrechte: imago images/photothek

Gerade die klassische Musik muss sich gern mal den Vorwurf gefallen lassen, ein elitäres Geschmäckle mit sich rumzutragen. Eine neue Studie des Bonner Musikinformationszentrums (MIZ) bestätigt das. Sie zeigt, das vor allem zwei Faktoren bei Freizeitmusizierenden vorhanden sind: wohlhabend und gebildet. Menschen, die in solchen privilegierten Haushalten leben, musizieren etwa doppelt so oft.

Fast die Hälfte der Kids in Deutschland musiziert

14,3 Millionen Menschen – also fast jede oder jeder Fünfte – macht in der Freizeit Musik. Das kann in Chören sein oder in Bands oder einfach nur in den eigenen vier Wänden. Besonders hoch ist der Anteil bei den Kids: Unter den 6- bis 15-Jährigen musiziert fast die Hälfte. Dünn wird's ab dreißig: Nur noch 13 Prozent machen dann noch Musik.

Tasteninstrumente stehen hoch im Kurs! Beliebtestes Instrument ist zwar die Gitarre, gleich danach kommen aber das Klavier, sowie E-Piano, Keyboard – und, leicht überraschend – Synthesizer! Das gilt für alle über 16. Bei den Jüngeren steht das Klavier sogar an erster Stelle, gefolgt von Blockflöte und Gitarre.

Achtzig Prozent der Amateurmusizierenden spielen ein Instrument. Singen würden vor allem Frauen, so die Studie, das Spielen eines Instrumentes sei aber eine Männerdomäne.

Deutliches Ost-Süd-Gefälle

Interessant ist auch ein Blick auf die Wohnorte der Freizeitmusikerinnen und -musiker: Besonders Kinder in Großstädten musizieren überdurchschnittlich viel. Bei den Erwachsenen ist es umgedreht, da wird in den Dörfern am meisten Musik gemacht. Auch in den Regionen gibt es deutliche Unterschiede: Während im Osten der Anteil an Amateurmusizierenden am geringsten ist, ist er im Süden am höchsten.

Für die am Mittwoch veröffentlichte Studie hat das MIZ 1208 Menschen befragt, darunter über 300 Eltern, die auch Auskunft über ihre Kinder gaben. Die Daten stammen aus dem November und Dezember 2020, beziehen sich aber auf die Zeit vor Corona. Aber auch dazu gibt es Daten: Ein Viertel der Kinder und ein Drittel der Personen ab 16 Jahren würden seit der Pandemie weniger musizieren. Das betrifft besonders Singende: Vor allem aufgrund fehlender Kontaktmöglichkeiten macht die Hälfte nun weniger Musik.

flo

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 25. März 2021 | 08:40 Uhr