Hochschule für Musik Dresden In der Kinderklasse lernen die Musiker von morgen

An der Dresdner Musikhochschule werden nicht nur Studenten ausgebildet sondern – in den Fächern Rhythmik und Instrumentalspiel – auch Kinder ab vier Jahren. Das Credo der Pädagogen: Frühkindliche Förderung kann auf dem Weg zum Musikerdasein nur förderlich sein. Die Kinderklasse gibt es nun seit vierzig Jahren.

Kinder spielen in einer Musikschule
Symbolbild: Kinder Bildrechte: dpa

Zum Kichern und Toben ist auch Zeit. In der Regel aber geht es in der Kinderklasse der Dresdner Hochschule für Musik gesittet zu. Rhythmik heißt der Unterricht, an dem heute sechs Kinder teilnehmen. Lukas, Elisa, Martha, Hanna, Heidi und Luisa üben, sich im Takt der Musik zu bewegen. Sie lieben die Musik. Deshalb gehen sie nach dem normalen Schulunterricht noch zum Unterricht an die Musikhochschule. Zwischen sieben und neun Jahre sind sie alt, und spielen ihr Instrument seit dem Vorschulalter.

Die Grundidee ist, relativ früh mit dem Instrument zu beginnen, und auch früh eine entsprechende Vorleistung zu erbringen, also die Musikalität allseitig zu fördern. Sowohl in der Bewegung als auch in der Wahrnehmung des Hörens, des Umsetzens. Damals, 1981, war es ein Bestreben der Hochschule, den künstlerischen Nachwuchs selbst zu liefern. Wir hatten damals vor allem Geiger und Cellisten, also Orchestermusiker. Mittlerweile ist das anders. Wir haben auch Gitarren oder Klaviere. Und seit wir die Rhythmik-Ausbildung haben, hat die Kinderklasse auch im hochschulinternen Kontext in der lehrpraktischen Übung für die Studenten eine Bedeutung bekommen.

Prof. Christine Straumer, Mitbegründerin der Kinderklasse

Auch die Hochschule profitiert

Inzwischen profitieren also nicht nur die Schüler, sondern auch die werdenden Musikpädagogen von der Kinderklasse. Zwei Studentinnen assistieren der Professorin, schauen zu oder übernehmen selbst den Unterricht. Wichtig ist, dass die Kinder gern kommen und sich nicht überfordert fühlen.

Man muss sich das wie beim Fußballtraining vorstellen: Es fängt gemächlich an, und wenn die Kinder zum Instrument kommen, heißt es dann drei Mal in der Woche musizieren – zwei Mal Instrument und einmal Rhythmik. Dann wird sichtbar, ob ein Kind das gern macht, oder ob es sich quälen muss.

Prof. Christine Straumer
ein Lehrer übt mit einem kleinen Mädchen Klavierspiel.
Bildrechte: imago images/Shotshop

Die, die sich nicht quälen müssen, gehen oft den Weg zum Landesgymnasium für Musik, wo sie weiter musikalisch gefördert werden. Meist sind das drei bis vier Kinder pro Jahrgang. In über vierzig Jahren hat Christine Straumer so manchen Profimusiker heranwachsen sehen.

Friedrich Thiele zum Beispiel ist Konzertmeister geworden. Manche leiten Musikschulen, andere sind in den Jazz/Rock/Pop gegangen und haben eigene Bands wie etwa Sascha Aust.

Spielerischer Ansatz in der Kinderklasse

Tatsächlich ist der heute 24-jährige Friedrich Thiele von der Staatskapelle Dresden gerade erst zum Konzertmeister der Celli gewählt worden. Der junge Musiker war vom Vorschulalter bis zum Gymnasium in der Kinderklasse und erinnert sich noch gut an diese Zeit.

In diesen fünf Jahren habe ich eigentlich alle musikalischen Grundlagen gelernt. Besonders wichtig war mir natürlich das Hauptfach, das Cellospielen bei Frau Altmann, aber auch die „Hoppsestunde“. Frau Straumer hat uns spielerisch alles vermittelt, was wir noch heute in den Fingern haben.

Friedrich Thiele, Konzertmeister Celli, Staatskapelle Dresden

Den spielerischen Ansatz pflegt Christine Straumer in jeder Unterrichtsstunde. Derzeit übt sie mit den Kindern einen Weihnachts-Kanon ein, bei dem es nicht nur darum geht, sauber und mehrstimmig zu singen, sondern auch eine kleine Choreographie zu tanzen und im Takt der Musik ein kleines Teelicht zu schwenken.

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