Zum Frauentag am 8. März 2022 Die Komponistin Dora Pejačević – erst vergessen, dann verehrt

Komponistinnen haben es noch immer nicht leicht im Konzertbetrieb. Dass die Sinfonie von Dora Pejačević kürzlich im Leipziger Gewandhaus erklang, ist einem Saison-Schwerpunkt zu Arthur Nikisch zu verdanken. Der berühmte Gewandhauskapellmeister ist vor 100 Jahren gestorben und hat sich für das Werk der kroatischen Komponistin interessiert. Aus gutem Grund. MDR KLASSIK stellt die Komponistin und ihr Werk vor.

Füllfederhalter auf Notenblatt
Der Werkkatalog von Dora Pejačević umfasst 58 Opus-Zahlen. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Gerhard Leber

Mit spätromantischen Klängen, die in ihrer Fülle an Richard Strauss oder Gustav Mahler erinnern, eröffnet die kroatische Komponistin Dora Pejačević ihre Sinfonie in fis-Moll. Zwei der vier Sätze wurden im Jahr nach der Fertigstellung 1918 im Großen Saal des Musikvereins Wien uraufgeführt. Zwei Jahre später hat die Dresdner Philharmonie das komplette Werk in Dresden aufgeführt. Fast wäre es 1922 auch zu einer Aufführung im Leipziger Gewandhaus gekommen.

Der deutsche Dirigent Arthur Nikisch in einer zeitgenössischen Aufnahme.
Arthur Nikisch war damals nicht nur Gewandhauskapellmeister, sondern auch Chefdirigent der Berliner Philharmoniker und international gefragter Gastdirigent. Bildrechte: dpa

Tobias Niederschlag, Konzertdramaturg beim Leipziger Gewandhausorchester erzählt: "Nikisch hat die Partitur dieser Sinfonie bekommen und ganz konkrete Pläne gemacht, dieses Werk im Gewandhaus zu präsentieren. Das hätte ganz sicher für die Komponistin und für dieses Werk einen besonderen Schub bedeutet, auch was die Aufmerksamkeit der internationalen Musikwelt betrifft. Diese Pläne konnte Nikisch leider nicht umsetzten, weil er darüber verstorben ist."

Arthur Nikisch war damals ein international gefragter Dirigent. Bestimmt hätte das Werk durch sein Dirigat große Aufmerksamtkeit bekommen.

Ein Leben mit tragischen Momenten

Die Biografie von Dora Pejačević ist durchaus tragisch. 1885 wurde sie als Tochter einer ungarischen Baronin und eines kroatischen Grafen geboren. Sie ist in einem intellektuell und künstlerisch anregenden Umfeld in Budapest, Zagreb und im Schloss der Familie im slawonischen Našice aufgewachsen.

Geschwungene Notenzeilen mit Violinschlüssel 4 min
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4 min

MDR KLASSIK Di 08.03.2022 08:40Uhr 03:40 min

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Schon früh erhielt sie Klavier- und Violinunterricht, hat in Dresden und München Komposition studiert, war vertraut mit der Musik eines Gustav Mahler und Richard Strauss, verkehrte mit Literaten wie Rainer Maria Rilke, Karl Kraus und Annette Kolb und las russische, französische, deutsche und englische Literatur im Original.

Ihre äußerst sensible Natur reagiert wie ein Seismograph auf die feinsten Anregungen. Natur, Literatur, Gefühlszustände: alles das ruft eine besondere schöpferische Spannung hervor, die im Entstehen des Werkes freigesetzt wird. Offenbar gehört sie zum inspirativen Typus, der in Trance einer musikalischen Besessenheit arbeitet.

Koraljka Kos, Musikwissenschaftlerin in ihrer Biografie über Dora Pejačević (1982)

1923 ist Dora Pejačević mit 37 Jahren nach der Geburt ihres ersten Kindes verstorben. Ihr Werk war mehr oder weniger vergessen, bis die kroatische Musikwissenschaftlerin Koraljka Kos 1982 eine Biografie über die Komponistin geschrieben hat.

Berühmt und verehrt

Heute ist Dora Pejačević in Kroatien ein Star. Es gibt einen Film über sie und einen Roman. Sogar ein Parfum trägt ihren Namen. Viele ihrer Werke sind inzwischen publiziert, einige auch auf CD eingespielt. Das Werk der Komponistin umfasst 58 Opus-Zahlen, darunter Klaviermusik, Klavierkammermusik, Streichquartette, ein Klavierkonzert, Orchesterlieder oder eben ihre spätromantische fis-Moll-Sinfonie.

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Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 08. März 2022 | 08:40 Uhr

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