Plagwitzer Ballettschule Computerbildschirm statt Spiegel: Ballettunterricht in Zeiten von Corona

Er ist aus den vorweihnachtlichen Programmen der Theater- und Opernhäuser nicht mehr wegzudenken – für viele Tänzerinnen und Tänzer ist die Aufführung des „Nussknackers“ von Tschaikowski ein fester Termin im Kalender. Im letzten Jahr war das leider anders. Aber nicht nur die großen Häuser, auch die Plagwitzer Ballettschule musste zum Jahresabschluss auf Bühnenauftritte verzichten. MDR KLASSIK hat mit der Leiterin der Schule, Julia Veigel, über die pandemiebedingten Herausforderungen gesprochen.

Ballett
Bildrechte: Colourbox

Der Tanz der Zuckerfee oder der Russische Tanz – wenn diese berühmten Melodien aus Tschaikowskis „Der Nussknacker“ erklingen, fangen die Füße beinahe wie von selbst an zu tanzen. So zumindest ergeht es Julia Veigel, der Besitzerin und Künstlerischen Leiterin der Plagwitzer Ballettschule in Leipzig, und auch ihren Kollegen und Schülern.

Wir werden da alle ganz wehmütig, wenn wir mal irgendwo ein paar Takte Nussknacker hören oder so. Da fangen die Beine gleich an zu scharren.

Mehrere Tänzer in Kostümen tanzen auf der Bühne und sammeln sich um eine Frau, die die Figur eines Nussknackers in die Luft hält
Eine Aufführung des Märchenballetts "Der Nussknacker" Bildrechte: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle/Gert Kiermeyer

Das Märchenballett konnte in der Weihnachtszeit nicht aufgeführt werden, die Jahresabschlussveranstaltungen konnten nicht stattfinden. Auch der Unterricht fand im letzten Jahr für die Schülerinnen und Schüler nicht wie gewohnt im Ballettsaal vor der Spiegelwand, sondern im heimischen Wohnzimmer vor dem Computerbildschirm statt. Die Ballettschule, die von Henriette Rossner-Sauerbier, der Urenkelin des Industriepioniers Karl Heine, gegründet wurde, bietet im Moment Online-Kurse an. Diese stellen die Tanzlehrerinnen und Tanzlehrer vor ganz neue Herausforderungen.

Ballettunterricht unter erschwerten Bedingungen

Es ist nicht einfach damit getan einen Laptop hinzustellen und loszulegen. Das sind ganz viele Faktoren, die da mit reinspielen. Auch: Wie zieh ich mich an? Ich bin heute zum Beispiel dunkel gekleidet, da werde ich nachher noch ein paar helle Strümpfe anziehen, damit die Schüler meine Beine auch gut sehen können.

Die Schülerinnen und Schüler selbst sieht Julia Veigel dann auch nur auf einem kleinen Bildschirm – hier sind leider Füße oder Arme manchmal nicht so gut zu sehen. Außerdem muss das Tempo angepasst, die richtige Musik ausgesucht und Datenschutz beachtet werden. Trotz dieser erschwerten Bedingungen gibt sich die Absolventin der Palucca Schule in Dresden gemeinsam mit ihren sechs künstlerischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern alle Mühe, die Tänzerinnen und Tänzer wortwörtlich „bei der Stange zu halten“.

Aufnahme der Füße einer Ballerina in Spitzenschuhen, während sie tanzt 5 min
Bildrechte: Pixabay/Jabore
Julia Veigel, Leiterin Plagwitzer Ballettschule
Julia Veigel ist die Leiterin Plagwitzer Ballettschule. Bildrechte: Gildemeister Fotografie

Sie möchten auf keinen Fall den Kontakt verlieren und das scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Viele wünschen sich, dass Julia Veigel und ihre Kolleginnen und Kollegen weitermachen und haben auch seit Beginn der Pandemie trotz Unterrichtsausfall die Kursgebühren weitergezahlt. Daher war die Ballettschule auch bis vor Kurzem noch nicht auf staatliche Hilfe angewiesen. Im Moment bemüht sie sich um die Novemberhilfe und auch um eine Förderung vom Dachverband Tanz. Den treuen Unterstützern ist Julia Veigel aber besonders dankbar, denn so wird auch hervorgehoben, wie wichtig ihre Arbeit ist.

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 04. Januar 2021 | 09:15 Uhr