Nächste Generation Leipziger Gesangsstudentin auf der Profi-Bühne: "Alles, wie ich es mir vorgestellt habe"

Vor einem Jahr ist die Sängerin Anna Katharina Eufinger nach Leipzig gezogen, um an der hiesigen Hochschule für Musik und Theater weiter Gesang zu studieren. Ihr Ziel war es, mehr Selbstvertrauen zu erlangen und später auf der Opernbühne stehen. Nun ist sie beiden Zielen näher: In Bad Lauchstädt übernahm sie in einer Produktion der Bühnen Halle von Mozarts "Le Nozze di Figaro" die Rolle der Barbarina. MDR KLASSIK hat sie begleitet.

Eine Frau schaut vorsichtig durch einen Durchgang auf eine Bühne.
Anna Katharina Eufinger war bei ihrem ersten Gastauftritt für die Oper Halle freudig aufgeregt. Bildrechte: Thilo Sauer/MDR

Es ist ein wolkenloser und heißer Tag in Bad Lauchstädt. Die Menschen tragen leichte Sommerkleidung und sammeln sich bereits im Park vor dem frisch sanierten Goethe-Theater. Hinter der Bühne ist freudige Anspannung zu spüren: Die Darstellerinnen und Darsteller machen sich fertig, zwischendurch umarmen sie sich und flüstern ein "Toitoitoi" über die Schultern.

Auch Anna Katharina Eufinger ist es wichtig, ihren Mitspielerinnen und Mitspielern viel Glück für diesen Auftritt zu wünschen. Die junge Sängerin ist noch ganz entspannt – immerhin hat sie ihren Auftritt erst im dritten Akt.

Eine Frau wird geschminkt.
Schon, als sie noch im Chor sang, ist Anna immer gerne in die Maske gegangen. Bildrechte: Thilo Sauer/MDR

Hoffnungen in Leipziger Musikhochschule

Vor ungefähr einem Jahr hat die Sopranistin angefangen, den Master Gesang an der Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" zu studieren. Sie ist damals mit klaren Hoffnung und Zielen Leipzig gekommen, die sich auch zu erfüllen scheinen: Sie wollte mehr Selbstbewusstein und Präsenz auf der Bühne entwickeln, was ihrem Gefühl nach besser geworden sei.

Eufinger hat sich für eine größere Hochschule entschieden, um von möglichen Netzwerken zu profitieren. Tatsächlich ist die Oper Halle an die Hochschule herangetreten, um junge Sängerinnen und Sänger für eine Wiederaufnahme zu finden. So entspannt wie vor dem Auftritt war sie beim Vorsingen jedoch nicht: "Beim Vorsingen steckt immer noch diese Angst dahinter, was passieren könnte, wenn ich mich falsch präsentiere. Kann mir das auch etwas verbauen, wenn ich ganz schlecht vorsinge?" 

Blick auf mehrere Styropor-Köpfen. Auf einem in der Mitte liegt eine braunlockige Perücke, auf einem Zettel steht Anna Katharina Eufinger.
Zu den meisten Kostümen dieser bewährten Mozart-Produktion gehören auch Perücken. Bildrechte: Thilo Sauer/MDR

Doch sie konnte überzeugen. Vor einem Jahr hat Anna Katharina Eufinger noch gesagt, dass eine ihrer Traumrollen Donna Anna in Mozarts "Don Giovanni" wäre. Da scheint es ein Schritt in die richtige Richtung zu sein, dass sie nun die Barbarina in "Die Hochzeit des Figaro" – eine von ihren Lieblingsopern – singt.

Letzte Vorbereitungen in Bad Lauchstädt

Während die anderen schon auf oder neben der Bühne stehen, geht Eufinger in die Maske: Die Lippen werden nachgezogen, die Augen geschminkt und mit künstlichen Wimpern versehen. Außerdem bekommt sie – wie fast alle Solistinnen und Solisten an diesem Tag – eine Perücke aufgesetzt. In der Pause zieht sie sich dann ihr Kostüm an: ein langes, hellgrünes Kleid und einen dazu passenden Sommerhut. Mit einem großen Lächeln tritt sie aus der Garderobe: "Das finde ich schön, wenn man so in einen anderen Charakter schlüpft. Ab da ist man eher die Rolle."

Dann muss Anna Katharina Eufinger die steilen Treppen des Goethe-Theater herabsteigen – an vielen Stellen ist das historische Haus sehr beengt. Auf der Seitenbühne wirkt sie etwas angespannt: Im Kopf scheint sie nochmal alles durchzugehen. Hand in Hand mit der Cherubino-Sängerin Yulia Sokolik rennt sie von rechts an den Bühnenrand, wo sie sich wie zu einem romantischen Picknick auf dem Boden setzen.  

Eine Frau mit hochgesteckten Haaren und mit einem türkisen Sommerhut lächelt in die Kamera.
Etwas ganz anderes für eine ganz andere Rolle – so empfindet Anna Katharina Eufinger ihr Kostüm. Bildrechte: Thilo Sauer/MDR

Traditionsreiche Inszenierung der Oper Halle

Die Inszenierung von "Die Hochzeit des Figaro" läuft schon seit den Neunzigern an der Oper Halle und wird komplett in Deutsch gesungen. Die Sopranistin hatte daher nur wenige Proben, wo ihr die Abläufe erklärt wurden. Trotz der kurzen gemeinsamen Arbeit ist die Sängerin Yulia Sokolik begeistert: "Ich konnte nicht glauben, dass sie eine Studentin ist. Sie war selbstbewusst, sie konnte alles auswendig und auf der Bühne hat sie gut reagiert. Das war sehr angenehm."

Dabei war es für Eufinger auch eine neue Erfahrung, denn als Barbarina hat sie einige Rezitative, die im Studium nur selten geübt werden. "Man muss da viel vom Sprechen kommen und nicht eins zu eins nach den Noten singen", erklärt die Studentin. "Das war für mich schwierig, weil ich gerne sehr genau arbeite." Deswegen hat sie ihre Nummern mit in den Unterricht genommen. Das Fach Partienstudium ist immerhin extra dafür da, eine Rolle in ihrer Gesamtheit einzustudieren. "Es hat gut geklappt und inzwischen fühle ich mich frei", urteilt die junge Sängerin selbst.

Eine Frau in einem türkisen, langen Kleid steht auf einer Bühne und schaut freudig in ihre Hände.
In ihrer Arie singt Anna davon, dass sie eine wichtige Haarnadel verloren hat. Bildrechte: Thilo Sauer/MDR

Erfolgreicher Auftritt und begeistertes Opernpublikum

Sie liebe es, dass sie während des Singens auf der Bühne so viel agieren darf und muss: "Für mich ist das auch ein Grund, dass ich die Oper machen möchte, weil ich das Gefühl habe, ich kann erst richtig aufblühen, wenn ich das mit dem Spiel verbinde." Dass Eufinger dabei den Gesang nicht aus dem Blick verliert, bestätigt auch der musikalische Leiter: "Sie hat es wirklich sehr gut und expressiv gesungen, ich kann es mir nicht besser vorstellen", urteilt Dirigent José Miguel Esandi.

Auch die junge Sängerin ist sehr zufrieden mit sich, weil ihr alles genau so gelungen ist, wie sie es sich vorgestellt hat. Sie weiß aber auch, dass sie noch besser werden kann und will ihre Stimme weiter entwickeln, um in Zukunft auf der Opernbühne stehen zu können. Besonders begeistert war Anna Katharina Eufinger von dem Applaus, der kräftiger als erwartet ausfiel. Immer wieder rennt sie mit den anderen Sängerinnen und Sängern in einer Reihe nach vorn. Auf ihrem Gesicht ist ein breites Lächeln zu erkennen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | MDR KLASSIK am Morgen | 28. Juni 2022 | 09:10 Uhr

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