Eröffnung 25. Telemann-Festtage – Die Erfolgsgeschichte eines Festivals

Am 18. März 2022 werden die 25. Telemann-Festtage in Magdeburg unter dem Motto "Klangfarben" eröffnet – mit zwei Jahren Verspätung, denn 2020 mussten sie pandemiebedingt abgesagt werden. Nun kommen sie mit einem Doppeljubiläum zurück, denn auch die Gründung des Festivals in der DDR, wo es nur unregelmäßig stattfinden konnte, jährt sich inzwischen zum sechzisten Mal. Grund für ein opulentes Programm mit über zweihundertfünfzig Künstlerinnen und Künstlern aus über zwanzig Ländern.

Kultur

Das Kleine Konzert unter der Leitung von Max Hermann. 4 min
Das Kleine Konzert unter der Leitung von Max Hermann – zu hören auf den 25. Telemann-Festtagen in Magdeburg vom 18. bis zum 27. März 2022. Bildrechte: Thomas Kost

Es ist, so stellt man es immer wieder fest, nicht so ganz leicht mit dem Magdeburger Komponisten Georg Philipp Telemann. Eigentlich ist er einer der drei großen deutschen Barockkomponisten neben Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel und dennoch ist er bei weitem nicht so anerkannt und berühmt. Selbst in seiner Heimatstadt tat man sich lange schwer, wie Carsten Lange vom Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung Magdeburg erzählt. Dabei habe Carl Philipp Emanuel Bach den Komponisten Telemann einst als einen "großen Maler" der Musik beschrieben.

Bühnenprogramm soll Telemann als "Maler der Musik" zeigen

Die Flötistin Dorothee Oberlinger wird das Eröffnungskonzert der Telemann-Festtage 2022 in Magdeburg spielen.
Die Flötistin Dorothee Oberlinger wird das Eröffnungskonzert der Telemann-Festtage 2022 in Magdeburg spielen. Bildrechte: imago images/Mathias Marx

Das zeige sich vor allem in den Bühnenwerken, aber auch in den Solokonzerten. Im Rahmen des Festivals soll es jetzt erlebbar werden: Das Eröffnungskonzert geben die renommierte Blockflötistin Dorothee Oberlinger und ihr "Ensemble 1700". Außerdem treten bei insgesamt einunddreißig Konzerten Ensembles aus der Schweiz, England, Frankreich und den USA auf. Das Abschlusskonzert gibt das Barock-Orchester "Tempesta di Mare" aus Philadelphia – gemeinsam mit dem diesjährigen Telemann Preisträger, dem US-amerikanischen Musikwissenschaftler und Interpreten Steven Zohn.

Sechzig Jahre Telemann in Magdeburg

Dass die Telemann-Festtage einmal ein international renommiertes Festival werden würden, war lange Zeit nicht abzusehen. Zu Beginn – in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts – hatten es die Initiatoren schwer. "Als die Telemann Festtage von einigen Enthusiasten in Magdeburg das erste Mal veranstaltet wurden, war Telemann Neuland", sagt Carsten Lange. Kaum einer habe seine Werke gekannt oder gespielt. Das Telemann-Zentrum in Magdeburg sei nur Eingeweihten ein Begriff gewesen. Dabei kam es auch zu amüsanten Verwechslungen.

Bei einem Empfang gab es im Anschluss eine Rechnung, die der Gastronom gestellt hat. Die landete im Thälmannwerk beim Direktor des SKET. Der frisch gegründete Arbeitskreis, der den Namen Telemann hatte, war damals noch wenig bekannt.

Carsten Lange, Leiter Telemann-Zentrum Magdeburg
Carsten Lange, Leiter des Zentrums für Telemann-Pflege und -Forschung Magdeburg
Carsten Lange, Leiter des Magdeburger Telemann-Zentrums, weiß eine Menge über die Geschichte des Festivals zu berichten. Bildrechte: dpa

auch unter Musikern war Telemann in den 60er Jahren noch kein Name. Als "Vielschreiber" und "Komponist für Blockflöten" abgestempelt, wussten viele Solisten nicht, wie anspruchsvoll sein Werk ist. So erzählt Carsten Lange etwa von der Aufführung einer Telemann-Kantate, die nicht zu Stande kam, weil die angefragte Sopranistin der Deutschen Staatsoper in Berlin kurzfristig absagte mit den Worten: "Das kann ich nicht singen."

Telenmann immer wieder neu entdecken

Unermüdlich hat sich das Telemann-Zentrum um die Pflege und Verbreitung des Telemannschen Werks bemüht. Kontinuierlich wurden Werke ediert, etliche CDs aufgenommen und die Zahl der Konzerte hat sich kontinuierlich gesteigert. Im Rahmen des Festivals wurden sogar einige Opern Telemanns uraufgeführt.

In den vergangenen sechzig Jahren hat sich der Blick auf Telemann gründlich verändert.

Carsten Lange, Leiter Telemann-Zentrum Magdeburg

Er müsse heute, sagt Carsten Lange, Ensembles nicht mehr überreden, Telemann zu spielen. Es gebe gute Kooperationspartner im internationalen Bereich und hervorragende Interpreten. Auch könnten sie heute bei der Planung des Festivals auf mehr gedruckte Noten zurückgreifen als vor sechzig Jahren.

Musik auch für junge Menschen

Der Telemann-Preisträger 2022: Prof. Dr. Steven D. Zohn
Mit Prof. Dr. Steven D. Zohn geht der Telemann-Preis erstmals an einen US-amerikanischen Musikwissenschaftler und Interpreten. Bildrechte: Tatiana Daubek

Die Musikwelt und das Fachpublikum sind also längst für Telemann gewonnen. Das bezeugt auch die traditionelle Fachtagung, die während des Festivals stattfindet. Zugleich waren die Initiatoren früh bemüht, auch junge Menschen anzusprechen: etwa durch Mitmachkonzerten für Schülerinnen und Schüler. In diesem Jahr wurde der Jazzmusiker und Elektronikkünstler Zacharias Zschenderlein engagiert. Für die Festtage entwarf er das Programm "Telemann elektrisiert". Inspiriert vom Groove und melodischen Reichtum der Musik des 18. Jahrhunderts, erschaffen die Musikerinnen und Musiker Yoko Tanaka-Zschenderlein, Jonas Zschenderlein, Karl Simko und Alexander von Heissen in Kombination mit elektronischen Beats bemerkenswerte Elektrosounds. Bleibt nur, dem Festival ein Publikum zu wünschen, das sich von der Begeisterung für die Musik Telemanns anstecken, verführen und verzaubern lässt.

Highlights der Telemann-Festtage 2022

AMO Kulturhaus

Freitag, 18. März, 19.30 Uhr
Ensemble 1700 & Dorothee Oberlinger, Leitung und Blockflöte
Georg Philipp Telemann: Concerti für Trompete und Violine TWV 53:D5, Blockflöte TWV 51:C1, Oboe TWV 51:c1, Blockflöte und Fagott TWV 52:F1, Traversflöte, Viola d’amore und Oboe d’amore TWV 53:E1, Blockflöte und Traversflöte TWV 52:e1 und Streicher und Basso continuo

Gesellschaftshaus, Schinkelsaal

Samstag, 19. März, 11.00 Uhr
Barthold Kuijken, Traversflöte & Jean-Christophe Dijoux, Cembalo
Georg Philipp Telemann: Sonate e-Moll für Traversflöte und Basso continuo TWV 41:e11 | Fantasia a-Moll für Traversflöte TWV 40:3 | Sinfonie à la françoise h-Moll für Traversflöte und Basso continuo TWV 41:h2 u.a.

Altes Theater

Samstag, 19. März, 19.30 Uhr
Pastorelle en Musique, Musikalisches Hirtenspiel (TVWV deest) von Georg Philipp Telemann
Lydia Teuscher, Marie Lys, Florian Götz, Yves Ytier, Max Volbers
Dorothee Oberlinger & Vocal Consort Berlin Ensemble 1700

Saal der Movement Dance Academy

Samstag, 19. März, 22.00 Uhr
Barthold Kuijken, Traversflöte
Werke von Georg Philipp Telemann, Johann Sebastian Bach und Carl Philipp Emanuel Bach

Pauluskirche

Sonntag, 20. März, 16.00 Uhr
Markuspassion 1759 von Georg Philipp Telemann TVWV 5:30
Veronika Winter, Sopran, Anne Bierwirth, Alt, Georg Poplutz, Tenor, Markus Flaig, Bass, Ekkehard Abele, Bass
Rheinische Kantorei, Das Kleine Konzert unter der Leitung von Hermann Max

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | MDR KLASSIK am Morgen | 17. März 2022 | 08:40 Uhr

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