Die Mandoline: Instrument des Jahres 2023

Eine Verwandte der Laute, weithin bekannt aus Zupforchestern und oft ein wenig unterschätzt: Die Mandoline rückt 2023 als Instrument des Jahres in den Fokus. MDR KLASSIK berichtet über dessen Geschichte sowie über Solokünstler Avi Avital und die Nachwuchsmusikerin Maja Schütze, die der Mandoline als Soloinstrument wieder eine Bühne geben.

Mandolinist Avi Avital beim Konzert in den Saalfelder Feengrotten
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Einer der bekanntesten Botschafter des Instruments ist wohl Avi Avital. Der aus Israel stammende Musiker will die Mandoline wieder zurück auf die großen Konzertbühnen bringen: Er hat in den letzten Jahren das Repertoire des Zupfinstrumentes neu belebt und mehr als 100 Werke in Auftrag gegeben.

Auch beim MDR-Musiksommer ist der Mandolinist schon oft zu Gast gewesen, unter anderem im Sommer 2020 in den Saalfelder Feengrotten.

Für mich, als unruhiges, neugieriges und ungeduldiges Kind war es das richtige Instrument.

Avi Avital

Im Interview mit MDR KLASSIK beschreibt Avi Avital die Mandoline als ein sehr intuitives Instrument: Saiten, die über einem Resonanzboden gespannt sind - wenn man sie zupft, sieht und hört man direkt, wo der Ton entsteht. Schwieriger sei das bei Streichinstrumenten: "Das ist nicht wie bei einem Bogen, den man erst lernen muss, richtig zu halten", erklärt Avital, "Beim Klavier zum Beispiel entsteht der Klang auch direkt, aber man sieht eben nicht, wie die Hämmer auf die Saiten schlagen. Aber jedes Zupfinstrument hat diese sehr bezaubernde unmittelbare Reaktion: Man sieht und hört den Klang sofort."

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MDR KLASSIK hat den Meister der Mandoline, Avi Avital, zum Interview und Wohnzimmerkonzert getroffen.

09:36 min

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Von einer Laute hin zum Volksinstrument

Die heute wohl bekannteste und am weitesten verbreitete Art der Mandoline ist die neapolitanische Mandoline, deren Name auch schon die Herkunft des Instruments verrät. Als ein Mitglied der Lautenfamilie entstand sie im 17. Jahrhundert in Italien. Bei einer neapolitanischen oder eben einer "klassischen" Mandoline verlaufen vier Doppelsaiten über einen bauchigen Korpus. Diese sind genau wie bei einer Violine in Quinten gestimmt. Gespielt wird mit einem Plektron, mit dem die Saiten angerissen werden.

Die Mandoline stammt aus Italien und hier wurde auch Einiges für das Instrument komponiert, aber seine tatsächlichen ersten Hochzeiten erlebte es im 17. und 18. Jahrhundert in Paris und später auch in Wien. Barocke Meister wie Antonio Vivaldi, Domenico Scarlatti und Johann Adolf Hasse schrieben Werke für das Instrument. Wolfgang Amadeus Mozart lässt sie in seiner Oper "Don Giovanni" erklingen, Ludwig van Beethoven komponierte Stücke für Mandoline und Cembalo.

Während der Epoche der Romantik erlebte die Mandoline eine weitere Hochphase. Mehrere Lehrwerke für Mandoline wurden herausgegeben - zu dieser Zeit entwickelte sich auch die bekannte Tremolo-Technik zu einer üblichen Spielweise. Um die Jahrhundertwende und zu Beginn des 20. Jahrhunderts gründeten sich die ersten Mandolinenorchester, die neben klassischem Repertoire auch zunehmend populäre Musik interpretierten. Die Mandoline wurde zu einem Volksinstrument. Zupforchester erfreuten sich insbesondere auch ab den 1960er Jahren in Deutschland einer großen Beliebtheit.

Mehr als ein Volksinstrument

Maja Schütze war schon als kleines Kind von der Mandoline begeistert. Sie hat mit fünf Jahren angefangen zu spielen und regelmäßig Unterricht zu nehmen. Im letzten Jahr hat die Dresdnerin einen 1. Preis beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" erhalten, mit 25/25 Punkten. Sie möchte Musikerin werden und ähnlich wie bei Avi Avital ist es auch ihr erklärtes Ziel, die Mandoline wieder bekannter zu machen.

Eine Initiative der Landesmusikräte

Seit 2008 küren die Landesmusikräte jedes Jahr ein Instrument des Jahres, das für 12 Monate in den Fokus gerückt wird. Ziel ist es, Neugier zu erwecken und Aufmerksamkeit auf die vielen verschieden Aspekte eines bestimmten Instrumentes zu lenken. Welche Veranstaltungen im Rahmen des Mandolinenjahres geplant sind, wird der Landesmusikrat Berlin in einer Pressekonferenz am 1. Februar bekannt geben.