57. Internationaler Instrumentalwettbewerb Markneukirchen: "Tuba und Horn aus dem Schattendasein holen"

Sie ist das Herz des sogenannten vogtländischen Musikwinkels: Die Kleinstadt Markneukirchen. Hier finden sich zahlreiche kleine Manufakturen, die Musikinstrumente bauen – viele davon sind Familienbetriebe. Auch einer der größten Hersteller von Blechblasinstrumenten ist im Ort vertreten. Und nicht nur das: in Markneukirchen findet auch ein Wettbewerb statt, der dieses Jahr in seine 57. Ausgabe geht: Der sogenannte "Instrumentalwettbewerb". In diesem Jahr messen sich Studierende in den Disziplinen Horn und Tuba.

Internationaler Instrumentalwettbewerb Markneukirchen
Solist des Abends war der Kontrabassist Marek Romanowski aus Polen, Preisträger des Internationalen Instrumentalwettbewerbes Markneukirchen 2015. Bildrechte: Internationaler Instrumentalwettbewerb Markneukirchen/ Käthy Braun

Michael Rast kommt aus Oberbayern, genauer aus Obergriesbach bei München. Mit fünf Jahren drückten ihm die Eltern eine Tuba in die kleinen Hände. In seiner Familie, erzählt er, spielen alle ein Blechblasinstrument: Von Trompeten über Hörner und Posaunen, bis hin zur Tuba. Ähnlich geht es auch Jan Breer aus Neuss in Nordrhein-Westfalen. Er kam sozusagen familienbedingt zu seinem Instrument: Bei ihm war es die Mutter, die den Anstoß gab, Horn spielen zu lernen.

Internationale Beteiligung

Internationaler Instrumentalwettbewerb Markneukirchen
Die Kandidaten der 3. Runde im Fach Horn heißen Gustav Borggrefe, Achille Fait, Jhon Kevin Lopez Morales, Thomas Adrian Mittler, Damien Muller und Felipe Santos Freitas da Silva, sind zwischen 19 und 29 Jahren alt und kommen aus Brasilien, Deutschland, Italien, Kolumbien und Luxemburg. Bildrechte: Internationaler Instrumentalwettbewerb Markneukirchen

Michael Rast und Jan Breer sind zwei von rund 90 Studierenden der Fächer Horn und Tuba, die beim derzeitigen Wettbewerb in Markneukirchen um den Einzug ins Finale wetteifern. Insgesamt sind Teilnehmer aus 29 Ländern dabei, erzählt die Organisatorin des Instrumentalwettbewerbs, Carola Schlegel. Teilnehmende aus Japan, Australien und Südamerika seien vertreten. Eine wundervolle Art von Normalität, aber auch fast schon etwas unwirklich nach zwei Jahren Corona-Zwangspause, fügt sie noch hinzu.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings, denn nicht alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die die Vorauswahl bestanden hatten, sind in Markneukirchen angereist. Das Risiko, sich auf der Reise mit Corona zu infizieren, könnte einige abgehalten haben. Dazu kommt aber noch ein weiterer Grund, vermutet Teilnehmer Josef Schlemer aus dem bayrischen Chiemgau: "Mit der Tuba wegzufliegen bedeutet immer auch, einen zweiten Sitzplatz buchen zu müssen. Das wirkt sich natürlich auf den Preis aus."

Niveau der Teilnehmerinnen und Teilnehmer steigt

Die Tuba ist seit einigen Jahren stark im Kommen. Und dafür sei auch der Internationale Instrumentalwettbewerb in Markneukirchen mitverantwortlich, meint die Organisatorin. "Der Wettbewerb hat hier auch Meilensteine gesetzt. Die Tuba war tatsächlich ein Begleitinstrument."

Beim Instrumentalwettbewerb in Markneukirchen hat man die Tuba aus dem Schattendasein herausgeholt.

Carola Schlegel, Organisatorin des Internationalen Instrumentalwettbewerbs
Internationaler Instrumentalwettbewerb Markneukirchen
Die Kandidaten der dritten Runde im Fach Tuba sind Karl-Wilhelm Hultsch, Xianhua Liu, Igor Martinez, Richard Bence Masa, Tsubasa Shirai und Florian Wielgosik. Die Teilnehmer sind zwischen 20 und 27 Jahre alt und stammen aus China, Deutschland, Frankreich, Japan, Ungarn und Venezuela. Bildrechte: Internationaler Instrumentalwettbewerb Markneukirchen

Das Niveau der teilnehmenden Tubaspielerinnen und -spieler steigt kontinuierlich – und selbst Corona konnte diese Entwicklung nicht bremsen. Auch in der Kategorie Horn sieht es ähnlich erfreulich aus, wie auch die Jury feststellt. Diese ist erneut prominent besetzt: In diesem Jahr unter anderem mit Marie-Luise Neunecker, eine der weltweit bekanntesten Hornistinnen.

Sie ist zum ersten Mal in Markneukirchen, kennt den Ort aber aus früheren Etappen ihrer Karriere noch gut. Neunecker war eine der ersten Frauen, die im Fach Horn erfolgreich wurde. Damit hat auch sie dazu beigetragen, die einstige Männerdomäne aufzubrechen. Inzwischen treten in den Disziplinen Horn und Tuba etwa ein Drittel Frauen beim Wettbewerb an. Das betrifft auch die aktuelle Ausgabe: "Wir denken gerade im Horn gar nicht mehr darüber nach, ob das jetzt eine Frau oder ein Mann ist, der da steht.", erzählt sie.

"Dabeisein ist alles"

Die olympische Devise "Dabeisein ist alles" gilt auch beim Instrumentalwettbewerb in Markneukirchen. Denn das Pensum an Werken, das die Kandidatinnen und Kandidaten innerhalb der drei Runden vor dem Finale absolvieren müssen, ist enorm. Für viele ist aber genau das der Grund, mitzumachen und die Teilnahme an sich schon ein wichtiges Learning.

Internationaler Instrumentalwettbewerb Markneukirchen
Die Auslosung beim diesjährigen Wettbewerb in den Fächern Horn und Tuba. Bildrechte: Internationaler Instrumentalwettbewerb Markneukirchen / Käthy Braun

Vielleicht auch ein Grund, warum der Wettbewerb bis heute einen exzellenten Ruf genießt. Manche Preisträgerinnen und Preisträger der letzten 20 Jahren haben Karriere gemacht oder sind nach Markneukirchen als Jurymitglied zurückgekommen. Die Liste an ehemaligen Teilnehmenden ist lang und reicht bis in die Reihen der Berliner Philharmoniker und Dresdner Staatskapelle, erklärt Organisatorin Schlegel stolz.

Weiter Informationen Der diesjährige "Internationaler Instrumentalwettbewerb Markneukirchen" findet vom 5. bis 14. Mai 2022 statt.

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | MDR KLASSIK am Morgen | 12. Mai 2022 | 08:40 Uhr

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