Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
RadioRadioKonzerteEnsemblesEnsemblesMDR-ClaraHören & SehenMDR-MusiksommerKontakt
Die Sächsische Staatskapelle Dresden Bildrechte: Staatskapelle Dresden

Die Pandemie als ChanceGibt es eine Transformation mitteldeutscher Orchester?

von Blanka Weber, Thilo Sauer & Bettina Volksdorf

Stand: 21. Januar 2022, 13:58 Uhr

Orchester sind Abbilder der Gesellschaft. Was sich im Großen ereignet, spiegeln sie im Kleinen – auch in der Pandemie. Die Situation in den Orchestern ist angespannt. Notverordnungen erschweren den Betrieb. Was die Zukunft bringt, ist mehr als ungewiss, und längst sind sich nicht alle einig, wie damit umgegangen werden soll. Stichwort: Impfung. Doch neben Unmut und Zweifel herrscht auch Entschlossenheit, die Orchester erfolgreich und vor allem gemeinsam durch die Pandemie zu führen.

Meininger Hofkapelle: Mehr Flexibilität wird nötig

„Es wird Veränderungen geben und auch geben müssen!“ - da ist sich die Orchesterleitung der Meininger Hofkapelle sicher. Bloß wie? - darüber wird nachgedacht. Eines ist klar: Man will flexibel reagieren können, wenn sich die Situationen für Kulturschaffende und Kulturgäste ständig ändern. Genau darauf stellt man sich in Meiningen ein - vom Dirigenten bis zur Orchesterleitung und hin zu den Musikern.

Philippe Bach, Generalmusikdirektor am Staatstheater Meiningen und Leiter der Meininger Hofkapelle Bildrechte: imago images/ari

Kleine, flexible Formate, innovativere Formen und manch ein neues Miteinander werden die Zukunft prägen. Alles auf Anfang? Davon geht in Meiningen niemand aus. Veränderung, Transformation - ist das Motto, auch beim Blick auf das Publikum. Und eines wird auch deutlich in Südthüringen: Intern darf es nicht zu Verwerfungen im Orchestergraben kommen. Der Dirigent Philippe Bach ist sich sicher:

Man muss flexibler werden. Orchester sind manchmal träge. Zwei Jahre im Voraus zu planen, ist für sie nichts Ungewöhnliches. Das müssen wir ändern. Wir müssen schneller reagieren und uns an die Gegebenheit anpassen. So gesehen ist die Pandemie auch eine Schule für uns.

Staatskapelle Dresden: Ein Bekenntnis der Politik zur Kultur ist wichtig

Mitte Januar ging es wieder los für die Damen und Herren der Staatskapelle Dresden. Nach zwei-monatigem Lockdown konnten sie in der Semperoper endlich wieder mit Daniel Harding und Antoine Tamestit vor Publikum spielen.

Corona-bedingt stellen sich den Musikern aber inzwischen viele Fragen: Da geht es an erster Stelle nicht um den Impfstatus der Kollegen, nein es geht um die Zukunft, die strategische Aufstellung und künstlerische

Entwicklung des traditionsreichen Dresdner Spitzenorchesters. Bratscher Ulrich Milatz über den Impfstatus unter Kollegen und Kolleginnen:

Der Impfstatus ist für mich nicht relevant. Wir als Musiker sind nicht in der Position uns gegenseitig zu belehren. Wir versuchen im Grunde das zu tun, was in der Gesellschaft zu wenig stattfindet: Uns aufs Wesentliche zu beschränken - und das zu tun, wofür wir da sind.

Bettina Volksdorf hat zwei frisch in den Orchestervorstand gewählte Musiker getroffen - Bratscher Ulrich Milatz und Solocellist Friedwart Christian Dittmann - und interessante Antworten auf ihre Fragen erhalten.

Staatskapelle Halle: Das Orchester als Spiegel der Gesellschaft

Im Gegensatz zu Dresden und Meiningen konnte die Staatskapelle Halle auch in den vergangenen drei Monaten spielen. Allerdings hat die Theater, Oper und Orchester GmbH Halle dafür auch einen sehr strengen Ansatz gewählt: Auch auf der Bühne und im Graben gilt 2G Plus. Das heißt nur Geimpfte oder Genesene mit einem tagesaktuellen, negativen Test  dürfen mitspielen.

Hornist und Betriebsrat Ralf Rössler und Orchestervorstand Fabian Borggrefe Bildrechte: MDR KLASSIK/ Thilo Sauer

Dementsprechend breit ist auch das Stimmungsbild im Orchester: „Von euphorisch bis völlig depressiv“, fasst Hornist und Betriebsrat Ralf Rössler zusammen. Die einen sind enttäuscht, dass sie nicht mitmachen dürfen, die anderen freuen sich, dass sie wie vor der Pandemie zusammen musizieren dürfen. Zu den letzteren gehört auch Orchestervorstand Fabian Borggrefe, der begeistert vom jüngsten Sinfonie-Konzert erzählt. Dass manche Kollegen bei normaler Bezahlung zu Hause sitzen, während er mehr Dienste übernehmen muss, beklagt er nicht: "Ich bemitleide eher diejenigen, die zu Hause sitzen müssen, sage ich ganz ehrlich und aufrichtig." Sein Kollege Ralf Rössler fügt hinzu:

Egal welche Position oder welchen Glauben man hat oder woher man kommt - geimpft oder nichtgeimpft-, man kann einen gemeinsamen Nenner finden, wenn man will. Und das denke ich, kann ein Orchester auch ausstrahlen.

Die Krisensituation habe dem Fagottisten Fabian Borggrefe gezeigt, dass die klassische Musik aus ihrem „Elfenbeinturm“ raus und sich „der Gesellschaft anbieten“ muss. Wie konkret das funktionieren soll, wissen die beiden Musiker aber noch nicht.

Dieses Thema im Programm:MDR KLASSIK | 18. Januar 2022 | 12:43 Uhr