Bäder, Luft und Musen Die MDR Klassik-KurOrte: Bad Liebenstein

Bad Liebenstein, der Altenstein und das Comödienhaus - eine Kurstadt knüpft an ihr Erbe an.

Ein Schloss 5 min
Bildrechte: MDR / Heike Neuhaus

Bäder, Luft und Muse

Bad Liebenstein, der Altenstein und das Comödienhaus - eine Kurstadt knüpft an ihr Erbe an.

MDR KLASSIK Di 20.07.2021 07:43Uhr 04:37 min

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Wer das „Comödienhaus“ betritt, steht in einem kleinen Foyer, das sich um den Theatersaal schließt. Viele Kunstepochen haben hier ihre Spuren hinterlassen, zuletzt jene der 70er und 80er Jahre der DDR. Der Innenraum mit mehr als 300 Plätzen, rot gepolstert, ist ein charmanter Theatersaal, in dem heute Kabarett, Lesungen und Komödien stattfinden, auch wenn es jetzt einige Zeit sehr ruhig war, erzählt Christian Storch. Der Musikwissenschaftler leitet das Haus und hat über dessen Geschichte ein Buch publiziert:

Die Geschichte des 'Comödienhauses' beginnt im Jahr 1800. Genau in dem Jahr, in dem Georg I. für sich entschieden hat, nach der erfolgreichen Pachtsaison 1799: 'Ich kaufe den Liebenstein, ich kaufe das Fischernsche Schloss, ich pachte verschiedene Ländereien drumherum und beginne, hier ein Modebad zu errichten.'

Der Beginn als "Modebad"

Und genau das hat er auch getan. Georg I., Herzog von Sachsen-Meiningen, annoncierte in den etablierten Zeitschriften für Adel und Bürgertum und machte auf das Kleinod mit Park und Schloss Altenstein aufmerksam.

Es war der Startschuss für den Kurort.

Das „Comödienhaus“ wurde errichtet, schon 1800 feierte man das Richtfest und eröffnete es im Sommer mit einem Maskenball, an dem auch Carl August aus Weimar teilgenommen hat. Christian Storch hat diese Geschichte aufgearbeitet und erzählt, wie man in der ersten Saison 1801 mit einer fränkischen Schauspielergruppe zusammen arbeitete, Stücken von August von Kotzebue, Iffland, Ziegler aufführte, „von jenen, die damals berühmt waren, die wir heute kaum noch kennen. Im Musiktheater gab es Oper: Mozart, Cherubini („Der Wasserträger“) - die wichtigen Werke der Zeit.“

Man spielte das, was man auch in Weimar kannte, allerdings nicht mit einem festen Ensemble, sondern jedes Jahr mit wechselnden Gruppen.

Ausflugsziel für Familien

Nadine Heusing ist mit ihrem Team heute für den Tourismus in der Stadt zuständig und freut sich, dass jetzt wieder mehr Familien hierher finden.

Tatsächlich ist unser großes Thema die Umgebung, es sind die Wanderwege, die Natur. Unser Highlight ist der Altenstein, der hebt uns von anderen Kurorten ab.

Das Kurviertel sei sehr gut erhalten und „wir bestellen das mit neuen Produkten und Angeboten, um diese Umgebung, die wir haben, durch moderne Angebote noch attraktiver zu machen.“

Quellwasser aus dem Sauerbrunnen

Bad Liebenstein
Pavillon, der auch „Sauerbrunnen“ genannt wird Bildrechte: MDR/Blanka Weber

Es wird gebaut und gewerkelt. Man besinnt sich wieder auf alte Verkehrs- und Flanierachsen, auf Historisches und Besinnliches. Neben dem „Comödienhaus“ sprudelt seit Jahr und Tag der „Sauerbrunnen“ - ein Quellwasser, leicht säuerlich im Geschmack und mit etwas Kohlensäure. Einige Menschen kommen hierher, um sich hin und wieder das Wasser zu holen. „So wie schon in der Kindheit.“, erzählt eine ältere Dame, die gerade den Deckel ihrer Flasche verschraubt.

Nadine Heusing freut es, dass Gäste wieder kuren, etwas für die Gesundheit tun und auch Einheimische das Kneipp-Becken häufig besuchen. Dass Bad Liebenstein das älteste Kurbad hierzulande ist, sei nicht ganz ihr Vokabular.

Nadine Heusing von der Tourist-Information Bad Liebenstein vor dem Kneipp-Bad
Nadine Heusing vor dem Kneipp-Bad Bildrechte: MDR/Blanka Weber

Wir nennen den Ort lieber den 'traditionsreichsten' oder den 'ersten'.

Bekannte Namen als Gäste

Christian Storch hat viele Korrespondenzen studiert, jene über die Hofoboisten, die hier Tag für Tag während der Bädersaison zum Tanz oder dezent im Hintergrund der Gäste spielten - teils unter schlechten Konditionen. Es sei eine turbulente Zeit gewesen, auch ein wenig eine mondäne Zeit und eine, die sehr verschiedene Menschen in das kleine Bad Liebenstein zog: Franz Liszt war hier, auch Clara Wieck (1840), kurz bevor sie Robert Schumann heiratete.

Den Gästen ging es, sagt Christian Storch „nicht nur um Heilung, es ging auch um das Treffen, das Sehen und gesehen werden, auch um die Zerstreuung. Deswegen steht hier das Comödienhaus.“ Es wurde von früh bis spät genutzt, bespielt und auch als Kulisse verwendet, denn gleich nebenan waren die Badehäuser. Man tafelte, tanzte und hörte den neuesten Klatsch und Tratsch aus der Welt des Adels und der Bürgerlichen.

Teppichbeete bewundern

Dr. Christian Storch, Musikhistoriker, Leiter Comödienhaus, Bad Liebenstein. Er steht vor dem Teppichbeet.
Dr. Christian Storch vor einem Teppichbeet im Altensteiner Schlosspark Bildrechte: MDR/Blanka Weber

Und heute? Heute ist alles ein wenig ruhiger, beschaulicher, die Zahl der Wandergäste überwiegt. Doch eines verbindet alle: Eine große Bewunderung für die Kunst der Teppichbeete, für herrschaftliche Architektur auf dem Altenstein und eine Parkgestaltung, die zu den schönsten Thüringen gehört, umrahmt von Wald. 

Das heißt, das Engagement, das Georg I. hier 1800 bis zu seinem Tod 1803 an den Tag gelegt hat, die Art und Weise, wie er den Ort angelegt hat, wie er die Bepflanzung auf dem Altenstein und in Bad Liebenstein gesehen hat, das kann für uns heute wieder ein Maßstab sein, zu sagen: Das war damals sehr erfolgreich, daran kann man anknüpfen. Denn Menschen suchen - damals wie heute - Erholung und wollen das mit Unterhaltung verknüpfen.

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 21. Juli 2021 | 07:43 Uhr