Bäder, Luft und Musen Die MDR Klassik-KurOrte: Bad Lobenstein

Back to the roots: Das einzige Moorbad Thüringens besinnt sich auf seine Geschichte.

Kirche in Bad Lobenstein 5 min
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MDR KLASSIK Di 03.08.2021 07:43Uhr 04:43 min

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Schon der Schweizer Arzt und Alchemist Paracelsus schätzte die Kraft des Moores zum Heilen von Krankheiten des Bewegungsapparates. Moorbäder sind seit dem 19. Jahrhundert beliebt. Für manche Städte war das ein großer Pluspunkt im Tourismus - auch in Bad Lobenstein. 

Pavillon im Schlosspark Bad Lobenstein
Pavillon im Schlosspark Bad Lobenstein Bildrechte: MDR/Blanka Weber

Noch heute erzählen alte Fotos die Geschichte der Kurstadt: Man nahm Moorbäder ein, erfreute sich am Thermalwasser und an den guten Quellen. Bad Lobenstein hatte bis in der Zeit der DDR viele Kurgäste und Touristen. „Die Gäste haben gebadet. Sie waren privat untergebracht. Hier war praktisch das erste kleine Kurhaus.“, erklärt Angela Niepelt, die im Auftrag der Stadt ein kleines Museum leitet. Sie zeigt den Kurpark und ein verlassenes, ehemaliges Lustschlösschen, das auf eine kräftige Sanierung hofft. „Gegenüber vom Kulturhaus hat es früher eine Musikhalle gegeben.“ 

Nachhaltiges Moorbaden

Das alles ist Geschichte, auch wenn es heute eine Rehaklinik, ein großes Wellnessbad und das erklärte Bemühen gibt, den Gesundheitstourismus anzukurbeln, weil man sich auf die gute alte Moortradition besinnt. „Wir sind dabei, einen Moor-Erlebnispfad im Ortsteil Helmsgrün zu machen.“, betont der Bürgermeister von Bad Lobenstein, Thomas Weigelt. „Das Thema: Waldbaden, Erholung, Ruhezonen und das Erlebnis Natur wollen wir auf den Weg bringen.“ Als Stadt könne man von der 150-jährigen Tradition profitieren. Die Moorquellen sind noch immer in den umliegenden Ortschaften vorhanden. „Wir müssen aber nachhaltig damit umgehen.“ Er vermutet weitere Vorkommen im Umland und das, was es gibt, will er behutsam behandeln, das heißt: Was entnommen wird, kommt irgendwann auch in den Kreislauf wieder zurück.  

Wir sind kein Moor-Exporteur - es wird reichen für unseren eigenen Bedarf.

An der Bäderkultur von damals möchte auch er wieder anknüpfen. Vergilbte Fotos zeigen illustre Kurgäste, vor dem einstigen Marstall, dem späteren Lustschlösschen - drapiert. Man trank gutes Quellwasser, badete in angewärmtem Thermalwasser und genoss die Moorpackungen, um Gelenkschmerzen zu lindern. Der Ort punktete damals mit einem großen Schloss, einer weitläufigen Anlage aus Nebengebäuden, einem See, auf dem man Bootsfahrten unternahm und mit hohen Alleen. 

Geschichtsträchtiger Kurort

Angela Niepel im Kurpark von Bad Lobenstein
Angela Niepel im Kurpark von Bad Lobenstein Bildrechte: MDR/Blanka Weber

Heute ist wenig von diesem Charme der Architektur und Parkgestaltung geblieben. Viele Jahrzehnte des 20. und nun auch 21. Jahrhunderts haben ihre Spuren hinterlassen. Das kleine Schlösschen am Rande des Parks ist vom Verfall bedroht und auch Angela Niepel hofft, dass hier die Architektur gerettet werden kann. Sie leitet das kleine Regionalmuseum am Fuße des „Alten Turms“. Wer 15 Minuten von der Innenstadt hinauf auf den Berg läuft, hat einen imposanten Blick über die Stadt und schaut auf ein kleines Tal mit schwarzen Schieferdächern. Früher war hier die „Fürstliche Oberförsterei“, heute informiert Angela Niepel über die Kurtradition, zeigt altes Mobiliar, gegossene schmuckvolle Kacheln einstiger Öfen und einen riesigen Blasebalg. Viele Geschichten sind über das Moorbaden überliefert, auch manche Fotos gibt es aus dieser Zeit.

„Das Moor kam in Holzwannen und man hat schöne alte Bilder gefunden. Da sind die Leute kohlrabenschwarz aus dem Moor gekommen und mit Gießkannen, Zink - oder Blechgießkannen abgesprüht worden.“

Doch auf ein Museumsstück ist sie besonders stolz. Es gibt tatsächlich noch eine echte Sitzbadewanne, d.h. es ist ein Badestuhl: Aus Zink gearbeitet, ein hoher Behälter, den man früher einen hölzernen Sitz einlegte, um dann im Sitzen zu baden. Selbst zum Heizen war ein kleines Fach am unteren Wannenboden eingerichtet. Hier sollte niemand frieren, wenn er im Lobensteiner Thermalwasser seine Leiden kurierte oder zum Vergnügen dem Körper etwas Gutes tun wollte. 

Das einzige Moorbad Thüringens

Innenstadt von Bad Lobenstein
Innenstadt von Bad Lobenstein Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch Angela Niepel möchte, dass die Kurtradition ihrer Stadt nicht in Vergessenheit gerät, obwohl heute eine moderne Therme und eine Rehaklinik zum Wohlfühlen laden. Die Kurstadt ist das einzige Moorbad Thüringens und hat heute ca. 6.000 Einwohner. Während zu DDR-Zeiten viele Touristen in die Stadt kamen, Kurkonzerte, Theater, Gastspiele und Musik geboten wurde, ist es heute etwas stiller geworden - am Rande des Thüringer Schiefergebirge.

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 03. August 2021 | 07:43 Uhr