Bäder, Luft und Musen Die MDR Klassik-KurOrte: Bad Schmiedeberg

Die Liste deutscher Kurorte ist lang, sie reicht von A wie Aachen bis Z wie Bad Zwischenahn. Sie bezeichnen sich als Mineral-Heil-Bad oder Kneippbad oder Moorbad oder wollen gleich alles zusammen sein, wie Bad Schmiedeberg, der älteste Kurort in der Dübener Heide.

Bad Schmiedeberg 5 min
Bildrechte: MDR/ Theo M. Lies

Bäder, Luft und Muse

Deutsche Kurorte bezeichnen sich als Mineral-Heil-Bad oder Kneippbad oder Moorbad oder wollen gleich alles zusammen sein, wie Bad Schmiedeberg, der älteste Kurort in der Dübener Heide.

MDR KLASSIK Mi 28.07.2021 07:43Uhr 05:24 min

https://www.mdr.de/mdr-klassik-radio/klassikthemen/musikalische-kurorte-in-mitteldeutschland-bad-schmiedeberg-102.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Mit preußischen Dragonern hat alles angefangen, die sind in der Garnisonsstadt Schmiedeberg stationiert. Stationiert heißt seinerzeit, die rund 800 Soldaten und Offiziere finden Unterkunft und Verpflegung bei den Bürgern des Städtchens. Doch dann ist es plötzlich vorbei mit den militärischen Dauergästen, 1878 wird das Regiment nach Stendal verlegt, und lassen leere Quartiere zurück. Ein Katastrophe für Schmiedeberg, wie Ortschronist Felix Saul weiß:

Für Kost und Logis haben die Soldaten und Offiziere bezahlen müssen, davon haben weit mehr als hundert Familien in dem Städtchen gelebt.

Da ist also guter Rat teuer, denn nicht nur die Quartiereltern schauen ins Leere, auch Gastwirte, Pferdehändler oder auch Torfstecher. Denn aus dem Moor der nahen Dübener Heide lässt sich Eisenvitriol extrahieren. Das wurde zum Schwarzfärben der Uniformen gebraucht, die die Dragoner trugen.

Dank Moor zum Kurort

Da das Moor aber an anderen Orten Europas bereits für mondäne Kurorte sorgt, kommen auch die Schmiedeberger auf die Idee, erzählt Uwe Hesse diese Geschichte weiter. Der Pressemann des aktuellen Kurbetriebes ist besonders über das Tempo verwundert, das seine früheren Mitbürger da an den Tag legen. Denn: Im März sind die Dragoner weg, im April beschließt der Stadtrat, sich dem Kuren zu zuwenden und schon im Mai wird in der Magdeburger Zeitung um Kurgäste geworben.

Bad Schmiedeberg
Margatethenbrunnen - das heilende Wasser sprudelt aus zwei unterschiedlichen Quellen Bildrechte: MDR/ Theo M. Lies

Die bleiben nicht aus, das Bürgertum in den großen Städten ringsum wie Leipzig oder Berlin will es sich eben auch gut gehen lassen. Aus den anfänglichen zwei Moorwannen werden vier, dazu kommen Mineralquellen und bald schon der Eisenbahnanschluss. Die Preußische Bahn verpasst dann der Stadt den Ehrentitel BAD Schmiedeberg, damit es nicht mit den anderen Schmiedebergs im Schienennetz verwechselt werden kann. Ende des 19. Jahrhunderts floriert das Geschäft, das natürlich die Unterhaltung nicht zu kurz kommen lässt. Denn schon mit dem Abzug der Dragoner trennen sich auch einige Militär-Musiker von ihrer Uniform. In den Chroniken ist nachzulesen, dass etliche von ihnen lieber in der Dübener Heide bleiben wollen, als in die Altmark zu ziehen. Hier haben sie oft schon eine Familie gegründet und Musikanten werden natürlich in der aufstrebenden Kurstadt nur zu gerne beherbergt. 

Früher gab es auch ein Kurorchester

So kann sich der Kurgast nebst Gattin auf regelmäßige Konzerte freuen, die nachmittags und abends geboten werden. Die akustisch-genialen Muscheln sorgen für den richtigen Sound im Kurgarten. Das Orchester wächst und gespielt wird wohl alles, was die Branche so hergibt - ob Wiener Walzer, Polka, Militärmärsche oder populäre Hits aus den Operetten der Zeit.

Außenansicht des Kurhauses in Bad Schmiedeberg
Lupenreiner Jugendstil: Das Kurhaus, 1907 eingeweiht Bildrechte: Matthias Knoch

1907 dann gönnen sich die Schmiedeberger ein Kurhaus im lupenreinen Jugendstil, mit Festsaal, Restaurant und Spielzimmer. Der Kurpark wird erweitert, weitere Sommer-Bühnen entstehen und auch das Sprechtheater sorgt für reichlich Abwechslung in jenen Radio-, TV- und Internet-freien Jahrzehnten.

Das Kurbad ist etabliert. In den 20er Jahren kommen die Gäste aus Berlin und Leipzig sogar in Sonderzügen nach Bad Schmiedeberg, wie Felix Saul in den Zeitungen jener Zeit lesen konnte. Da kommen an einem Sonntag über 1.300 freizeitwillige Menschen an. Die werden am Bahnhof mit Blasmusik empfangen. Dann geht es zum Spazierengehen in die Heide, zum Mittagessen in eines der zahlreichen Gasthäuser, um zum Abschied direkt schon auf Bahnsteig 1 noch eine Sohle aufs Parkett oder auf die Pflasterung zu legen.    

Bis in die Nachkriegszeit funktioniert das Kulturangebot, wie sich Felix Saul gut erinnern kann. Denn die Konzerte auf dem Marktplatz gehörten einfach zu einem Sonntagvormittag dazu.

Doch das ist Vergangenheit. Bad Schmiedeberg hat längst kein eigenes Kurorchester mehr, das verliert sich in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Der Kurbetrieb jedoch ist dem Städtchen erhalten geblieben, gerade wird kräftig investiert in den Park, denn immerhin zählt der Ort an der Dübener Heide jährlich rund 5.000 Gäste. Und die wollen bei Laune gehalten werden, dafür sorgen nun internationale Künstlerinnen und Künstler mit Showprogrammen, Konzerten, Lesungen, Salonmusiken und Theateraufführungen. Und das nun schon seit über 140 Jahren.

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 28. Juli 2021 | 07:43 Uhr