Bäder, Luft und Musen Die MDR Klassik-KurOrte: Bad Tabarz

Kuren auf Fuße des Inselsberges - schon Max Planck hat sich dafür begeistert. Bad Tabarz - das einzige Kneipp Heilbad Thüringens.

Kirche Bad Tabarz 5 min
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MDR KLASSIK Mo 26.07.2021 07:43Uhr 04:38 min

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Wer an den Inselberg denkt, weiß, da liegt Tabarz ganz in der Nähe. Heute ist es wieder Bad Tabarz und ein Kurort. Einer, der schon vor 100 Jahren Kurgäste angezogen hat, u.a. Max Planck, den Physik-Nobelpreisträger. Er kam aus Berlin Grunewald 1913, um in Tabarz frische Waldluft zu tanken. „Hier ist sein Eintrag.“, erzählt David Ortmann und blättert in den alten Kurbüchern. Viel weiß man über seine Zeit im beschaulichen Tabarz nicht mehr.

Bad Tabarz schon damals weltweit beliebt

Doch man kann nachvollziehen, wann - welche Gäste hier Quartier bezogen haben und woher sie kamen. Die weiteste Anreise dürfte zumindest 1913 ein Mann aus dem Fernen Osten gehabt haben. „Ein Händler aus Wladiwostock - ich kann leider nicht nachvollziehen, was er damals hier gemacht hat.“ David Ortmann blättert in den Kurbüchern und staunt jedes Mal, wenn er auf die Herkunftsadressen blickt:

Es finden sich auch Leute aus den USA, Argentinien, Chile - die damals hierher gereist sind, die Aufenthalte hatten während einer beruflichen Tätigkeit oder die hier ihre Sommerfrische verbracht haben.

Rhododendrongarten Bad Tabarz
Rhododendrongarten Bad Tabarz Bildrechte: MDR

Der junge Bürgermeister will vieles anders machen in seiner Stadt und vor allem die Tradition des Kurbades wieder aufleben lassen. Als nach 1910 im nahen Bad Liebenstein die Gästezahlen einbrachen, profitierte man in Tabarz von der neuen Nachfrage. Doch das Glück währte nicht lange, erzählt Ortmann. Bereits 1915 waren die „Kurlisten“ so dünn, weil die politische Zeit dem Ausleben der fröhlichen Sommerfrische abträglich war. 

Große Namen als Gäste

Für ihn ist es mittlerweile zum Hobby geworden, immer zum Jahreswechsel, während der Feiertage, greift er sich einen Stapel Kurbücher, um die Namen zu recherchieren oder die Decknamen. Denn auch Rosa Luxemburg kurte hier, allerdings inkognito. In den 30er Jahren kamen der stellvertretende Reichskanzler und auch der Präsident der Reichsbank in seine Stadt.

Aber nicht nur für Bänker, Wissenschaftler oder Politiker war Tabarz interessant, es war auch immer ein Ort von Kunst und Kultur. Hier waren Schauspieler zu Gast, die damals eventuell populär waren oder wurden, und es später durch die Kinozeit geworden sind.

Einer davon ist Erich Ponto, der vielen aus der „Feuerzangenbowle“ bekannt sein dürfte.

Alter Charme in der Stadt

Lesehalle Bad Tabarz
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Wer heute durch Tabarz bummelt, entdeckt noch immer den Charme der vergangenen Zeit: Selbst Fachwerk-Bäderarchitektur gibt es an manch einem Haus zu bewundern.

Auch wenn Friedrichroda - gleich nebenan - den größeren Anteil am Sommerfrische- und Kurtourismus hatte, so will Bad Tabarz heute eine Lücke schließen und als Kommune mit 4.000 Einwohnern ein guter Gastgeber sein. 200.000 Erholungsuchende waren Jahr für Jahr in letzter Zeit zu Gast. An diesen Zahlen möchte David Ortmann - auch nach der Pandemie - wieder anknüpfen.

Der Kurpark ist gepflegt, Bibliothek, Cafés, Konzerte und Kultur - all das will David Ortmann seinen Gästen bieten inklusive Thüringens höchsten Berg vor der Tür und etlichen Wanderwegen drumherum.

Das erste Ferienhaus des FDGB

Ausblick auf einen Berg
Blick vom Aschenberg zum Inselsberg Bildrechte: MDR / Dagmar Ernst

Was für die einen große Tagestouren sind, sind für andere beschauliche Wanderungen. Darauf hat sich Mario Peschke spezialisiert und ist Gastgeber im Hotel am Burgholz. Auch das ist ein Haus mit Tradition, einer, die 1952 begann. Damals war es das vermutlich erste Ferienhaus des FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund, DDR), nach der Wende dann ein Tagungshotel. Heute bietet Mario Peschke hier 96 Zimmer an und setzt auf thüringer Gastlichkeit, aber auch auf Aktivurlauber, die sich bewegen wollen und Erholung suchen.

Die Nachfrage nach Bad Tabarz ist groß

Eines macht David Ortmann - den Bürgermeister - stolz: die Nachfrage innerhalb seiner Stadt sei gestiegen, erzählt er. Menschen wollen hier wohnen, bauen, ein Gewerbe einrichten. Neue Cafés werden entstehen, vieles wird vielleicht auch bisschen moderner werden. Auf eines legt er Wert: Die Tradition des Ortes und der Charme des vergangenen Jahrhunderts. Auch sein eigener Arbeitsplatz - das Rathaus - erinnert ihn jeden Tag daran:

Damals war es das erste Haus am Platz - als Badehaus. Hier wurden Bäder verabreicht: Lichtbäder, Wannenbäder und hier wurden auch die ersten Kneipp-Anwendungen praktiziert, so dass man tatsächlich sagen kann: Da hat die Tradition ihren Anfang genommen.

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 26. Juli 2021 | 07:43 Uhr