Musikschulen in der Corona-Adventszeit Advents(ver)stimmung an Musikschulen?

"Ihr Kinderlein kommet…", aber bitte nur digital! - So könnte man ein beliebtes Weihnachtslied umtexten, wenn man die Situation an Bildungseinrichtungen schildern will. Denn wieder ist im Advent verboten, was die Vorfreude sonst ausmacht: Gemeinsam singen, musizieren, Konzerte geben oder besuchen. Das trifft auch die Musikschulen hart. Sie müssen derzeit zwar nicht schließen, aber von Normalbetrieb kann keine Rede sein. MDR KLASSIK hat drei Einrichtungen in Sachsen besucht.

Keyboard wird desinfiziert
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Auch im zweiten Corona-Advent ist nichts wie sonst: der Knabenchor Dresden musste sein Adventskonzert absagen. Ebenso wie viele andere Kinder- und Jugendchöre auch. Eine große Enttäuschung für alle, die bereits dafür geprobt haben und voller Vorfreude waren.

Das Familienkonzert des Jugendsinfonieorchesters, was am 12.12. stattfinden sollte, die Konzerte des Knabenchors und des Mädchenchors... Sie können auf die Homepage schauen und die Liste ansehen: Es blutet einem das Herz.

Lutz Jurisch, Leiter des städtischen Heinrich-Schütz-Konservatoriums Dresden

Ständig neue Regeln

Blick auf das Heinrich-Schütz-Konservatorium in Dresden
Derzeit ist es ungewöhnlich still am Heinrich-Schütz-Konservatorium, wie an vielen anderen Musikschulen auch. Bildrechte: dpa

Einzelunterricht darf zwar stattfinden, doch auch der findet oft digital statt – entweder, weil Schüler oder Lehrer in Quarantäne sind, oder, weil der Schüler älter als 16 Jahre alt ist und deshalb nach aktueller Corona-Schutz-Verordnung nicht ins Haus kommen darf. Überhaupt: Sich ständig auf neue Regelungen einzustellen, sei derzeit die größte Herausforderung, berichtet auch der Leiter der Musikschule Pirna, Till Wanschura: "Wir versuchen zu organisieren, die Zugangsvorgaben zu erfüllen: wer muss welche Tests wem eigentlich vorlegen? Dürfen wir in Kindergärten oder nicht, dürfen wir in Schulen? Die Außenstellen sind zum Teil nicht besetzt mit festem Personal - das heißt, wer kontrolliert dort? Wir haben aktuell viel Arbeit, die eigentlich nicht "Musikschul-Normal-Arbeit" ist."

Spontanes Handeln unabdingbar

Musikpädagoge Viktor Karadschow hat sich erst im Sommer mit einer privaten Musikschule selbstständig gemacht: "Es ist natürlich eine gewisse Belastung, wenn man ständig Verordnungen lesen muss. Wir als Musiker sind da auch nicht so geschult. Da steht in einem Paragraphen dies, dann jenes, da durchblicken ist schwierig. Das belastet in der Hinsicht, dass man nicht fokussiert arbeiten kann. Unsere Arbeit ist ja, die Liebe zur Musik zu vermitteln. Das machen wir auch wahnsinnig gern und versuchen es auch jetzt noch." Viktor Karadschow hat sich daran gewöhnt, spontan handeln zu müssen. In seiner Keyboard-Gruppe sind heute zwei Grundschüler vor Ort, einer wird online zugeschaltet. Für viele ist das mittlerweile normal. Aber die Musikvermittlung ist auf digitalem Weg erschwert. Die technische Verbindung ist mal besser, mal schlechter, man versteht nicht alles gut, der Ton stockt, das Bild stockt - das nervt. Schüler und Lehrer leiden gleichermaßen darunter.

Von pädagogischer Seite ist es so, dass man nicht auf alles eingehen kann (Haltung, optische Mängel). Auch wenn ich vorspiele, sieht das der Schüler oft nicht gleich.

Viktor Karadschow, Musikpädagoge

Besser digital als gar nicht

Ein Junge übt vor seinem Computer mit einer Geige
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Gemeinsames Musizieren funktioniert digital wegen des Tonversatzes kaum. Dennoch: digitaler Unterricht ist besser als gar keiner, da sind sich alle drei Pädagogen einig. Lutz Jurisch vom Heinrich-Schütz-Konservatorium berichtet von Kollegen, die privat kleine Studios haben und gut von zuhause aus arbeiten können, und Till Wanschura von der Musikschule Pirna ermuntert seine Schüler, auch jetzt musikalisch aktiv zu bleiben:

Wir arbeiten jetzt daran, dass wir einen kleinen Adventskalender bauen, dass Kinder uns kleine Video-Tapes schicken und dann jeden Tag ein Türchen öffnen, und dort dann kleine Beiträge präsentieren.

Till Wanschura

Hoffnung und Spaß erhalten

Da ist schon einiges zusammengekommen: Hinter einem Türchen gibt es ein Gitarren-Solo, hinter einem anderen "Jingle Bells" auf der Trompete, und die Ballett-Mäuse zeigen einen kleinen Tanz. So sorgt die Musikschule dann doch für ein bisschen Adventsstimmung in dieser schwierigen Zeit.

Adventsstimmung bei MDR KLASSIK

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... als zu der Weihnachtszeit. Ob das so stimmt, weiß Johannes Richter. Er steigt das ganze Jahr auf Kirchtüme in und um Halle und dokumentiert, was dort hängt und klingt. Claus Fischer hat ihn bei einer Tour begleitet.

MDR KLASSIK Mo 28.12.2020 09:15Uhr 04:17 min

https://www.mdr.de/mdr-klassik-radio/klassikthemen/glockentoene-sammler-johannes-richter-halle100.html

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Oskar und der Weihnachtsmann 39 min
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39 min

Patrick Rohbeck erzählt die anrührende Geschichte des kleinen Jungen Oskar. Annemarie Gäbler aus dem MDR-Sinfonieorchester und Esther Langer nehmen das junge Publikum musikalisch mit in eine zauberhafte Weihnachtswelt.

Mi 23.12.2020 09:07Uhr 38:57 min

https://www.mdr.de/clara/weihnachtliches-kinderkonzert-oskar-und-der-weihnachtsmann-100.html

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Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 01. Dezember 2021 | 09:10 Uhr

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