MDR-Musiksommer Die Stadtkirche "St. Peter und Paul" in Weißensee – Spielort mit Geschichte

Die Stadtkirche "St. Peter und Paul" im thüringischen Weißensee wird sowohl von der Kirchgemeinde für die großen Festgottesdienste genutzt, als auch von der Stadt als Kultur-Veranstaltungsort. Im Rahmen des MDR-Musiksommers ist sie eine Konzertstätte für das MDR-Sinfonieorchester unter der Leitung von Dirigentin Corinna Niemeyer, die mit einem sommerlichen Programm in die Welt der Wiener Klassik entführt. Mareike Wiemann hat sich mit der Geschichte der Stadtkirche in Weißensee beschäftigt.

Außenaufnahme der Kulturkirche in Weißensee aus der Luft.
Die Stadtkirche "St. Peter und Paul" hat eine wechselhafte Geschichte. Einst residierte der Johanniterorden hier. Bildrechte: MDR/Andreas Lander

Aus der Ferne sieht die Stadtkirche gar nicht wie eine Kirche aus – eher wie eine überdimensionierte Scheune. Nähert man sich dem Städtchen Weißensee durch die leicht hügelige Landschaft, ist das breit gezogene Dach des großen Bauwerks schon von Weitem erkennbar. Einen Kirchturm sucht man dagegen vergeblich. "Es gab ursprünglich schon einen Kirchturm, wie man ihn auch kennt", erzählt Restauratorin Mary Randhage, die in den vergangenen Jahren die Sanierung der Kirche geleitet hat. "Bloß ist dort in der Vergangenheit zu oft der Blitz eingeschlagen, weil es der absolut höchste Punkt war. Irgendwann hatten die Altvorderen einfach die Nase voll und haben gesagt, jetzt setzen wir den Kirchturm daneben", so Randhage.

Die Stadtkirche zieht Blicke auf sich

Weißensee, Kulturkirche
Die Seitenansicht der Kirche. Allein durch ihre stattliche Höhe fällt sie auf. Bildrechte: Stadtmarketing Weißensee

So ist es gekommen, dass der recht unscheinbare Kirchturm nun schräg vor dem Eingang steht. Die Kirche braucht ihn nicht unbedingt, um die Blicke auf sich zu ziehen: Das tut sie auch durch ihre schiere Masse. Sie ist so groß, weil der Johanniterorden hier einst ansässig war, erzählt Gemeindemitglied Winfried Stelle. "Anfang des 14. Jahrhunderts sind die Johanniter nach Weißensee berufen worden und haben die Kirche übernommen. Sie hatten dann ihren Ordenssitz für Thüringen hier. Und der Ordensobere hat hier gesessen."

Die Johanniter wünschten sich eine repräsentative Kirche und begannen, den bereits vorhandenen Bau aus dem 12. Jahrhundert großzügig auszubauen, bis die Reformation dazwischen kam. Mit etwas Verspätung erreichte sie im Jahr 1539 auch Weißensee. Fortan arrangierte man sich recht pragmatisch miteinander. "Es gab von Anfang an eine Besonderheit", erzählt Winfried Stelle. Der Johanniterorden sei nicht aus dem Ort vertrieben worden: "Die Johanniter durften bleiben und die Kirche weiter nutzen. Allerdings mussten sie diese der evangelischen Gemeinde zur Verfügung stellen und gleichzeitig die evangelischen Geistlichen löhnen."

St. Peter und Paul im Wandel der Zeit: ein "Grauschleier" über der Kirche

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts blieb dieses Arrangement zwischen Johannitern und evangelischer Gemeinde mehr oder weniger bestehen, was für das Gebäude vermutlich ein Segen war. Es kam nie zu Bilderstürmerei, Vieles im Inneren der Kirche blieb erhalten. Dennoch senkte sich nach der Reformation und vor allem nach der Enteignung durch den preußischen Staat eine Art "Grauschleier" über das Gotteshaus: Die einstmals prächtig bemalte Decke wurde etwa mit schlichter grauer Farbe übermalt, um dem Zeitgeist zu entsprechen.

Zu DDR-Zeiten kam der bauliche Verfall hinzu. 1986 fand der letzte Gottesdienst statt, bevor die Kirche gesperrt wurde. Winfried Stelle erinnert sich an ruinöse Zustände, es sei alles "grau in grau" gewesen: "Ein Großteil der Fenster war kaputt, was über die Jahre sogar noch schlimmer wurde. Denn es gab leider einige Mitbürger, die die Scheiben mit Luftgewehrschüssen weiter zerstörten."

Restauration lässt die Kirche wieder erstrahlen

Die Verzweiflung der Kirchgemeinde in den 90er-Jahren war groß, eine Sanierung des riesigen Gotteshauses schien völlig unmöglich. Doch dann wurde die Stadtkirche während der Lutherdekade als eine von drei Kirchen in ganz Thüringen mit üppigen Fördergeldern bedacht. Restauratorin Mary Randhage machte sich ans Werk: Das Ergebnis lässt sich heute bestaunen.

Innenansicht der Kulturkirche Weißensee
Die Restauration lässt die Kulturkirche Weißensee heute wieder erstrahlen. Bildrechte: MDR KLASSIK

Wer den Innenraum betritt, schaut unweigerlich hinauf auf die mit gedeckten Farben reich verzierte Kassettendecke. Links und rechts schimmern gewundene Säulen in gold, weiß und grün. Linkerhand auf der ersten Empore sind verschiedene Logen zu entdecken mit bunten, ornamentalen Fensterläden.

Und hinten, im Chor, leuchten nun neue Kirchenfenster in bunten Farben. Die Türen der Stadtkirche von Weißensee stehen wieder weit offen.


Am Samstag (25. Juni) erleben Sie im Rahmen des MDR-Musiksommers das MDR-Sinfonieorchester unter der Leitung von Dirigentin Corinna Niemeyer in der Kulturkirche St. Peter und Paul. Sie entführen mit einem sommerlichen Programm in die Welt der Wiener Klassik.

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | MDR KLASSIK am Morgen | 22. Juni 2022 | 08:40 Uhr

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