Engagement für Umweltschutz und Nachhaltigkeit: Orchester des Wandels

Etliche Millionen Musikinstrumente werden alljährlich gebaut, die meisten davon sind aus kostbaren Hölzern. Doch diese sind knapp und wachsen in fernen Ländern. Umweltschützern bereitet dies Sorge und sie laufen Sturm gegen die Verwendung seltener tropischer Hölzer. Über Alternativen des Instrumentenbaus und das Engagement von aktiven Orchestermusikerinnen und -musikern gegen die Abholzung erzählt der Beitrag von Grit Schulze anlässlich des Klimastreiktags am 24. September.

Geigenbauer arbeitet an Schneckenkopf
Bildrechte: dpa

Klaviertasten werden daraus gefertigt, wie auch Schlag- und Blasinstrumente und natürlich die Griffbretter für Streichinstrumente – die Rede ist von Ebenholz. Doch diese Bäume sind rar und vom Aussterben bedroht. Auf Madagaskar und in Indien beispielsweise wird Ebenholz nach wie vor illegal gerodet, wie auch die gleichfalls für den Instrumentenbau verwendeten Palisanderbäume. Die Nachfrage ist so groß, dass gegen Gesetze verstoßen und Regeln aufgeweicht werden. Seit Jahrzehnten wird mehr Tropenholz abgebaut, als nachwachsen kann. Selbst für die Billiginstrumente aus China verwendet man tropische Hölzer.

Symbolbild ein Baum in einer Hand
Bildrechte: Colourbox.de

Auf diese Problematik wollen Musiker und Musikerinnen der Staatskapelle Berlin aufmerksam machen, so haben sie vor 12 Jahren die Initiative „Orchester des Wandels“ gestartet. Inzwischen gehören ihr 25 Orchester an, wie auch verschiedene Umwelt- und Artenschutzprojekte. Mit Einnahmen aus Konzerten finanzieren sie in Madagaskar ein Projekt zum Schutz von Ebenholz. Initiator ist Markus Bruggaier, Hornist der Staatskapelle.

Es freut mich, dass nach wie vor alle Kollegen das unterstützen und für die Konzerte unentgeltlich zur Verfügung stehen. Es wird ja auch höchste Zeit, dass die Kulturszene sich selber fragt, welche Ressourcen wollen wir verbrauchen. Kultur wird ja immer Ressourcen verbrauchen. Und selber mitzugestalten und den Transformationsprozess aktiv zu gestalten und nicht zuzuschauen, wie andere entscheiden, was wir noch dürfen und was wir nicht dürfen.

Markus Bruggaier, Hornist der Staatskapelle Berlin
Geigen und Bratschen an einer Wand
Instrumentenbau Bildrechte: imago/HRSchulz

Beim Instrumentenbau beeinflusst nicht nur die Holzart das Tonvolumen und die Klangfarbe maßgeblich. Wichtig ist auch, wie und wo das Holz gewachsen ist und dass es eine hohe Dichte aufweist. Aber die erzielt man eben nur bei langsam wachsenden Baumarten. Jeder Instrumentenbauer hütet wohl seine eigene Zauberformel. Die berühmten italienischen Geigenbauer – allen voran Stradivari, Guarneri und Amati – nahmen ihre Geheimnisse mit ins Grab. Ihre Instrumente rufen utopische Preise auf. Aber bringen nur teure Instrumente den besten Klang? Dr. Mario Zauer leitet die Forschungsgruppe für Holztechnik an der TU Dresden und setzt alternative Modifikationsvarianten ein:

Da gibt es Möglichkeiten, einheimische Hölzer zu modifizieren, aber das heißt nicht, dass das Instrument kostengünstiger dadurch wird. Die Lohnkosten in Deutschland sind ja – im Vergleich zu Ländern aus dem südostasiatischen Bereich viel höher. Es ist natürlich auch ein Experiment. Es gibt ja keine Langzeitstudien. Da sind die bisher verwendeten Tropenhölzer im Vorteil: hier gibt es quasi Langzeiterfahrungen, wie ist das Verhalten in 10, 20, 30, 40, 50 Jahren. Die gibt es momentan für diese modifizierten Hölzer gar nicht.

Dr. Mario Zauer, Leiter der Forschungsgruppe für Holztechnik an der TU Dresden

Und eine weitere Hürde gilt es zu überwinden, so Mario Zauer:

Im klassischen Bereich ist es etwas schwierig, weil nicht mal die Instrumentenhersteller, sondern die Musiker sehr konservativ dort eingestellt sind. Und sowie dort neue Materialien mit ins Spiel kommen, wird es natürlich sehr skeptisch beäugt.

Für die Instrumentalisten im klassischen Sinfonieorchester, wie der Staatskapelle Berlin, bieten sich also noch keine Alternativen. Und so müssen die Musikerinnen und Musiker zum Schutz von im Musikinstrumentenbau verwendeten Edelhölzern weiterhin in ihrer Freizeit und in eigener Finanzierung Konzerte geben. Und da gibt es schon vielversprechende Ideen.

Initiative zum Klimastreiktag: musicforourplanet

Weitere Initiativen für mehr Nachhaltigkeit finden am 24. September anlässlich des Klimastreiks statt, darunter das globale, digitale Projekt musicforourplanet. Die Violinistin Lea Brückner und "Orchester des Wandels" laden damit Musikerinnen und Musiker ein, sich mit einem selbst aufgenommenen kurzen Musikstück in den sozialen Netzwerken für den Klimawandel zu engagieren.

Nachhaltigkeit im Kulturbetrieb

Dieses Thema im MDR-Programm: MDR KULTUR | 24.9.2021 | 9:10 Uhr

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