Nachwuchsförderung in Pademiezeiten Berufswunsch Musik: Trotz Lockdown ungebrochen

Seit einem Jahr sind Berufsmusikerinnen und -musiker an der Ausübung ihres Berufs gehindert. Dasselbe gilt für den Nachwuchs: Auch den Studierenden an den Musikhochschulen fehlt durch mangelnde Auftrittsmöglichkeiten die Praxis. Das aktuelle Projekt der Elblandphilharmonie in Riesa will dem entgegenwirken – und jungen Musikerinnen und Musikern trotz Pandemie eine solche Auftrittsmöglichkeit bieten.

Barockgebäube mit gelblich gestrichener Fassade, Totale mit einem Reiterdenkmal im Vordergrund
In der Musikhochschule Franz Liszt in Weimar können Studierende auch im Lockdown Proberäume nutzen. Bildrechte: imago/Karina Hessland

Das gab es lange nicht im Probensaal in Riesa: das Orchester der Elblandphilharmonie ist in größerer Besetzung zusammen gekommen. Um die dreißig Streicher, Bläser und Schlagwerker sitzen – auf Abstand – an ihren Pulten, sogar in Konzertkleidung: Denn sie geben ein Konzert. Erstmal nur für die Kamera, aber später soll es dann online abrufbar sein: Als Ostergeschenk für das Publikum, so Chefdirigent Ekkehard Klemm.

Auf dem Programm stehe ein seriöses und unterhaltsames Programm mit zwei Mozart-Werken – im zweiten Teil gehe es in eine heitere Richtung, um dem Publikum gute Laune zu machen. Das Besondere daran: Nicht die Orchestermusiker allein, sondern begabte Nachwuchsmusikerinnen und -musiker gestalten das Programm. Etwa die 20-jährige Charlotte Thiele, die als Solistin in Mozarts drittem Violinkonzert mitwirkt. Die junge Geigerin hat sofort zugesagt, als die Anfrage kam:

Habe mich natürlich riesig gefreut, und freue mich immer noch – weil: Jetzt ist das Orchester mein Publikum, denn für so viele Menschen, wie im Orchester sitzen, habe ich seit Ewigkeiten nicht gespielt. Das ist einfach ein großartiges Gefühl.

Charlotte Thiele Studentin Geige

Dieses Glücksgefühl scheinen viele im Saal zu teilen – die Musizierenden lächeln sich gegenseitig zu, Charlotte bekommt aufmunternde Blicke. Das gemeinsame Spielen ist für alle ein Gewinn – auch wenn das Publikum immer noch fehlt: "Natürlich ist es nicht das gleiche, Online-Konzerte zu machen wie Präsenz-Konzerte. Und ich vermisse das Publikum! Gerade Studierende müssen lernen, vorzuspielen – das hat jetzt natürlich gefehlt", so Charlotte Thiele.

Proberäume trotz Lockdown nutzbar

Immerhin konnte sie auch im Lockdown weiterstudieren und die Proberäume der Weimarer Musikhochschule nutzen:

In der Hochschule durften wir tatsächlich üben – großer Vorteil in Weimar. In anderen Städten ist das wohl viel schwieriger. Ich weiß, dass es für viele Musikerinnen und Musiker gerade sehr schwer ist, sich zu motivieren.

Charlotte Thiele Studentin Geige

So geht es auch Benedikt Kantert, Dirigierstudent an der Hochschule für Musik in Dresden. Dirigieren zu üben ist generell nicht einfach – aber in Lockdown-Zeiten geradezu unmöglich. Auch er sagte deshalb sofort zu, als die Elblandphilharmonie ihn für dieses Projekt anfragte: "Das ist eine wunderbare Möglichkeit, die sich jetzt ergeben hat. Auch mit so einem interessanten Stück von Ottorino Respighi, das einem jetzt nicht so oft im Repertoire über den Weg läuft."

Wechselnde Vogelstimme, wechselnde Dirigierende

Gemeint ist Respighis Gli Uccelli (Die Vögel): ein atmosphärisches Werk von 1928, das in fünf Sätzen die Klangwelt von Vogelstimmen interpretiert. Bei jedem Satz dürfen andere Dirigierstudierende am Pult stehen – Benedikt Kantert hat den zweiten Satz La colomba (Die Taube) erarbeitet.

Auch ihn habe hat die Pandemie zurückgeworfen: Der junge Mann, der selbst Posaune, Klavier und Orgel spielt, hat im letzten Jahr nur selten vor einem Ensemble stehen können:

Wenn man Dirigieren studiert, fällt natürlich das Hauptfach in der praktischen Ausübung komplett weg. Ich denke, es wurden gute Wege gefunden, das zu kompensieren – aber häufig habe ich mich gefragt, welche Relevanz der Beruf hat – gesamt-gesellschaftlich.

Benedikt Kantert Student Dirigieren

Und er habe sich im Stich gelassen gefühlt – in der Bedeutung, dessen, was er praktiziere und was er der Gesellschaft zurückgeben wolle. Aber letztlich blieb der Berufswunsch doch ungebrochen.

Vielleicht können Projekte wie das Videokonzert der Elblandphilharmonie dazu beitragen, dass junge Musiker wie Benedikt Kantert und Charlotte Thiele am Ball bleiben. Und die mitteldeutsche Konzertlandschaft auch künftig bereichern.

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 15. März 2021 | 08:40 Uhr