Porträt Noa Wildschut: Die Geigenvirtuosin, die auf dem Teppich bleibt

Frei, frisch und doch schon reif – so wird Noa Wildschuts Geigenkunst häufig von der internationalen Musikkritik gefeiert. Nach frühen Erfolgen wurde sie für die Saison 2019/20 von der European Concert Hall Organisation zum "ECHO Rising Star" gewählt und reist seitdem häufig durch Europa und die gesamte Welt. Am 29. Juli wird sie im Rahmen des MDR-Musiksommers im Bachsaal Köthen mit der Deutschen Streicherphilharmonie zwei Violinkonzerte von Johann S. Bach spielen. MDR KLASSIK hat sie getroffen.

Noa Wildschut
Jung und bereits unfassbar erfahren: Seit 17 Jahren spielt Noa Wildschut schon Violine – und dass, obwohl sie erst 21 Jahre alt ist. Bildrechte: Esther de Bruijn

"Ich spiele Stücke, die schon oft gespielt worden sind, also kann man leicht in Traditionen oder Spielarten hängen bleiben. Aber ich versuche einfach immer, wenn ich auf die Bühne gehe, zu denken: Ich werde das heute spielen, als wäre es etwas Neues, denn so kann man es frisch und lebendig halten." Diese Frische, von der Noa Wildschut erzählt, spürt man, auch wenn sie seit bereits 17 Jahren Violine spielt. Begonnen hat sie im Alter von zwei Jahren, jedoch mit einem ganz anderen Instrument: Eigentlich wollte sie Cello lernen, erzählt sie. "Aber es war vielleicht nicht ganz genau, was ich im Kopf hatte. Geige ist jetzt mein Instrument und ich bin sehr glücklich und dankbar für alles, was ich mache."

Kultur

Konzert 17 min
Bildrechte: MDR/Katharina Neuhaus

Inspiration von bedeutenden Musikerinnen

Noa Wildschut
Das Geigespielen verlangt viel Disziplin und Durchhaltevermögen – vor allem hat Noa Wildschut aber Spaß an ihrem Beruf als Violinistin. Bildrechte: Esther de Bruijn

Und sie macht viel: Neben Konzerten mit großen Orchestern wie dem Konzerthausorchester Berlin oder dem Gürzenich Orchester Köln konnte sie bereits mit namhaften Künstlerinnen und Künstlern wie Janine Jansen oder Frank Peter Zimmermann zusammenarbeiten. Außerdem war Noa Wildschut die jüngste Stipendiatin der Anne-Sophie Mutter Stiftung und Mitglied des Ensembles "Mutter's Virtuosi". Über diese Erfahrung ist sie sehr dankbar: "Ich habe so viel von ihr gelernt, aber jetzt mache ich meine eigenen Dinge. Sie hat mir beigebracht, auf meinen eigenen Füßen zu stehen und zu tun, was ich selbst will. Meine eigene Meinung über alles zu haben, das ist etwas Großartiges."

Doch trotz dieser Höhenflüge bleibt Noa Wildschut bodenständig und bescheiden: "Natürlich bin ich eine Künstlerin, aber ich versuche, Menschen die Musik zu vermitteln. Ich bin also eigentlich nur die Zwischenperson und versuche, den Leuten das Geschenk der großen Komponisten zu geben und sie zu berühren."

Zwischen Freude und Druck

Noa Wildschut
Noa Wildschut war die jüngste Stipendiatin der Anne-Sophie Mutter Stiftung und Mitglied des Ensembles "Mutter's Virtuosi". Bildrechte: Esther de Bruijn

Violinistin zu sein, ist trotz allem ein Job, der viel abverlangen kann, wie Noa Wildschut beschreibt: Ihr Beruf fordere viel Arbeit und Vorbereitung, auch mentaler Art: "Was hinter den Kulissen passiert, was die Leute tatsächlich nicht sehen, ist viel Arbeit und auch manchmal Stress, und auch viel Freude und viel Genuss und Spaß." Ein Ausgleich vom teils anstrengenden Musikerinnendasein wäre dabei von Vorteil. Doch dafür bleibe oft zu wenig Zeit: "Ehrlich gesagt denke ich, ich sollte mehr Sport machen. Ich meine, ich reise ziemlich viel und schleppe schwere Koffer. Das ist sozusagen meine Hauptsportart", erzählt Noa Wildschut lachend.

Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mehr tue als irgendwer anderes. Das ist mein Job.

Noa Wildschut, Violinistin

All diese Mühen nimmt die junge Geigerin gerne auf sich, da ihr das Musizieren, besonders das gemeinschaftliche, sehr viel gibt. Doch manchmal fürchte auch sie wie viele andere Musikerinnen um ihre Existenz. Solche Gedanken versucht sie aber schnell zur Seite zu schieben: "Ich versuche einfach wirklich zu genießen, was ich tue und alles, was ich habe, zu geben und mich, so gut ich kann, zu entwickeln. Ich habe noch so viel zu lernen und zu entdecken. Das ist eine wirklich lange, endlose, unbegrenzte Reise."

Junge Menschen für klassische Musik begeistern

Für die Zukunft hat Noa Wildschut dennoch keine großen persönlichen Ambitionen. Vielmehr will sie mit ihrem Violinspiel etwas anderes erreichen. Sie wolle insbesondere junge Menschen anregen, selbst klassische Musik zu machen, und ihnen somit zeigen, wie großartig diese Musik sei.

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Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | MDR KLASSIK am Morgen | 28. Juli 2022 | 08:40 Uhr

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