Uraufführung Rezension: Bier-Operette "Hopfen und Malz": Schwipserl statt Dröhnung

Im Eduard-von-Winterstein-Theater Annaberg-Buchholz fand die Uraufführung der ersten Operette von Daniel Behle statt. "Hopfen und Malz" spielt an der holsteinischen Küste – und es geht ums Bierbrauen. Behle hat zusammen mit dem Schweizer Alain Claude Sulzer auch das Libretto verfasst, seine Mutter Renate Behle hatte in Jasmin Solfagharis Inszenierung einen Kurzauftritt als Mama Cervisia und gewidmet ist das Werk Behles verstorbenem Vater, der gerne Bier trank.

Menschen mit Bierflaschen in den Händen.
Bildrechte: Dirk Rückschloß / Pixore Photography

Man sollte am besten bereits eine Halbe getrunken haben, bevor man sich in das wild strudelnde Stück "Hopfen und Malz" begibt. Behle hat ein magisches Freibier erfunden, das nie versiegt und das bei Vollmond in der Wolfsbucht gebraut wird. Zusätzlich braucht es einen reinen, sündenfreien Anzapfer.

Ein bunter Strauß der Opernliteratur

Ja, der Opernsänger und -kenner Behle zitiert und persifliert nach Tenoreslust aus der Opernliteratur von Freischütz über Macbeth, Don Carlos bis Parsifal. Seine Musik irrlichtert zwischen folkloristischen, tänzerischen, populären und hochemotionalen Elementen und fordert ein großes Ensemble, das mit allen Theaterwassern gewaschen ist. Mal badet er in Strauss- oder Wagner- Anklängen, dann lässt er barocke Fugen im Chor singen. Einige originelle Nummern packen, die Ideenfülle macht sich aber mit der Zeit selbst platt und wird anstrengend.

Kraftaufwand für Chor, Orchester und Soli

Vor dem bewältigten Kraftaufwand für Chor, Orchester und Soli in Annaberg- Buchholz muss man den Hut ziehen, Behle hatte offensichtlich häufig Bayreuther Starkollegen und ein großes Symphonieorchester im Ohr. Deshalb ist auch die Balance für Generalmusikdirektor Jens Georg Bachmann im kleinen Graben schwierig und Mikrofonierung der leichten Stimmen nötig.

Theaterszene zu "Hopfen und Malz".
Opernchor des Eduard-von-Winterstein-Theaters und László Varga (Mitte, als Horst Flens). Bildrechte: Dirk Rückschloß / Pixore Photography

Gags und Gummistiefel-Getrappel

Theaterszene zu "Hopfen und Malz".
v.l.n.r.: Richard Glöckner (Klaus), Maria Rüssel (Letty) und Ivaylo Guberov (Max). Bildrechte: Dirk Rückschloß / Pixore Photography

Die lebendig-bunte Inszenierung von Jasmin Solfaghari folgt den Anweisungen des Komponisten und setzt mit zusätzlichen Gags und Gummistiefel-Getrappel noch eins drauf. Da mähen die Background-Schafe auf dem Deich und vier Geisterbayern tauchen mit Zottelbärten auf. Dennoch fehlt streckenweise die Leichtigkeit, der Zug, den die Operette braucht, und nach einem schlüssigen Handlungskern sucht man vergeblich.

Braumeister-Duett zum Mitsingen

Theaterszene zu "Hopfen und Malz".
v.l.n.r.: Opernchor des Eduard-von-Winterstein-Theaters und Ivaylo Guberov (Max), Leanderde Marel (Mitte, als Theophil) sowie Maria Rüssel (Letty) Bildrechte: Dirk Rückschloß / Pixore Photography

Mehrere parallele Geschichten werden da irgendwie in Zusammenhang gebracht, manche Figuren sind schlicht überflüssig. Behle und Co-Librettist Alain Claude Sulzer kaprizieren sich mehr auf Wortwitz als aufs Erzählen. Senta mag Berge und nicht den Holländer Bernd, darum besingt dieser die "Wunde von Bernd" im orangefarbenen Fußballtrikot und schimpft sich einen "Tor, Tor, Tor". Das Braumeister-Duett zum Mitsingen macht Spaß, die Arie der Letty vom Holländischen Wohnwagen ebenfalls.

Leider endet der dreistündige, zu lange Abend im Delirium auch ohne, dass es Freibier in der Pause gibt. Behles Bieroperette sollte noch einmal gut gefiltert – sprich, gekürzt und entschlackt – werden, denn ein Operetten-Schwipserl ist viel lustiger als die volle Dröhnung.

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | MDR KLASSIK am Morgen | 23. Januar 2023 | 09:10 Uhr