Neugierig – charmant – vielseitig – umjubelt – zufrieden? Placido Domingo zum 80. Geburtstag

Vorausgesetzt, dass das Datum 21. Januar 1941 stimmt, dann feiert der Sänger, Dirigent und (einstige) Opern-Direktor Placido Domingo seinen 80. Geburtstag. So ganz sicher ist das Geburtsjahr allerdings nicht.

Placido Domingo im Fernsehsender Rai 1
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Der in Madrid geborene Sohn von Zarzuela-Sängern stand und steht länger als die meisten seiner Profession auf den Brettern, die auch ihm die Welt bedeuten - er feierte vor vier Jahren sein 50-jähriges Bühnen-Jubiläum. Allein das zu schaffen, erfordert ein hohes Maß an Disziplin und sängerischer Intelligenz.

Vom Bariton zum Tenor zum Bariton

Domingo, der im Bariton-Fach begann und nach einem Fachwechsel als Tenor eine einzigartige Karriere startete, kehrte im Alter wieder ins Bariton-Fach zurück. Er sang zuletzt u.a. den Simon Boccanegra und Vater Germont statt wie früher die Partie des Sohnes Alfredo in Verdis La Traviata. Diese Rollen machten ihn und das Publikum glücklich, bekannte er in einem Interview vor Corona. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass zu dieser Zeit sein einst so charakteristisch-timbrierter, mit emotionaler Durchschlagskraft gesegneter Tenor hörbar an Schmelz und Souveränität in der Höhe verloren hatte.

Opern-Sänger und Dirigent

In den Jahrzehnten zuvor aber sammelte Domingo nicht nur alle nennenswerten Tenorrollen von Verdi und Puccini ein, mit denen er auf dem Höhepunkt seiner Karriere in aller Welt reüssierte. Nein, er erarbeitete sich mit Neugier und Fleiß sage und schreibe 142 Partien – darunter auch den Lohengrin, Tannhäuser, Siegmund und Parsifal sowie Tristan (letzteren ausschließlich im Studio). Zudem brachte der Spanier gemeinsam mit José Carreras und Luciano Pavarotti („Die drei Tenöre“) Opern erfolgreich an ein Massen-Publikum in großen Arenen. Und damit immer noch nicht genug, denn Domingo betätigte sich auch als Dirigent, er leitete die Washington National Opera und die von Los Angeles.

Vorwürfe von sexueller Belästigung

Ein zufriedener 80-Jähriger also? Das sollte man meinen, wären nicht 2019 Vorwürfe sexueller Belästigungen aufgekommen. Zunächst bestritt Domingo alles, entschuldigte sich später aber bei jenen Frauen, denen er Unrecht getan haben könnte. Und während seine Karriere in Amerika rasch beendet wurde, hofierte man den Star - der mit seinen Verteidigungs-Strategien bereits wie aus der Zeit gefallen wirkte -, in Europa weiterhin. Zweifelsohne unwürdige Missklänge am Ende einer beispiellosen Karriere.

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | STIMME(N) | 16. Januar 2021 | 20:00 Uhr