Musical-Premiere: "Footloose" in Chemnitz

Tanzen verboten: Kein Wunder, dass da die Jugendlichen in der amerikanischen Provinz revoltieren. Die Theater Chemnitz haben das Broadway-Musical "Footloose" ans Opernhaus geholt. Wolfgang Schilling hat vor der Premiere am 16. September schon einmal hinter den Vorhang geschaut.

Wilde, kunterbunte Tanzszene aus dem Musical "Footloose"
Bildrechte: Theater Chemnitz/Nasser Hashemi

Das Musical "Footloose" erlebte 1998 seine Premiere am New Yorker Broadway, wo das Stück aus der Feder von Dean Pitchford, Walter Bobbie und Tom Snow große Erfolge feierte. Später wurde es weltweit an vielen Musical-Häusern nachgespielt. Doch kann diese Geschichte über eine Jungendrevolte in der amerikanischen Provinz auch an einem deutschen Stadttheater reüssieren? Warum nicht, hat man sich in Chemnitz gesagt, wo man in Sachen Musical seit einiger Zeit besondere Wege geht.

Bühnenszene aus dem Musical "Footloose" 9 min
Bildrechte: Theater Chemnitz/Nasser Hashemi

Der junge Hauptdarsteller Jannik Harneit wurde nach seinem Musical-Studium an der Münchner August-Everding-Akademie vom Fleck an die Staatsoperette in Dresden engagiert. Sechs Jahre lang gehörte er dort zum Ensemble, nun ist er so frei wie seine Kollegen und Kolleginnen auf der Bühne, die allesamt auf ihr Genre spezialisiert sind. Und das merkt man sofort. Der Cast kann singen, tanzen und überzeugend spielen - und vor allem sprechen wie im echten Leben. Gerade auf letzteres legt Regisseur und Choreograph Jerôme Knols größten Wert. Der Holländer hat den größten Teil seines Bühnenlebens selbst als Musicaldarsteller verbracht und war dann lange Jahre vor allem in der Wiener Musical-Szene als Choreograph unterwegs. Das Stück kennt er bestens:

Ich habe das einmal selbst spielen dürfen und später für eine Kollegin den Cast zusammengestellt und choreografiert. Als Regisseur gebe ich damit aber mein Debüt.

Regisseur und Choreograph Jerôme Knols
Bühnenszene aus dem Musical "Footloose"
Jannik Harneit und Sophie Mefan in "Footloose" Bildrechte: Theater Chemnitz/Nasser Hashemi

Ein weiterer wichtiger Mann im Team ist Tom Bitterlich. Zwar ist er noch jung an Jahren, aber für viele vor Ort trotzdem ein alter Bekannter: Der gebürtige Chemnitzer hat nach dem Studium in Dresden seine ersten professionellen Schritte als Korrepetitor und Kapellmeister an der Oper seiner Heimatstadt gemacht. Über Stationen in München und Salzburg ist er inzwischen am Theater in Linz gelandet, wo es eine eigene Musical-Sparte gibt, der er als musikalischer Leiter vorsteht. Mit welchem Rüstzeug aus der Fremde ist er nun wieder zu Gast in der alten Heimat?

Ich habe viel gelernt und weiß genau, worauf zu achten ist - sowohl was den Ton angeht, was die Band angeht, wie man den Zug reinbringt. Da kann ich den Darstellern helfen. Ich weiß, um welchen Stil es in der jeweiligen Show gehen muss.

Tom Bitterlich, Musikalischer Leiter
Bühnenszene mit Kaffeekränzchen
Musical "Footloose" in Chemnitz Bildrechte: Theater Chemnitz/Nasser Hashemi

Besonders die Bandbreite der Stilistik fasziniert Tom Bitterlich bei "Footloose": Da gibt es harte Rock- und glitzernde Popnummern, aber auch Balladen, die ihn an Stephen Sondheim erinnern. Geprobt wird hier „bis zur letzten Sekunde", wie Regisseur und Choreograph Jerôme Knols verspricht. Das glaubt man ihm sofort. Als bei der Hauptprobe in der letzten Szene vor der Pause etwas im Zusammenspiel zwischen Bühne und Technik nicht ganz klappt, wird das solange geprobt, bis es sitzt. Ohne Rücksicht auf den kleinen Hunger oder die gewerkschaftlich vorgegebene Pausenzeit. Fazit: So kann es was werden mit dem Broadway-Erfolg am Stadttheater.

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 16. September 2021 | 07:43 Uhr

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