Musikalischer Schatz Rudolf Kempes Nachlass geht nach Dresden

Rudolf Kempes Witwe Cordula lebt in England und kümmert sich um das Vermächtnis ihres Mannes. Nun hat sie sich entschieden, dessen Nachlass an das Historische Archiv der Sächsischen Staatstheater zu geben, also an jenes Opernhaus und Orchester, denen sich Rudolf Kempe zeitlebens besonders verbunden fühlte. Das ist ungewöhnlich, denn in der Regel werden solche Nachlässe an große Institutionen gegeben.

Der Dirigent Rudolf Kempe während einer Probe mit dem BBC Symphony Orchestra in der Londoner Royal Albert Hall am 30. August 1974.
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So genau wissen die Archivarinnen und der eine Archivar des Historischen Archivs der Sächsischen Staatstheater noch nicht, was sich alles in den 75 Kartons verbirgt, die geliefert wurden. Das wird sich erst nach und nach bei der Tiefenerfassung herausstellen, mit der die Bestände für die Wissenschaft erschlossen werden. Janine Schütz ist Leiterin des Historischen Archivs der Sächsischen Staatstheater und empfindet es als große Auszeichnung, dass Cordula Kempe den Nachlass nach Dresden gegeben hat.

Es ist zu zwei Dritteln offizielle Dokumentation anhand von Programmheften und Rezensionen. Musikalien spielen natürlich auch eine große Rolle: Wir haben eine große Menge an Klavierauszügen, Partituren, auch ganz viele LPs. Man kann auch Rückschlüsse ziehen, was er gerne gehört hat. (...) Nur ein Drittel ist Material, das Auskunft über sein Privatleben, über den Privatmenschen Kempe gibt.

Janine Schütz, Leiterin des Historischen Archivs der Sächsischen Staatstheater

Der Dirigent Rudolf Kempe während einer Probe (undatiert).
Rudolf Kempe hat seine Arbeit selbst sehr übersichtlich dokumentiert, was die Arbeit der Archivierenden sehr erleichtert.
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Fast unberührte Partituren

Im Normalfall geben Partituren und Klavierauszüge voller Einzeichnungen und Randbemerkungen der Musiker aufschlussreiche Einblicke in die Werkstatt und Arbeitsweise. Diese Geheimnisse, so die überraschende Erkenntnis von Archivleiterin Janine Schütz, wollte Rudolf Kempe aber offenbar für sich behalten.

Die Partituren sehen fast wie unberührt aus. Das glaubt man gar nicht, dass er intensiv mit diesen Materialien gearbeitet hat. (...) Er muss aus dem Herzen gearbeitet haben, aus der Intuition. Er hat das nicht dokumentiert oder ganz sparsam.

Verbundenheit mit Dresden

Rudolf Kempe, Dirigent - 1971
Vor 45 Jahren starb der Dresdner Dirigent Rudolf Kempe mit nur 66 Jahren und wurde damals weltweit sehr betrauert. Bildrechte: IMAGO / Michel Neumeister

Der gebürtige Dresdner Rudolf Kempe begann seine Laufbahn in der Orchesterschule der Sächsischen Staatskapelle, ging von dort nach Dortmund und Chemnitz, um direkt nach dem Zweiten Weltkrieg Kapellmeister und Generalmusikdirektor in seiner Heimatstadt zu werden. 1951 wechselte er an die Bayerische Staatsoper und wurde schnell einer der gefragtesten Dirigenten seiner Zeit. London, Zürich, Mailand, New York, Buenos Aires, er trat in allen Musikmetropolen der Welt auf, blieb Dresden aber stets verbunden, wo er mit der Staatskapelle beispielsweise die bis heute maßstabsetzende Einspielung der Orchesterwerke von Richard Strauss aufnahm. All das spiegelt sich in seinem Nachlass.

Kultur

Der Dirigent Rudolf Kempe während einer Probe mit dem BBC Symphony Orchestra in der Londoner Royal Albert Hall am 30. August 1974. 5 min
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Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 22. Februar 2021 | 09:15 Uhr