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Die Oper Leipzig im Jahr 1966 Bildrechte: dpa

MDR KLASSIK-SerieMusiktheater in der DDR

Stand: 18. September 2021, 00:00 Uhr

Rund siebzehn Millionen Einwohner hatte die DDR, viele davon waren kunst- und kulturbegeistert. Dabei war es von 1949 an im Interesse der Staatspartei SED, die Hoch-Kultur auch den Massen nahe zu bringen: Der gebildete Arbeiter war schließlich besser für den Aufbau des Sozialismus geeignet! In ihrer vierteiligen MDR KLASSIK-Serie gehen Bettina Volksdorf und Matthias Käther der Frage nach, wie vier Jahrzehnte DDR-Musiktheater die Szene geprägt haben und was davon heute noch relevant ist.

Kleines Land – große Leidenschaft

Johannes R. Becher, Schriftsteller und Vorsitzender des Kulturbundes der DDR (undatiert). Bildrechte: dpa

Die DDR-Führung ließ sich das Musiktheater einiges kosten. Zuweilen wurde an 50 Bühnen singend, spielend und tanzend gehofft, geliebt und gemordet! Der Slogan "Du hast ein Recht auf ein Anrecht" zog ein Millionen-Publikum an, zumal die staatlich-gestützten Theaterkarten zumeist ein Schnäppchen waren. Ganz nebenbei kompensierte die DDR über die Kunst- und Kultur-Szene auch ihre ökonomische Unterlegenheit - insbesondere gegenüber der BRD.

Es war ein Politikum in der DDR: Theater für alle, Oper für alle!

Eckart Kröplin, bis 1989 Chefdramaturg und stellv. Intendant der Semperoper Dresden

Zwischen Anpassung und Widerstand

Dabei hatten sich Künstler und Künstlerinnen den zumeist restriktiven, aber nicht immer stringent umgesetzten ideologischen Vorgaben der SED-Kulturfunktionäre unterzuordnen.

Jeder Künstler hat Platz in unserer Gesellschaft, der sein Werk dem Frieden, dem Humanismus, der Demokratie, der antiimperialistischen Solidarität und dem Sozialismus verpflichtet.

Erich Honecker, Erster Sekretär des ZK der SED (1971 - 1989) und Vorsitzender des Staatsrats

Staatliches Symbol der DDR mit Hammer und Zirkel an der Leipziger Oper Bildrechte: IMAGO / IPON

Richard Wagners Werke zum Beispiel galten - auch auf Grund ihrer Rezeptionsgeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus - in den frühen Jahren der DDR als "toxisch", wurden aber zugleich en masse gespielt. Eingedenk dieser Widersprüche gedieh in den 40 Jahren des Bestehens der DDR eine Musiktheater-Szene, die gleichermaßen ideologisch- und künstlerisch-angepasst, wie widerständig und kreativ war: Theater mit Anspruch und "doppeltem Boden".

Wenn der Parteisekretär ein Trottel war, dann hatte er keine Chance, sich gegen die Künstler durchzusetzen.

Gunther Emmerlich, Opernsänger und Entertainer

Musiktheater in der DDR, Teil 1

Musiktheater in der DDR, Teil 2

Regisseure und Regisseurinnen, die das DDR-Musiktheater geprägt haben.

Walter Felsenstein: Regisseur und Intendant der Komischen Oper Berlin von 1947 bis 1975 Bildrechte: dpa
Ruth Berghaus: Choreografin und Regisseurin, von 1971 bis 1977 Intendantin des Berliner Ensembles Bildrechte: imago images/Jürgen Ritter
Christine Mielitz: Regisseurin und von 1998 bis 2002 Intendantin des Staatstheater Meiningen Bildrechte: dpa
Peter Konwitschny: (Opern-) Regisseur, von 1986 bis 1990 am Landestheater Halle Bildrechte: dpa
Harry Kupfer: Opern-Regisseur und von 1981 bis 2002 Chefregisseur der Komischen Oper Berlin Bildrechte: dpa

Musiktheater in der DDR, Teil 3

Protagonisten der "Klassiker des DDR-Musiktheaters"

Angehörige der Ostberliner Komischen Oper im Dezember 1964 bei ihrer Ankunft auf dem Hauptbahnhof in Stuttgart.
Das Ensemble gastierte damals im Stuttgarter Großen Haus mit der berühmten Felsenstein-Inszenierung von J. Offenbachs "Ritter Blaubart"
Bildrechte: dpa
„Die Verurteilung des Lukullus“ an der Staatsoper Berlin mit Reiner Goldberg als Lukullus (1998). Die internationale Karriere des Tenors begann 1967 in Dresden. Bildrechte: dpa
Jochen Kowalski, der erste Counter-Tenor in der DDR: Mit Partien wie zum Beispiel dem Orpheus, Giustino, Julius Caesar und Orlofsky wurde er weltweit populär. Bildrechte: IMAGO / POP-EYE
Der Komponist Gerd Natschinski (1928 – 2015) gilt als der "Musical-König" der DDR.  Mit Werken wie z.B. „Mein Freund Bunbury" und "Messeschlager Gisela" sowie zahlreichen Filmmusiken wurde er berühmt. Bildrechte: dpa
Am 3. Oktober 2021 hat "Mein Freund Bunbury" am Theater Altenburg Gera Premiere gefeiert. Damit kehrt das Meisterwerk von Gerd Natschinski nach 42 Jahren wieder zurück nach Altenburg. Bildrechte: Theater Altenburg-Gera/Ronny Ristok

Musiktheater in der DDR, Teil 4

MDR KLASSIK-Serie: DDR-Musiktheater Exzellente Devisenbringer: Berühmte Sängerinnen und Sänger der DDR

Peter Schreier (1969) Bildrechte: imago images/Michel Neumeister
Theo Adam (ca. 1980er) Bildrechte: imago/United Archives
Reiner Süss (1980) in einer seiner zahlreichen Gesangsrollen. Bildrechte: imago images/Harald Lange
Dagmar Schellenberger (1979) in der Garderobe eines Theaters in Hamburg. Bildrechte: imago images/United Archives
Sigrid Kehl 1973 in der Oper "Walküre" Bildrechte: Oper Leipzig/ Helga Wallmüller
Olaf Bär, seit 2004 Professor an der Hochschule für Musik Dresden C.M.von Weber, wo er auch die Liedklasse leitet. Bildrechte: Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden

Oper ist, wenn jemand erstochen wird und statt zu bluten, zu singen anfängt.

Zitat aus einer Rede von Walter Felsenstein, bis 1975 Intendant der Komischen Oper Berlin

Dieses Thema im Programm:MDR KLASSIK | 17. September 2021 | 09:10 Uhr

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