Corona-Pandemie Studie: Massive Umsatzverluste für selbstständige Musizierende

Besonders selbstständige Musikerinnen und Musiker haben durch die Corona-Pandemie teils massive finanzielle Verluste hinnehmen müssen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Zentrums für Kulturforschung im Auftrag des Deutschen Musikrates. Demnach haben selbstständige Musizierende während des ersten Lockdowns 44 Prozent Umsatzeinbußen verzeichnet.

Musiker mit Mundschutz
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Selbstständig tätige Musikerinnen und Musiker mussten demnach während des ersten Lockdowns Umsatzeinbrüche von durchschnittlich etwa 44 Prozent verkraften, während der zweiten Welle waren es 45 Prozent. Etwa ein Fünftel dieser Befragten verzeichnete einen kompletten Ausfall von Umsätzen. Angestellte Musikerinnen und Musiker mussten aufgrund des staatlichen Kurzarbeitergelds laut Studie keine nennenswerten Einkommenseinbußen hinnehmen.

Minus von rund 42 Prozent

Für das Pandemiejahr 2020/21 berechnet die Studie bei Selbstständigen im Musikbereich ein Minus von etwa 42 Prozent, das durch geleistete Hilfen auf rund 31 Prozent gemildert wurde. Von den etwa 62 Prozent, die keine staatlichen Hilfen beantragt haben, begründeten das 39 Prozent damit, dass Hilfen nicht notwendig gewesen seien, für 43 Prozent gab es keine Grundlage für Anträge.

"Verheerend für das Musikleben in Deutschland"

Christian Höppner
Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates. Bildrechte: imago/Horst Galuschka

Für Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates, lässt die Studie „keine Zweifel daran offen, wie verheerend sich die Corona-Zeit auf das Musikleben in Deutschland auswirkt“. Es gebe eine „besorgniserregende Erosion vieler Bereiche des Musiklebens“.

Amateurmusikbereich liegt weitgehend brach

So etwa auch auf den Nachwuchsbereich. Viele Studierende wechselten nach ihrem Abschluss in andere Berufe, Jüngere wählten trotz bestandener Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule ein anderes Fach. Zudem liege der Bereich der Amateurmusik, in dem sich bundesweit 14,3 Millionen Menschen engagieren, weitgehend brach.

Musikrat fordert Fortsetzung der Hilfsprogramme bis Ende 2022

Der Musikrat forderte, die Corona-Hilfsprogramme bis Ende 2022 fortzusetzen. Zudem brauche es eine Stärkung des Veranstaltungsmarktes. Der Probenbetrieb müsse auch Amateurmusikern - analog zum Sportbereich - schrittweise wieder ermöglicht werden. Auch müsse die Finanzierung des Kulturlebens in den Haushaltsplänen von Ländern und Kommunen sichergestellt werden, mahnte Höppner:

Die Studie ist ein dringender Weckruf zum Handeln, um uns nicht nach der Eiszeit in verkarsteten Kulturlandschaften wiederzufinden.

Infos aus Online-Erhebung

Die Studie basiert auf einer quantitativen Umfrage mit knapp 2.900 Beteiligten, hinzu kamen qualitative Befragungen mit 39 Beteiligten. Die Untersuchung ist den Angaben zufolge nicht repräsentativ, lässt aber verallgemeinerbare Ergebnisse erwarten. Einerseits wurden Schlüsselpersonen aus dem Musikleben befragt, andererseits gab es eine offene Online-Erhebung.

(Quelle: dpa)

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 27. Januar 2021 | 07:10 Uhr