Musikfestival trotz Corona Festival der "kleinen Form": Telemann-Nachspielzeit in Magdeburg

Die Corona-Pandemie hat im Frühjahr und Sommer zahlreiche Klassikfestivals in Mitteldeutschland ausfallen lassen: Das Leipziger Bachfest, die Händelfestspiele in Halle und – kurz nach dem Lockdown – die Telemann-Festtage in Magdeburg. Wenn man die Nachrichtenlage verfolgt, dann stehen die Zeichen im Moment wieder ungünstig, dennoch wird man heute in Magdeburg zur „Telemann-Nachspielzeit“ Anlauf nehmen.

Eine Plastik stellt den Komponisten Georg Philipp Telemann (1681-1767) in barocker Tracht umgeben von allegorischen Figuren dar.
Telemann-Statue in Magdeburg: Hier beginnt jetzt die Telemann-Nachspielzeit Bildrechte: dpa

„Dieses Festival Ende Oktober soll und kann die Magdeburger Telemann-Festtage nicht ersetzen“, betont der Leiter des Magdeburger Zentrums für Telemannpflege und –forschung Carsten Lange. „Es stehen daher auch coronataugliche Werke im Mittelpunkt, die Telemanns Schaffen doch reichhaltig bereithält. Es ist eine Freude, dass großartige Interpreten dabei sein können, unter anderem solche, denen wir im März absagen mussten.“

Führend bei Kammermusik

Die kleine Form, sprich Kammermusik, wird also die Telemann-Nachspielzeit prägen. Auf diesem Gebiet, betont die renommierte Blockflötistin Dorothee Oberlinger, war der Komponist in seiner Zeit führend: „Telemann war fähig dazu, Musik den verschiedenen Moden anzupassen. Er liebte die Nationalstile, hat ja auch sehr viele Sprachen gesprochen, war fasziniert von Sprache überhaupt, hat ja auch gedichtet und war eben fähig, diese Nationalstile, die er ja auch gut kannte, den französischen Stil, den italienischen Stil, den polnischen Stil in seine Werke einfließen zu lassen.“

Junge Frau mit dunklen, schulterlangen Haaren blickt eine Blockflöte an, die sie mit beiden Händen auf sich ziehlend festhält
Blockflötistin Dorothee Oberlinger wird bei der Telemann-Nachspielzeit ausgezeichnet Bildrechte: Dorothee Oblinger

Dorothee Oberlinger wird im Rahmen des Festivals mit dem renommierten Telemannpreis der Landeshauptstadt Magdeburg ausgezeichnet. Das freut sie besonders, denn auch Telemann war ein begeisterter Blockflötenspieler:

„Das merkt man eben, dass er das Instrument selber beherrscht hat und genau wusste: Was funktioniert? Was funktioniert nicht? Er hat sehr sängerische Passagen, – was sowieso typisch ist für Telemann, dass er eine sehr sangbare Melodik schreibt, auch wenn kein Sänger im Spiel ist, sondern Instrumente. Also die Blockflöte als Sängerin, aber auf der anderen Seite auch sehr virtuose Passagen, wie wir sie auch in italienischen Solokonzerten finden, wo die Blockflöte fast eher geigerisch eingesetzt wird.“

Telemann-Werke sind jetzt wieder ein Erlebnis

Musikerinnen und Musiker der Originalklangszene wie Dorothee Oberlinger haben es in den letzten Jahrzehnten geschafft, die Werke Georg Philipp Telemanns in den Konzertsälen und Kirchen wieder zum Erlebnis werden zu lassen, indem sie die Musik so vital und elektrisierend aufführen, wie zu Lebzeiten des Komponisten.

Wenn man Telemann und Bach eine Nuss in die Hand gibt, was machen die beiden mit der Nuss? Bach bearbeitet die Nuss, versucht sozusagen, den Kern der Musik zu finden. Und Telemann nimmt die Nuss in die Hand und reibt solange daran, bis sie golden glänzt.

Dorothee Oblinger Blockflöstistin

Neben Dorothee Oberlinger werden Musikerinnen und Musiker um den Dirigenten und Telemann-Experten Michael Schneider aus Frankfurt am Main und der Countertenor Andreas Scholl nach Magdeburg kommen. Bewusst, so Leiter Carsten Lange, habe man die Nachspielzeit nicht international ausgerichtet. „Damit wir nicht so viele Künstler auf die Reise bringen und auch gar nicht mit dem Flugzeug ankommen lassen müssen. Stattdessen lassen wir die Künstler, die von auswärts kommen, auch in Kombination mit Musikern aus der Region oder aus der Stadt Magdeburg in Verbindung bringen.“

Musikwissenschaftliche Konferenz abgesagt

Leider musste man kurzfristig die wissenschaftliche Konferenz, die im Rahmen der Nachspielzeit stattfinden sollte, absagen, da einige Referenten coronabedingt nicht nach Magdeburg kommen können. Die Konzerte im Gesellschaftshaus werden aber stattfinden. So kann Blockflötistin und Telemann-Preisträgerin Dorothee Oberlinger ihr Herzensanliegen weiterverfolgen. Das ist: „… immer wieder die Trommel zu rühren für Telemann, auch im Ausland, wo er nicht so gerne auf die Spielpläne gesetzt wird und zu sagen: Es ist ein fantastischer Komponist.“

Die Telemann-Nachspielzeit beginnt am 29. Oktober im im Gesellschaftshaus Magdeburg. Um 17:30 Uhr gibt es einen Kultur-Talk mit Carsten Lange und Dorothee Oberlinger, 19:30 Uhr startet das Eröffnungskonzert mit dem Ensemble Camerata Bachiensis.

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 29. Oktober 2020 | 09:10 Uhr

Logo MDR 32 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Dorothee Oberlinger 12 min
Bildrechte: Henning Ross