Ruhestand für Thomaskantor Gotthold Schwarz „Durch Musik Herzen und Ohren öffnen“

Er war selbst kurzzeitig Thomaner, später aber vor allem Stimmbildner, Stellvertreter und insbesondere Leiter des Thomanerchores. Nach fünf Jahren im Amt begeht der 17. Thomaskantor nach Johann Sebastian Bach, Gotthold Schwarz, am 11. August seinen letzten Arbeitstag.

Thomaskantor Gotthold Schwarz bei der Probenarbeit
Thomaskantor Gotthold Schwarz Bildrechte: MDR/ Matthias Knoch

Mit dem Thomanerchor verbindet Gotthold Schwarz eine lange Vergangenheit. Als Kind war er selbst Sänger im Chor – allerdings nur ein Dreivierteljahr lang, bis er den Chor wegen Heimweh wieder verließ. Nach einer Ausbildung zum Buchhändler, wandte er sich wieder der Musik zu – begann eine kirchenmusikalische Ausbildung und studierte Gesang, Orgel und Dirigieren.

Mehr als 40 Jahre Arbeit mit den Thomanern

1979 kehrte er zum Thomanerchor zurück – als Stimmbildner. Wichtig für ihn: Den spezifischen Klang der Thomaner als Stimmbildner auszubauen. Im Interview mit dem Gewandhaus Leipzig meinte er:

Dirigent und Bass Gotthold Schwarz beim Singen auf Schloss Weesenstein beim MDR MUSIKSOMMER-Konzert im August 2015
Bildrechte: MDR/Christiane Fritsch

Ein Stimmbildner kann Hilfestellungen für die einzelnen Sänger geben. Jeder Knabe hat in seiner Stimme eine eigene Charakteristik. Diese gilt es zu fördern.

Seit den 90 er Jahren war Schwarz stellvertretender Thomaskantor von Georg Christoph Biller – 2015 übernahm er nach dessen Niederlegung das Amt im Interim. 2016 wurde er offiziell zum Thomaskantor berufen. Engagiert war er in dieser Zeit immer, meint der Intendant des Leipziger Bachfests, Michael Maul, im Gespräch mit MDR KULTUR. Stets bemüht, seine Thomaner zu erreichen – ob in jüngster Zeit durch digitale Proben oder auf Konzertfahrten, wie 2020 nach Schweden.

Gotthold Schwarz: „Ich werde nicht aufhören, tätig zu sein!“

Für Michael Maul ist klar: Das Leipziger Musikleben wird Gotthold Schwarz auch nach seinem Ruhestand weiterhin mit begleiten. Und auch Gotthold Schwarz selbst sagt: Ein Ruhestand ohne Musik ist für ihn undenkbar - wenn auch ohne Thomanerchor. Der Neuen Musikzeitung sagte er:

Es geht nach meinem Verständnis auch darum, dass der Chor, so wie das auch immer von meinen Vorgängern betrieben worden ist, als ganz wichtige Instanz von Kirchenmusik in Deutschland bestehen bleibt. Das ist aktuelle Kirchenmusik im besten Sinne des Wortes. Das ist gerade in der Zeit, in der wir leben, ganz wichtig.

Der Thomanerchor, einer der berühmtesten Knabenchöre der Welt, hat Ende Juli zum letzten Mal unter dem Dirigat seines Leiters Gotthold Schwarz eine Motette gesungen. Auf Gotthold Schwarz folgt ab September der Schweizer Kirchenmusiker und Dirigent Andreas Reize als neuer Thomaskantor. Der Leipziger Stadtrat hatte im vergangenen Dezember angekündigt, die Stelle neu zu besetzen.

Begleitet vom Gewandhausorchester und unter der Leitung von Gotthold Schwarz singt der Thomanerchor das Weihnachtsoratorium von Bach am 10.12.2016 in der Thomaskirche in Leipzig 5 min
Bildrechte: dpa

Seit 20.08.2016 war Gotthold Schwarz Thomaskantor in Leipzig. Ein Rückblick auf seine 5 Jahre mit den Thomanern von Claus Fischer.

MDR KLASSIK Mi 11.08.2021 07:13Uhr 04:37 min

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Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 11. August 2021 | 09:10 Uhr