Jubiläum 2022 30 Jahre Thüringer Bachwochen

Bald ist es endlich soweit: Nach zwei Jahren Corona-Einschränkungen planen die Thüringer Bachwochen 2022 eine Rückkehr zur Normalität. Die nächste Ausgabe des Festivals soll am 21. März, dem 337. Geburtstag von Johann Sebastian Bach in der Erfurter Kaufmannskirche beginnen. Das Festival steht demnach in besonderem Bezug zum Thüringer Themenjahr «Die Welt übersetzen» und erinnert an die Übertragung der Bibel durch Martin Luther vor 500 Jahren auf der Wartburg.

Bach-Denkmal
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Im Zentrum des Festivals stünden weiterhin das Leben und vor allem die moderne Rezeption von Bachs Werken, sagt der Festivalleiter Christoph Drescher. Der Tradition folgend rückten auch wieder historische Bach-Orte in einen besonderen Fokus. Insgesamt werde in zwölf Thüringer Städte und Dörfer eingeladen, die mit dem Leben des Komponisten eng verbunden sind.

Christoph Drescher
Bildrechte: Marco Borggreve

Letztendlich ist es so, dass man bei Bach das Gefühl hat, das Thema ist nie auserzählt und es gibt immer wieder die Chance, diese unglaubliche Musik, diese bewegende Musik neu zu entdecken. Wir haben klein begonnen, inzwischen gibt es Kooperationen mit Hongkong und mit Israel.

Christoph Drescher zieht Bilanz, vor allem aber gibt er den Ausblick auf das kommende Festivaljahr. Der Vorverkauf der Thüringer Bachwochen hat gerade begonnen. Mit 20.000 Besucher rechnen die Veranstalter bei einem Budget von 825.000 Euro. Der Freistaat Thüringen beteiligt sich mit knapp 300.000 Euro. Aktuell ist das Festival mit 2G-Regeln geplant.

Bach getanzt, gesungen, gespielt

Denkmal von Johann Sebastian Bach
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Wenn alles stattfinden kann, so wird es mehr als 50 Veranstaltungen geben - Konzerte in großen Häusern und kleinen Kirchen, in Erfurt und im Umland, in Theatern und Konzertsälen: Bach fulminant, aber auch minimalistisch. Bach getanzt, an historischen Instrumenten gespielt und als seine großen Passionen kraftvoll gesungen. Christoph Drescher, der Leiter des Festivals sagt:

Es ist so, dass diese authentischen Orte, die wir hier haben, eine unglaubliche Zugkraft besitzen für das Publikum, aber genauso für die Interpreten. Das ist immer wieder ein schöner Ansatz, um tolle Leute hierher zu bringen, die Lust haben, sich mit Bach auseinander zu setzen und hier viel mehr machen als irgendeine Form von Routineprogramm.

Alles andere als Routine 

Beleuchtete Büste von Johann Sebastian Bach
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Christoph Drescher sei es wichtig, Bach nicht nur von „innen“ zu denken, sondern andere, internationale Künstler einzuladen, um von außen neue Inspiration, neue Impulse wirken zu lassen. Unter „Bach’schen Bedingungen“, so Christoph Drescher, wird der Composer in residence, Uri Caine, binnen einer Woche ein neues Werk schreiben. Eine Kantate, so wie es Bach 1723 allwöchentlich auch in seinem Arbeitspensum zu bewältigen hatte. Uraufführung dieser Komposition ist am 22. April 2022 auf der Wartburg. Der Pianist Pierre-Laurent Aimard gastiert mit dem „Wohltemperierten Clavier“ in Weimar, Dorothee Mields in Mühlhausen.

Die Sopranistin Julia Sophia Wagner reflektiert gemeinsam mit Jakob Lehmann über das Leben und den Tod „ET LUX“- ein Pasticcio-Requiem, basierend auf Kantaten von Johann Sebastian Bach. Und so gibt es viele Facetten zu entdecken, zu genießen, zu erfahren. Denn, so Christoph Drescher, es geht darum, authentisch zu bleiben und doch vielleicht auch neue Akzente zu setzen:

Das ist etwas, was ich sehr tief empfinde und was auch die Künstlerinnen und Künstler empfinden, was sich auch dem Publikum so transportiert. Und ein Anspruch unseres Festivals ist, dass wir nicht nur Denkmalpflege betreiben wollen, sondern dass wir mit Bach diesen besonderen Komponisten haben, der bist heute inspiriert, auch Antworten gibt auf spirituelle Fragen.

Viele verschiedene Gäste

Die SingFest Choral Academy Hong Kong wird das Festival am 9. April 2022 eröffnen. Der Tölzer Knabenchor wird gastieren, so wie der bekannte Organist der Kathedrale Notre-Dame in Paris: Olivier Latry. Das Armida Quartett spielt die „Kunst der Fuge“. "Es gibt viele Menschen, die sich mit Bachs Musik verbunden fühlen“, so Christoph Drescher:

Ich glaube schon, dass Thüringen, wir nennen es immer das Bachland, aus der Geschichte heraus bis in die Gegenwart eine besondere Rolle, besondere Verbindung mit Bach hat. Das merken wir an der Vielzahl der Bachchöre, die es in allen kleinen Orten gibt.

Jubiläum: 30 Festivaljahre

Und mit Blick auf das 30 Festivaljahre fügt er an: „Ich finde ganz wichtig, dass wir auch in Zukunft nicht als „Ufo“ landen, etwas tun und dann wieder weg sind, sondern dass wir versuchen, diese Bach-Akzente zusammen zu fassen, indem wir die regionale Bachpflege haben, aber auch internationale Künstlerinnen und Künstler!“

Das überregional bekannte Festival verknüpft Barockmusik und Bach-Kompositionen mit zeitgenössischen Werken, die an authentischen Bach-Orten in Thüringen aufgeführt werden. Getreu dem Motto «Die Welt übersetzen» für das Bibeljubiläum solle Bachsche Musik unter anderem in Tanz und in Gebärdensprache übersetzt und im kommenden Jahr Musik und Sprache etwas näher gerückt werden.

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