Thüringer Bachwochen Abschied mit Premiere: Bach-Requiem "Et Lux" in Weimar

Am 1. Mai feiern die Thüringer Bachwochen ihren krönenden Abschluss in der Stadtkirche St. Peter und Paul in Weimar. Und das mit einer Premiere: "Et Lux", ein Requiem von Johann Sebastian Bach, mit Gesangssolistinnen und Solisten und dem "Eroica Ensemble Berlin".

Bach-Denkmal
Die Thüringer Bachwochen feiern in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen mit insgesamt 40 Konzerten im Programm. Bildrechte: dpa
Christoph Drescher; Intendant der Thüringer Bachwochen
Der Intendant Christoph Drescher hat sich für die diesjährige Festivalausgabe dem Themenjahr "Welt übersetzen" angeschlossen. Bildrechte: Marco Borggreve

Die Thüringer Bachwochen, sie sind eine feste Instanz im Festivaljahr – und dazu noch das größte Klassikfestival im Land. Nachdem sie zwei Jahre lang coronabedingt auf Sparflamme liefen, konnte sich die diesjährige Ausgabe wieder in voller Blüte präsentieren – 2022 in Gedenken an Luther. Intendant Christoph Drescher erzählt, dass die Bachwochen sich dem in Thüringen präsenten Themenjahr "Welt übersetzen" angeschlossen hätten, dass das 500-jährige Jubiläum von Luthers Bibelübersetzung thematisiert, weil es bei Bach ein ganz wesentliches Thema sei.

Das Abschlusskonzert in diesem Jahr: Das Bach-Requiem "Et Lux"

So überrascht es nicht, dass sich der Intendant ein besonderes Highlight als Abschlusskonzert aufgespart hat: "Et Lux" heißt es und lässt sich am besten als Bach-Requiem übersetzen. Ein spannendes Vorhaben, wenn man bedenkt, dass von Bach selbst kein Requiem überliefert ist, wenngleich Leiden und Tod in seinem Leben häufig eine Rolle spielten. Es entstand so die Idee, Arien Bachs mit neuen Texten zu versehen und zu einer Totenmesse – einem Requiem – zusammenzufügen. Und sie kam vom Dirigenten des "Eroica Ensembles Berlin", Jakob Lehmann und der Leipziger Sopranistin Julia Sophie Wagner.

Wir haben alle Kirchenkantaten mehrfach durchgehört. Es gibt es immerhin fast 200 Stück. Wir haben die einzelnen Nummern nach dramaturgischen, musikalischen und besetzungstechnischen Gesichtspunkten zusammengesetzt und daraus ein neues, sehr rundes, harmonisches Ganzes gefügt.

Sopranistin Julia Sophie Wagner

Technisch gesehen sei das Requiem ein Pasticcio geworden, meint Julia Sophie Wagner. Jede Note von Bach ist so in einem neuen Kontext erschienen. Die Konzeption des Bach-Requiems dauerte insgesamt anderthalb Jahre. Dabei kamen Lehmann und Wagner zeitmäßig die Corona-Lockdowns zugute.

Neue Texte des Requiems stammen von Thomas Kunst

Das undatierte Archivbild zeigt das Gemälde eines unbekannten Meisters: Porträt des deutschen Komponisten, Organisten und Hofkapellmeisters Johann Sebastian Bach.
Für Johann Sebastian Bach stand der christliche Glaube im Zentrum seiner Texte. Heute sind sie allerdings teils umstritten. Bildrechte: dpa

Für das Libretto von "Et lux", dem Bach-Requiem konnten die Thüringer Bachwochen mit Thomas Kunst einen renommierten Lyriker der Gegenwart gewinnen. Sein Auftrag: Ganz neue und moderne Texte schreiben. Denn das Requiem soll nicht nur musikalisch berühren, sondern vor allem textlich unsere Zeit widerspiegeln. Und damit eine Zeit, in der die christliche Religion beim Weitem nicht mehr so den Alltag bestimmt, wie in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts als Bach in Leipzig lebte. Denn: Bachs Texte sind heute zum Teil umstritten, meint auch Sopranistin Wagner: "Wir müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen. Das ist ja nicht mehr der Ansatz, den wir haben."

Requiem gedenkt Ukrainerinnen und Ukrainern

Wie es sich für ein Requiem gehört, geht es in "Et lux" um die Fragen des Sterbens und des Todes. Und um Fragen, die heutzutage gerne aus dem Alltag ausgeklammert werden, wie beispielsweise die danach, wie es nach dem Tod weitergeht. Traurigerweise aktueller denn je in einer Zeit, in der in Europa Krieg herrscht. Für den Intendanten der Thüringer Bachwochen Christoph Drescher ist es erschreckend, in Kriegszeiten wieder ein Requiem aufzuführen: "Deswegen werden wir dieses Konzert explizit der Ukraine widmen und der Geschehnisse dort gedenken."

Zu erleben ist das Bach-Requiem "Et Lux" am Sonntag, den 1. Mai um 19:30 Uhr in der Stadtkirche St. Peter und Paul in Weimar (Herderkirche). MDR KLASSIK und MDR KULTUR übertragen das Konzert außerdem live im Radio und Livestream.

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | MDR KLASSIK am Morgen | 29. April 2022 | 07:13 Uhr

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