Studenten aus Weimar und Dresden Dirigierwettbewerb des MDR-Sinfonieorchesters: "Jedes Mal eine Entdeckung"

Die Arbeit als Dirigentin oder Dirigent mit einem Orchester ist jedes Mal eine Herausforderung. Das kann man auch nicht im Studienzimmer der Hochschulen in Dresden oder Weimar lernen. Der elfte Dirigierwettbewerb des MDR-Sinfonieorchesters ist da eine willkommene Bereicherung. MDR KLASSIK hat die Proben vor dem Preisträger-Konzert in der Weimarhalle begleitet.

Friedrich Praetorius dirigiert beim Weimarer Meisterkurs das MDR-Sinfonieorchester.
Der junge Dirigent Friedrich Praetorius ist Gewinner des Mitteldeutschen Dirigierwettbewerbs. Bildrechte: Adam Markowski

Maximilian Otto ist 23 Jahre alt und gerade mitten in der Prüfungsphase für sein Bachelor-Studium – an der Hochschule für Musik in Weimar lernt er das Dirigieren. Doch auf dem Programmzettel des Preisträgerkonzerts in der Weimarhalle steht sein Name direkt neben jenen von Prokofjew und Tschaikowsky. Denn Maximilian Otto dirigiert nicht nur – von ihm ist auch die Komposition mit dem Titel "Voran". 

Es beginne mit einer Art Rondo, erzählt der junge Komponist, "ein kreisender Teil, ein verspielter Teil, naiver Teil, ein bisschen ziellos. Man hat das Gefühl, dass man etwas vor sich herschiebt. Es hat nicht eine klare Richtung." Und es ist durchaus nicht so leicht, alle Feinheiten mit dem Orchester umzusetzen. 

Das vermeintlich Ziellose verwandelt Otto in eine Passacaglia: "Auf einmal kriegt dieses Stück eine Vision, einen Zug. Man wird gezogen, irgendwohin. Man fragt sich, wohin soll das Ganze gehen. Dann reißt das ab und man fällt quasi hinunter." Nun gilt es für den 23-Jährigen dieses Gefühle, die Nuancen der Töne und seine Klangwelten aus dem Kopf in Raumklang zu verwandeln. 

 Ein junger Mann mit kurzen Haaren und rotem Rollkragenpullover steht mit erhobenem Taktstock vor einem dunklen Hintergrund.
Der junge Dirigent Maximilian Otto studiert mit dem Orchester in Weimar eine eigene Komposition ein. Bildrechte: Holger Schneider

Balanceakt beim Dirigieren

Eines lernt man als Gast sehr schnell in den Proben: Es ist ein Balanceakt, wenn junge Dirigenten sehr vorsichtig kommunizieren müssen, was ihnen missfällt, was sie verbessern wollen und wie sie sich den Klang eben perfekt vorstellen.

Auch Friedrich Praetorius macht das auf galante, vorsichtige Art und weiß, dass es bei der Kommunikation mit einem Orchester auf den Ton ankommt: "Das ist jedes Mal ein Entdecken und ein Suchen, wie man mit einem Orchester umgeht, weil natürlich jedes Orchester anders ist", meint der junge Dirigent. "Aber grundsätzlich habe ich meine Vorstellung mit Geduld, Liebe und Freundlichkeit erreicht. Und mit diesem Credo versuche ich heranzugehen. Das gelingt mal besser und mal schlechter."

Von der Seite ist ein Mann vor einem Orchester zu sehen, der den Musizierenden etwas erklärt.
Der Weimarer Student Friedrich Praetorius konnte schon bei unsterschiedlichsten Orchestern Erfahrungen sammeln. Bildrechte: MDR/Thilo Sauer

Der 25-Jährige studiert derzeit in Weimar. Dort hat er gelernt, wie man souverän bleiben kann – als Youngster vor einem großen Orchester mit Personen, die allesamt zwischen zehn bis 40 Berufsjahre mehr Erfahrung haben. "Diesem Phänomen – gerade als junger Dirigent – ist man ständig ausgeliefert." Er dirigiert beim Preisträgerkonzert Tschaikowskys dramatische Sinfonie Nr. 6, die berühmte "Pathétique". Und so steht er konzentriert, dynamisch und doch auch in einer verbindlichen Art vor dem Orchester und wirbt um Nuancen, die es zu verfeinern gilt. 

Gelassenheit vor dem Orchester

Friedrich Praetorius gewann den 1. Preis  des Dirigierwettbewerbes der mitteldeutschen Musikhochschulen mit dem MDR-Sinfonieorchester. Der 2. Preis ging an seinen Kommilitonen Tobias Meichsner, der Sergej Prokofjews Konzert für Klavier und Orchester dirigiert. 

Der 27-Jährige Berliner studiert seit dem Wintersemester 2019 in Weimar den Master für Dirigieren. Auch er feilt mit einer Technik an den kleinen Übergängen, dem Mehr oder Weniger von Instrumentengruppen – für einen perfekten Klang. Dabei arbeitet er gemeinsam mit einer Pianistin, die ihn in seiner Arbeit auch unterstützt. 

"Man muss ruhig bleiben, bei dem was man macht. Aber wie geht das?", fragt sich der Student. Eine aktive Technik habe er nicht dafür, "sondern es ist ein bisschen eine Grundeinstellung", überlegt er. "Ich kann nichts daran ändern. Es ist ein Annehmen der Situation, wie sie ist; damit umzugehen und darauf zu reagieren. Ich finde, das ist eine der wichtigsten Herausforderungen."

Blick in ein Orchester während der Probenarbeit. Im Vordergund spielt ein Mann auf dem Cello.
Beim Wettbewerb konnten die Studierenden mit dem MDR-Sinfonieorchester arbeiten. Bildrechte: MDR JUMP / Hagen Wolf

Erweckungserlebnis in Dresden

Während Tobias Meichsner am Pult steht und sich auf die Proben konzentriert, sitzt Maximilian Otto am Rand und lernt von den Kollegen. Musik begleite ihn seitdem er Kind ist, erzählt er. Schon früh habe er Klavier gelernt und auch Kompositionsunterricht erhalten: "Erst durch Zwang", lacht er. "Dann habe ich später durch eine Aufführung von Schostakowitschs 10. Sinfonie im Kulturpalast mit der Dresdner Philharmonie erlebt. Das hat mich fasziniert. Daraufhin habe ich mir ganz viele Partituren gekauft und sie studiert." Nun, mehr als zehn Jahre später, erklingt seine Komposition – gemeinsam mit dem MDR-Sinfonieorchester. 

Blick auf die nächste Klassik-Generation

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | MDR KLASSIK am Morgen | 02. Juni 2022 | 07:40 Uhr

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