Forschungsprojekt Die Wunderharfe – Vom Klang der Staatskapelle Dresden

Die Sächsische Staatskapelle Dresden ist für ihren Klang berühmt. Richard Wagner bezeichnete das Orchester einst als seine „Wunderharfe“ – ein Adelstitel, mit dem es sich bis heute schmückt. Was aber macht diesen Klang aus? Ist er tatsächlich so einzigartig? Wie entsteht er, und wie wird er bewahrt? All das sind Fragen, mit denen sich ein umfangreiches Forschungsprojekt unter dem Namen „Der Klang der Staatskapelle Dresden“ beschäftigt.

Orchestermusiker der Staatskapelle Dresden während eines Konzerts
Orchestermusiker der Staatskapelle Dresden während eines Konzerts Bildrechte: imago/Max Stein

Elke Kottmair arbeitet seit 2020 an dem Projekt. Die größten Unterschiede, sagte sie, ergäben sich zwischen alten und neuen Aufnahmen zunächst aus der modernen Aufnahmetechnik. Aber auch im Vergleich mit anderen Orchestern seien Differenzen zu hören. Etwa zu den Wiener Philharmonikern unter Georg Solti.

Glanz von altem Gold

Herbert von Karajan beschrieb den Klang der Staatskapelle als „Glanz von altem Gold“. Aber was heißt das? Das mit einer Million Euro geförderte und auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt der Dresdner Musikhochschule soll – so Elke Kottmair – die Frage auf der Grundlage wissenschaftlicher Kriterien beantworten.

Denn das ist ja nicht so einfach. Schließlich setzt sich der Klang aus verschiedenen Aspekten zusammen.

Elke Kottmair hat Gesang und Musik- und Theaterwissenschaften studiert und ist viele Jahre als Sopranistin aufgetreten. Auch auf der Bühne der Semperoper hat sie gastiert. Den Klang der Staatskapelle beschreibt sie selbst als warm und durchsichtig.

Aber das ist zu vage. In Interviews hören wir immer wieder, dass man ja einen warmen Klang schließlich mit jedem Orchester erzeugen könne.

Also doch ein Mythos? Spricht hier das Bauchgefühl gegen wissenschaftliche Analyse? Das teure Forschungsprojekt setzt dessen ungeachtet auf Seriosität.

Die Sängerin und Musikwissenschaftlerin Elke Kottmair
Die Sängerin und Musikwissenschaftlerin Elke Kottmair Bildrechte: Elke Kottmair

Das Herzstück der Forschung ist eine große Datenbank, in der wir alle Fakten sammeln. Das fängt bei Personen an und geht über Instrumente bis hin zum Repertoire, das gespielt wurde. All das hat die typische Klangkonstitution des Orchesters geprägt.

Dass in dieser kürzlich freigeschalteten Datenbank unter anderem eine Aufnahme mit Otmar Suitner aus dem Jahr 2015 gelistet ist, während der Dirigent bereits im Jahr 2010 verstarb, wirkt befremdlich. Ein virtuelles Orchesterarchiv sollte uneingeschränkt zuverlässig sein. Auch dem Thema Klang kommt es kaum näher.

Wie lässt sich ein Klang beschreiben?

Viele Leute fragen, wie man das fassen kann. Wie kann man ein Vokabular finden, das Klang beschreibt? Da gibt es semantische Analysen. Wie wurde der Klang im 19. Jahrhundert beschrieben? Das etwa kann ich abgleichen mit Rezensionen des 21. Jahrhunderts. Da gibt es Kontinuitäten.

Oder eben auch nicht. Dabei ist gerade Dresden für seine sprichwörtliche Traditionspflege bekannt.

Ich denke schon, dass man am Ende sieht: Ja, es gibt Traditionen, die weitergegeben werden, und es gibt bestimmte Hörgewohnheiten, die Orchestermusiker bedienen.

Vor allem dürfte es der Sächsischen Staatskapelle wohl um Fragen der musikalischen Qualität und der interpretatorischen Wahrhaftigkeit gehen. Klangliche Eindimensionalität ist dabei kein Ziel. Das weiß auch Elke Kottmair.

Natürlich ist die Kapelle ein Orchester mit unglaublich vielen Farben. Das ist für jeden Dirigenten ein Highlight. Gerade was die Sängerbegleitung anbelangt, ist das ein Ausnahmeorchester. Das machen sie einfach fantastisch.

Dieses Thema im Programm: MDR KLASSIK | 05. Januar 2022 | 07:13 Uhr

MDR KLASSIK auf Social Media