Podcast: Kluges Proberaum Eine Spritztour durch Magdeburg mit Christian Friedel

Tobias Kluge
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Musikredakteur Tobias Kluge stellt jeden Monat Talente aus Sachsen-Anhalt vor. Dieses Mal trifft er den Musiker, Schauspieler und Regisseur Christian Friedel. Mit 11 Jahren hat der schon Laientheater gespielt. Heute ist er ein berühmter Darsteller, der seinen Traum lebt. Der Künstler ist in Magdeburg geboren und hat die ersten 22 Lebensjahre hier verbracht, bevor es ihn zum Theaterspielen in andere Städte lockte. Bei seinem letzten Besuch in seiner Geburtsstadt traf er sich mit Tobias Kluge.

Christian Friedel, 42 Jahre alt, sitzt in seinem sportlichen Kombi und meint: "Ein Auto müsse vor allem eine gute Musikanlage haben". Klar, der Sänger der Dresdner Band Woods of Birnam liebt Musik, die er bereits im Schulalter selber komponierte. Auch das Keyboardspielen hat er sich im Kinderzimmer selber beigebracht und sich früh selbst mit eigenen Stücken produziert. Die Aufnahmen, die es von seinen Kinderwerken noch gibt, will er mir nicht vorspielen. Die seien im "Giftschrank".

Eine Fahrt der Erinnerungen

Wir starten unsere Spritztour am Hasselbachplatz, wo es – seiner Meinung nach – den "besten Döner der Stadt" gibt, fahren zügig am Schauspielhaus vorbei, wo Christian vor über 20 Jahren seine ersten größeren Rollen aufführte und düsen schließlich zur Albert-Vater-Straße, wo er zur Schule ging und auf dem Sportplatz kickte.

Fußballspielen ist wie Theater – man muss als Ensemble funktionieren, sich zurücknehmen können und kann auch mal nach vorne preschen.

Christian Friedel

Unser nächstes Ziel ist der Stadtteil Olvenstedt. Dort im Rennebogen, wo seine Familie kurz vor der Wende hingezogen ist, kommen viele Erinnerungen hoch. Wir fahren auch an der damaligen Schrebergartenanlage "Börde86" vorbei, wo sein Vater sich als Kleingärtner vom Berufsalltag ablenken konnte und seinen Ruhepol fand. Ganz früher wohnten sie in Stadtfeld. Beim Stopp vor dem damaligen Mehrfamilienhaus malt Christian Friedel mit Worten Bilder aus dieser Zeit. Er beschreibt die Gerüche, die Ängste, die er im Dunkeln dort hatte und sieht Kohlehaufen vor sich, die immer in den Keller hineingeschaufelt wurden.

Wir tauschen uns auch über die Landeshauptstadt aus und empfinden sie ähnlich. "Jeder, der erstmals in Magdeburg ist, finde die Stadt furchtbar, doch Magdeburg hat wirklich so tolle Ecken", schwärmt der Wahldresdner.

Magdeburg ist für mich die Stadt voller Emotionen. Eine schöne Kindheit, aber auch viel Abschied und Traurigkeit. Doch es ist immer gut zu wissen, wo man herkommt, nur ich versuche kein Mensch zu sein, der in der Vergangenheit lebt. Wir leben im Hier und Jetzt und natürlich ist das manchmal gefährlich.

Christian Friedel

Der Blick in die Zukunft

Seine Eltern hat Christian schon als junger Mensch verloren, deswegen gehört für ihn bei so einer Runde auch immer der Blick auf den Westfriedhof mit dazu.

Zurückziehen in seine Heimatstadt will Friedel definitiv nicht, auch wenn einer seiner besten Freunde Heiko Herfurth mir verrät, dass Christian Friedel lange den Traum hatte, in seiner Geburtsstadt ein eigenes Theater aufzumachen. Mit Heiko hat Christian schon als Kind zusammen Theater gespielt und die beiden sind seit 30 Jahren befreundet. "Wer weiß, was in 10 Jahren ist", ist das Credo.

Christian Friedel ist ein ganz herzlicher Mensch, der es schafft, alle zu begeistern. Wenn er mich anrufen würde, ob ich irgendwo ein Projekt mit ihm realisiere, ich würde mitmachen.

(Heiko Herfurth, Künstler und Schauspieler aus Magdeburg

Christian Friedel, der früher "absoluter Roxette Fan" war, taucht bei der Privattour durch seine Magdeburger Vergangenheit ein in alte Geschichten und erzählt manch illustre Anekdote. Auch über Bravo-Poster in Lebensgröße und die ein oder andere Jugendsünde tauschen wir uns aus. Die Musik ist dabei immer wieder ein zentrales Thema.

Mit Woods of Birnam hat Friedel die perfekten Bandmitglieder gefunden

Ein Mann mit Basecap spielt am Klavier (Christian Friedel).
Christian Friedel am Flügel im Schinkelsaal des Gesellschaftshauses in Magdeburg Bildrechte: MDR/Tobias Kluge

Unsere Fahrt endet passenderweise im Gesellschaftshaus. Früher war es das Pionierhaus, wo er seine ersten Rollen als Laiendarsteller aufführte. Heute dürfen wir dort im Schinkesaal Musik aufnehmen. Christian Friedel sitzt an einem traumhaften Förster Flügel und singt einige Songs, die er geschrieben hat, zum Teil mit seiner Band Woods of Birnam zusammen.

Einer davon ist der Hit "I‘ll call thee Hamlet", den auch Till Schweiger für den Soundtrack seines Films "Honig im Kopf" nutzte. Auf den Song und die Band aufmerksam geworden sei er, weil Schweigers Fahrer von der Großartigkeit dieser Band überzeugt war und sie ihm vorspielte. All diese Geschichten erzählt mir Christian Friedel und begeistert mich schlussendlich aber am meisten mit seiner gefühlvollen Art zu singen.

Kluges Proberaum – der MDR SACHSEN-ANHALT Musikpodcast

Ein Mann und eine Frau sitzen mit Mikro und Gitarre in einer Umkleidekabine.
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MDR SACHSEN-ANHALT/Olga Patlan

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 21. Oktober 2021 | 15:10 Uhr