Musikpodcast Kluges Proberaum mit dem Liedermacher Paul Bartsch aus Halle

Musikredakteur Tobias Kluge
Bildrechte: MDR/Gaby Conrad

Eigentlich wollte er im Januar in Halle sein 40. Bühnenjubiläum mit einem Konzert feiern. Das muss leider verschoben werden. Grund zum Feiern hat der Liedermacher Paul D. Bartsch aus Halle trotzdem. Gerade ist er mit dem Deutschen Rock & Pop Preis 2020 ausgezeichnet worden. Zu Recht, findet unser Musikauskenner Tobias Kluge, der ihn in Halle in seinem Heimstudio besucht hat.

Tobias Kluge und Liedermacher Paul Bartsch sitzen in seinem Arbeitszimmer 56 min
Bildrechte: MDR/Tobias Kluge

Prof. Dr Phil Paul D. Bartsch ist nicht nur Musiker, sondern Autor, Literaturwissenschaftler, Medienpädagoge und Journalist. Im Jugendclubhaus Philipp Müller in Halle an der Saale begann im Januar 1981 offiziell seine Karriere als Liedermacher.

Ich habe das aufgearbeitet, da in meiner Stasi-Akte stand, dass drei Leute auf das Konzert angesetzt wurden, die nichts voneinander wussten.

Paul Bartsch

Liedermacher und Kleinkünstler hatte das DDR Regime spätestens seit Wolf Biermann stärker im Focus. Nur, wie Paul mir bestätigte, hatten sich Texter zu Zonenzeiten die Gabe angeeignet, in Metaphern zu schreiben.

Liedermacher Paul Bartsch spielt Gitarre und Mundharmonika
Liedermacher Paul Bartsch ganz in seinem Element Bildrechte: MDR/Tobias Kluge

Mehr als 300 Lieder hat Paul Bartsch in all den Jahren geschrieben und nebenbei Radio gemacht, Vorlesungen an der Uni gehalten, Bücher veröffentlicht und lange Zeit auch als Dezernent am Landesinstitut gearbeitet. Dabei hatte er auch als Familienvater von zwei inzwischen erwachsenen Kindern, die ihn auch längst zum Großvater gemacht haben, mehr als genug zu tun. Mit seiner Frau ist Paul seit 1978 verheiratet. Sie sind zusammen durch Dick und Dünn gegangen und nicht selten weiß sie als gelernte Therapeutin auch die richtigen Knöpfe bei Paul zu drücken.

Mit einem Künstler zusammen zu leben, ist nicht leicht. Er war ja auch viel weg gewesen. Aber er ist bewundernswert, sehr fürsorglich, ehrgeizig und natürlich ein toller Musiker. Er ist ein sehr vielseitiger Künstler, reflektiert in seinen Liedern. Ein ruhiger Zeitgenosse, der auf der Bühne richtig aufblüht. Als Mitbewohner würde ich ihn trotzdem nicht empfehlen (schmunzelt).

Undine Bartsch

Das mag vielleicht daran liegen, dass sie es nicht so mag, wenn Paul Mundharmonika spielt. Er probt schließlich viel zu Hause in der gemeinsamen Wohnung.

Professor Bartsch – Literaturwissenschaftler und Pädagoge

Geschätzt wird Paul auch für sein umfangreiches Wissen. Das kommt nicht von ungefähr. In Wernigerode geboren, ist er als Kind von Lehrereltern früh strebsam und zielorientiert geprägt und gebildet aufgewachsen. 1972 hat Paul sein Abitur gemacht, hat anschließend Bauwesen studiert und dies wieder abgebrochen, weil es eben nicht sein Ding war, wie er schnell erkannte. Umso spannender war dann sein Pädagogikstudium von 1976 bis 1980 in Halle mit Schwerpunkt Musik. Seit vielen Jahren arbeitet Paul Bartsch als Dozent, zuletzt an der Fachhochschule in Merseburg. Noch immer hält er Vorlesungen, wenn auch in Corona-Zeiten nur online.

Kluges Proberaum Zu Besuch bei Liedermacher Paul Bartsch

Konzertposter an Tür
Das Abschlusskonzert des "Altmärkischen Musikfestes" war eines der letzten Konzerte von Paul Bartsch vor Corona. Bildrechte: MDR/Tobias Kluge
Konzertposter an Tür
Das Abschlusskonzert des "Altmärkischen Musikfestes" war eines der letzten Konzerte von Paul Bartsch vor Corona. Bildrechte: MDR/Tobias Kluge
Schwarz-weiß Künstlerposter an Tür
Das Trio "Fahnert, Bartsch & Hecht" auf einem Plakat aus dem Jahr 1994. Bildrechte: MDR/Tobias Kluge
Veranstaltungskalender Kugendklubhaus "Phillip Müller"
Das Veranstaltungsplakat des halleschen Jugendklubhauses "Philipp Müller" vom Januar 1981 – links unten wird Paul Bartsch mit seinem Liedprogramm "Dualismus" angekündigt. Das war sein Einstieg als Berufsmusiker. Bildrechte: MDR/Tobias Kluge
Plattencover-Vorderseite "Leben in der Stadt" mit Kindern
Das Frontcover der 1990 erschienenen LP "Leben in der Stadt" von Paul Bartsch & FAM. Auf dem im Frühjahr 1990 in der halleschen Zinksgartenstraße, wo Paul damals mit seiner Familie wohnte, entstandenen Schnappschuss sind auch Pauls Kinder Ulrike (1980 geboren) und Paul Christoph (1985) zu entdecken ... wo genau, wird nicht verraten. Bildrechte: MDR/Tobias Kluge
Plattencover-Rückseite "Leben in der Stadt" mit Band
Die Rückseite des Plattencovers "Leben in der Stadt", 1990 Bildrechte: MDR/Tobias Kluge
Hand hält schwarz-weiß Fotos
Die Wernigeröder Rockband "Bronco" im Jahr 1984. Hinter dem Mikrofon steht Paul, rechts neben ihm der Gitarrist Michael Lehrmann, der später bei Reform, Stern Meißen und in der Band von Veronika Fischer spielen wird und seit einigen Jahren auch wieder bei Pauls Studioproduktionen mitmischt.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16. Dezember 2020 | 10:45 Uhr

Quelle: MDR/agz
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Mehr als 6.500 Euro für eine neue, handgefertigte Gitarre

Als wir uns bei Paul mit dem nötigen Abstand zu Hause treffen können, schwärmt er mir von seiner zukünftigen Liebe vor: Bei einem Gitarrenworkshop in der Toskana hat er sich in diesem Sommer in die eine bestimmte Gitarre verliebt, die er sich nun von Gitarren-Koryphäe Peter Finger bauen lässt. Eine teure Angelegenheit, aber mutmaßlich die letzte Gitarre, die sich Paul anschafft. Das hat er natürlich schon öfter behauptet.

Als wir dann entspannt unsere Gitarren auf den Schoß packen, spricht Paul über sein vielseitiges Leben als Künstler, Familienvater, Uni-Dozent und Radiomacher. Wir reden auch über vieles, über das Paul sonst nicht so gerne spricht, sondern es lieber in seinen Liedern verarbeitet und versteckt.

Neues Album ist in Arbeit

Den neuen Song von Paul Bartsch haben wir bei der Gelegenheit auch zusammen gesungen. Das Lied "Ostalgieblues", das auch auf dem neuen Album "Lieder vom Kommen und Gehen" vertreten sein wird, wird bestimmt ein Hit, hofft Paul. Auf jeden Fall passt es gut zu 30 Jahre Einheit und vielleicht auch ein Stück weit zu 40 Jahre Paul Bartsch und Band.

Musikredakteur Tobias Kluge
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Tobias Kluge stellt sich vor Ich heiße Tobias Kluge, Jahrgang '78 und bin Musikredakteur und Musiker.

Großgeworden bin ich als gebürtiger Wittenberger in der Dübener Heide.

Vielleicht kennen Sie mich aus dem Radio als Musikexperten von MDR SACHSEN-ANHALT und von MDR KULTUR. Davor habe ich viele Jahre bei MDR SPUTNIK moderiert.

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16. Dezember 2020 | 10:45 Uhr