Chorraum der Wallfahrtskapelle Etzelsbach
Chorraum der Wallfahrtskapelle Etzelsbach Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Wort zum Tag Augenblick mal

Täglich um 6:20 und 9:20 Uhr hören Sie bei MDR THÜRINGEN - Das Radio das Wort zum Tag. In dieser Woche spricht es Andrea Wilke von der katholischen Kirche aus Arnstadt.

Chorraum der Wallfahrtskapelle Etzelsbach
Chorraum der Wallfahrtskapelle Etzelsbach Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Donnerstag, 19. Juli: Unnötiger Ballast

Ich bewundere Leute, die es schaffen, nur ganz wenig Reisegepäck mit in den Urlaub zu nehmen. Klar, wer mit einem Rucksack loszieht und jeden Tag von Ort zu Ort wandert, der überlegt es sich dreimal, was er alles mitnehmen kann. Schließlich muss er es tragen, und jedes Gramm zu viel kann bleischwer werden.

Ich überlege mir auch dreimal, was ich alles einpacke. Dabei gehe ich weder auf Wandertour noch muss ich mein Gepäck weit tragen. Aber ich will für alle Eventualitäten gerüstet sein. Bei Hitze brauche ich die luftigen Sachen; sollte es kühler werden, wäre es gut einen langärmeligen Pullover oder eine Strickjacke mit dabei zu haben. Aber die muss natürlich auch zu den Blusen und T-Shirts passen. Vielleicht wär' auch ein Kleid mal schön, und dazu natürlich  die passenden Schuhe. Ehe ich mich versehe, ist mein Koffer voll. Ganz zu schweigen von der Reisetasche. Und dann ist es wie jedes Jahr: am Ende des Urlaubs stelle ich fest: die Hälfte von allem hätte auch gereicht.

Eigentlich geht mir das nicht nur mit dem Urlaubsgepäck so. Viel zu wenig frage ich mich ernsthaft: Was brauche ich wirklich? Auf was kann ich gut verzichten? Auch im übertragenen Sinn schleppe ich manchen Ballast mit mir herum. Das muss ja nicht so bleiben, findet Andrea Wilke aus Arnstadt von der katholischen Kirche

Mittwoch, 18. Juli: Nelson Mandela

27 Jahre Gefängnis. Nicht etwa wegen Mord. Nein, er war ein politischer Gefangener: Nelson Mandela. Er engagierte sich gegen die menschenfeindliche Apartheidpolitik in Südafrika und kämpfte für Freiheit und gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit. 27 Jahre saß er dafür im Gefängnis.

27 Jahre - das sind in der Regel ein Drittel eines Menschenlebens. Hätte er den Mund gehalten und die Hände in den Schoß gelegt, wäre ihm das vielleicht erspart geblieben. Aber zu wichtig waren ihm die Menschen, die unter der Apartheidpolitik litten. Er wollte und konnte sich nicht mit den Verhältnissen abfinden. Vor 25 Jahren erhielt er den Friedensnobelpreis; und vor 19 Jahren wurde der 18. Juli weltweit als Nelson-Mandela-Tag deklariert. Dieser Tag ruft jeden dazu auf, Verantwortung für diese Welt zu übernehmen, sich dafür einzusetzen, dass sie besser wird. Ich bewundere Menschen wie Nelson Mandela, die ihr Leben nicht für zu kostbar erachten, um es für andere einzusetzen. Die einen hohen Preis für ihren Einsatz  bezahlen. Zu diesen Menschen zähle ich auch all jene, die ihre Lebenszeit herschenken, um für andere da zu sein, etwa für die kranken Eltern oder andere Hilfsbedürftige.  Diese Helden sind gar nicht so selten. Manchmal wohnen sie nebenan. Einen schönen Tag wünscht Ihnen Andrea Wilke aus Arnstadt von der katholischen Kirche.

Dienstag, 17. Juli: Inklusive

Am dritten Sonntag im September findet in Erfurt die traditionelle Bistumswallfahrt statt. In diesem Jahr gibt es dabei viele Besonderheiten. Ein davon ist: es wird ein Spendenlauf veranstaltet, rund um den Domberg. Der Erlös ist für einen guten Zweck. Spendenläufe gibt es inzwischen ziemlich oft und erfreulicherweise gibt es oft auch viele Teilnehmer. Sie tun sozusagen laufend Gutes. Für Andere.

Der Spendenlauf bei der Bistumswallfahrt hat noch eine Besonderheit: auch behinderte Menschen sind eingeladen, daran teilzunehmen. Egal ob geistig behindert, blind, taub oder als Rollstuhlfahrer - jeder kann mitmachen. In der ihm eigenen Geschwindigkeit. Das nenne ich Inklusion.

Ich finde diese Aktion total schön. Denn sie lässt auch behinderte Menschen erleben, dass sie genau wie nicht Behinderte der Gesellschaft einen unschätzbaren Dienst erweisen. Aber davon bin ich sowieso überzeugt. Denn das beste Beispiel dafür wohnt bei mir zu Hause: mein Sohn. Durch seine etwas ver-rückte Sicht auf die Dinge schärft er meinen Blick für das, was wirklich wichtig ist.

Einen schönen Tag wünscht Ihnen Andrea Wilke aus Arnstadt von der katholischen Kirche

Montag, 16. Juli: Scheitern ist nicht das Ende

Fußball. Weltmeisterschaft. Sieger. Verlierer. Freudentränen. Das dürften wohl die Worte sein, die heute in aller Munde sind. Mich haben viele Bilder aus den vergangenen Wochen begeistert. Etwa als Russland aus der WM raus war. Die Mannschaft hatte gekämpft und dann doch verloren. Als die Kamera Bilder aus dem Fanblock zeigte, waren Fans zu sehen, die sich nach der ersten Enttäuschung erhoben und ihren Jungs zujubelten. Was für ein Zeichen! Ihr seid nicht abgeschrieben, weil ihr verloren habt. Ihr habt toll gekämpft.

Es ist sicherlich eines der wichtigsten Dinge im Leben, zu erfahren, dass man auch dann noch geliebt wird, wenn man scheitert. Manchmal ist es einfach nur dumm gelaufen und man ist gescheitert. Aber es gibt auch die Situation, die man selbst schuldhaft herbeigeführt hat und dann jämmerlich gescheitert ist. Doch dann zu erfahren, dass dieses Scheitern zwar sehr schlimm, aber nicht das Ende ist, das ist unglaublich wohltuend und befreiend.

Ich finde, Scheitern ist kein Makel. Daraus nicht zu lernen - das wäre fatal.

Einen guten Tag wünscht Ihnen Andrea Wilke aus Arnstadt von der katholischen Kirche

Sonntag, 15. Juli: Die Macht der Worte

"England verpasst den Einzug ins Finale der Fußball-WM". So war es am Donnerstag auf der Titelseite meiner Tageszeitung zu lesen. Warum hat der Verfasser dieser Schlagzeile eigentlich die negative Variante gewählt? Er hätte doch auch positiv schreiben können, nämlich: "Kroatien hat den Einzug ins Finale  der Fußball-WM erreicht".

Positives Denken und Reden wird oft unterschätzt. Doch was es bewirken kann, habe ich selbst einmal vor vielen Jahren erlebt. Während einer Mutter-Kind-Kur forderte die Therapeutin jede Mutter einzeln auf, ihren rechten Arm zur Seite zu strecken. Danach sollte man laut "Nein!" sagen. Mühelos gelang es nun der Therapeutin mit einer Hand den ausgestreckten Arm nach unten zu drücken. Dann begann das Gleiche von vorn; nur jetzt sollte man laut "Ja!" sagen. Wieder versuchte die Therapeutin den ausgestreckten Arm hinunter zu drücken – es gelang ihr nicht.

Eine innere positive Grundhaltung macht stark. Oft merkt man es schon an der Wortwahl, ob man froh oder schlecht gestimmt ist. Ist wie bei einem Klavier - ist es schlecht gestimmt, bringt es nur Misstöne hervor. Positiv denken und reden heißt ja nicht, sich die Verhältnisse schön zu reden. Aber es macht den Blick frei für das Schöne und Gute – und davon gibt es wirklich reichlich.

In diesem Sinne einen schönen Sonntag! Ihre Andrea Wilke aus Arnstadt von der katholischen Kirche.

Kurzbiografie: Andrea Wilke * 1964 in Potsdam-Babelsberg geboren
* nach Ausbildung als Krippenerzieherin einige Jahre als solche tätig
* 1989-1995: Studium der kath. Theologie in Erfurt
* bis 2002 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Forschungsstelle für kirchliche Zeitgeschichte
* seitdem Referentin im Seelsorgeamt des Bistums Erfurt und Rundfunkbeauftragte
* Andrea Wilke lebt mit ihrem Sohn in Arnstadt

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Augenblick mal | 18. Juli 2018 | 06:20 Uhr