Harald Karpe bei einer Predigt
Bildrechte: Diana Steinbauer

Wort zum Tag Augenblick mal

Täglich um 6:20 und 9:20 Uhr hören Sie bei MDR THÜRINGEN - Das Radio das Wort zum Tag. In dieser Woche spricht es Harald Karpe, Pfarrer der Christusgemeinde Erfurt in der Selbständigen evangelisch-lutherischen Kirche.

Harald Karpe bei einer Predigt
Bildrechte: Diana Steinbauer

Samstag, 24.02.2018: Verloren gehen und gefunden werden

Ein Vater war mit seiner kleinen Tochter im Fußballstadion. Während des Spieles verlor er seine Tochter aus den Augen. Nachdem er eine Weile aufgeregt gesucht hatte, ließ er den Stadionsprecher ausrufen, die kleine Susi sei verloren gegangen und möchte sich an der Sprecherkabine einfinden. Doch das Kind kam nicht. Die Zeit bis zum Ende des Spieles war für den Vater schrecklich. Als sich danach das Stadion leerte, fand er seine Tochter quietschvergnügt auf einer Bank sitzen. Er drückte sie und fragte dann, ob sie denn nicht gehört hätte, was der Onkel ausgerufen hatte. "Doch", sagte sie, "das habe ich." "Ja", fragte der Vater, "warum bist du dann nicht gekommen?" "Wieso, ich war doch nicht gemeint, ich war doch nicht verloren. Ich war doch hier."

Jesus Christus ist in die Welt gekommen, um zu suchen, was verloren ist, um Sünder selig zu machen. Das ist die Kernbotschaft des Evangeliums. Aber bin ich denn verloren? So schlecht bin ich ja nun wirklich nicht. Der gute Wille und die gute Tat hin und wieder müssen doch auch etwas gelten.

Könnte es trotzdem sein, dass auch ich manchmal verloren bin? Und zwar nicht so kindlich-naiv verloren wie Susi im Fußballstadion, sondern wirklich verloren in der Welt, die mich verwirrt und überfordert, in der ich mit den Folgen meiner Fehler nicht mehr zurecht komme? Wenn es mir so geht, dann ist es gut, auf die Durchsagen Gottes zu achten und sich vom himmlischen Vater gesucht zu wissen. Aber noch besser ist es, sich finden zu lassen, denn dann kommt Freude in's Leben. Es ist nicht zu spät, sich finden zu lassen, solange Jesus noch sucht. Jeder Tag kann ein Anlass sein, wieder neu auf Gottes Ruf zu hören.

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Pfarrer Harald Karpe aus Erfurt.

Freitag, 23.02.2018: Freiheit

Wir Menschen wollen gerne frei und unabhängig sein. Wir kämpfen für unsere Freiheit. Freiheit ist ein hohes Gut. Doch was ist Freiheit eigentlich?

Im Freien sind wir oft nicht wirklich frei, sondern eher bedrückt und belästigt von der Sorge des Überlebens. Im begrenzten Raum sind wir meist geschützt und sicher, gut aufgehoben und geborgen. Eine Nacht im Freien, ein Leben ohne geschützten Raum, vielleicht allein in der Wüste; das mag romantisch sein, wenn man um ein sicheres Zuhause weiß. Ansonsten ist es nicht die Freiheit, sondern wir merken, dass unser Leben preisgegeben ist. Wirklich frei sind wir nur in festen Umrissen und Räumen. Der freie Fall ist nicht Freiheit, sondern besessen von der Angst, denn der Aufprall kommt todsicher. Nur wenn uns etwas hält, zum Beispiel ein Fallschirm, können wir selbst im freien Fall frei sein. Nur in der Bindung der Liebe können wir uns frei entfalten, ohne abzustürzen und unterzugehen.

Darum ist die Freiheit des Glaubens eine enge Bindung an Jesus. Nur in der kindlichen Abhängigkeit von seiner Liebe werden wir königlich unabhängig von allen anderen Mächten: Diktaten, Zwängen und Meinungen. Jesus hält mich fest, darum bin ich frei. Ich halte mich an Jesus fest, darum bin ich geborgen. Frei von falschen Bindungen. Frei von Sünden, weil er sie mir vergibt. Frei zu einem Leben in der Nachfolge dessen, der mich so sehr geliebt hat, dass er sogar sein Leben für mich dahingegeben hat, damit ich leben kann, in Ewigkeit. Diese Freiheit wünscht Ihnen Pfarrer Harald Karpe aus Erfurt

Donnerstag, 22.02.2018: Zeit

Was ist Zeit? Das gleichmäßige Ticken der Uhr!? Die Basiseinheit der Zeit ist die Sekunde. Sie ist das Vielfache der Periode einer Mikrowelle, die mit einem ausgewählten Niveauübergang im Caesiumatom in Resonanz ist. Daher wird sie als Atomsekunde bezeichnet. Atomuhren basieren auf der Messung dieses Übergangs. Schwer verständlich...

Es will aber sagen, dass Zeit an Materie, an die Schöpfung gebunden ist. Dass sie für alle gleich ist. Aber ist sie das wirklich? Für Liebende verfliegt die Zeit im Nu. Für den Kranken, der auf den Morgen wartet, schleicht sie quälend langsam dahin. Zeit ist zielgerichtet nach vorne. Sie vergeht. Wohin eigentlich? Sie ist begrenzt, sie ist endlich. Was ist Zeit? Der Kirchenvater Augustin hat sich viel mit dieser Frage beschäftigt. Als er einmal gefragt wurde: "Was ist Zeit?", da hat er geantwortet: "Ich wusste es, bis du mich fragtest." Wir wissen es auch heute nicht besser. Wir wissen im Grunde nicht, was Zeit ist. Wir haben sie, wir können sie messen, aber ihr Wesen bleibt ein Geheimnis.

Wir haben unsere Zeit von Gott, dem Schöpfer und Erhalter der Welt. Wir verstehen sie nicht wirklich, aber wir bekommen sie geschenkt und dürfen sie nutzen. Zeit. Lebenszeit. Wie nutze ich meine Zeit? Wie nutze ich diesen Tag? Am besten, ich frage den, der mir das Leben gab und mir meine Lebenszeit schenkt: meinen Schöpfer. Carpe diem - nutze die Zeit. Nutze sie gut. Das heißt: Nutze sie im Angesicht Deines Schöpfers. Einen guten Tag wünscht Ihnen Pfarrer Harald Karpe aus Erfurt.

Mittwoch, 21.02.2018: Rumpelstilzchen

Sie kennen sicher das Märchen vom Rumpelstilzchen. Ein kleiner Mann tanzt nachts im Wald um ein Feuer herum. Er ist ganz allein und singt: "Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!"

Häufig genug bin ich wie Rumpelstilzchen. Wer ich wirklich bin, das behalte ich am liebsten für mich. Wer lässt sich schon gern in die Karten sehen? Und überhaupt, das geht ja niemanden etwas an. Meine geheimsten Träume und Sehnsüchte, meine Gedanken und Worte, meine Taten und Unterlassungen, alles das soll vor den anderen verborgen bleiben. Doch so ein Freudenfeuer "… ach wie gut, dass niemand weiß ..." - ist auch schnell heruntergebrannt. Kalte Asche und stinkender Rauch bleiben zurück. Höchstens ein Klagelied erhebt sich dann: "Ach wie schlimm, dass niemand weiß, wie ich wirklich heiß!"

Wenn ich etwas zu verbergen habe, wie das Rumpelstilzchen seine wahre Identität und seine Gier, dann muss ich ein Versteckspiel beginnen, und das macht einsam. Ich kann niemandem sagen, wer ich wirklich bin. Das bedrückt mich und macht mich krank. Ich habe niemanden, der mich wirklich kennt und mir zuhört, ich werde todeinsam und kreuzunglücklich. Darum will ich das Lied des Rumpelstilzchen von Anfang an umdichten: "Ach wie gut, dass einer weiß, wie ich wirklich heiß!" Da ist einer, der mich im tiefsten Inneren kennt. Da ist einer, dem bin ich nicht egal, sondern der liebt mich, auch und gerade weil er mich ganz genau kennt. Da ist einer, zu dem ich jederzeit kommen und dem ich mich anvertrauen kann. Ich habe ein Gegenüber, bei dem ich abladen kann, was mir zu schwer ist. Wie gut, dass ich so einen Gott habe. Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Pfarrer Harald Karpe aus Erfurt.

Dienstag, 20.02.2018: "Wo ist Gott?"

Ein Schriftsteller saß einmal mit jungen Menschen zusammen. Im Verlauf des Gespräches kam man auf Gott zu sprechen. Einige wollten die Existenz Gottes anerkennen, aber andere behaupteten, es gäbe gar keinen Gott. Schließlich wurde der Schriftsteller nach seiner Meinung gefragt.

"Es gibt drei Arten von Gottesleugnern. Da ist zuerst der tiefe, ehrliche Denker, der alle die alten und neuen philosophischen Systeme studiert hat und dadurch an seinem Glauben Schiffbruch erlitten hat. Ich weiß nicht, ob Sie zu dieser Art gehören? Dann gibt es noch eine zweite Art von Gottesleugnern", fuhr der Schriftsteller fort, "nämlich jene, die keine eigene Überzeugung haben, sondern einfach nachplappern, was andere sagen. Ich hoffe nicht, meine jungen Freunde, dass Sie zu dieser Art von Gottesleugnern gehören."

"Und dann kommt eine dritte Klasse", meinte der Schriftsteller. "Sie besteht aus Menschen, die kein gutes Gewissen haben. Sie wissen, dass sie nicht so leben, wie sie leben sollten. Sie wissen auch, dass es dem Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht. Da sie sich aber nicht ändern wollen, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die Existenz Gottes, des Weltenrichters, zu leugnen."   

Ich weiß nicht, wie Sie zu Gott stehen. Vielleicht haben Sie schon manchmal an ihm gezweifelt oder Sie konnten Ihn sich einfach nicht so recht vorstellen. Sie konnten Ihn einfach nicht fühlen. Was wir Menschen aber sehr wohl fühlen können, das ist die Angst vor unserem eigenen Ende, vor den Folgen unserer Fehler, ja manchmal die Angst vor uns selbst. Genau an dieser Stelle aber will Gott für uns erlebbar werden, denn er ließ seinen Sohn Mensch werden und gibt ihn an das Kreuz dahin. Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Pfarrer Harald Karpe aus Erfurt.

Montag, 19.02.2018: Gutes statt Bösem

Jesus sagt zu seinen Jüngern: Christen sollen auch ihre Feinde lieben. Doch ist der Anspruch Jesu für uns nicht viel zu hoch? Wer kann sich auf die Wange schlagen lassen und dann - ohne Hass - die andere auch noch hinhalten? Wer kann es sich leisten, sich immer wieder unterbuttern zu lassen?

Der Ehestreit eskaliert. Ein verletzendes Wort reiht sich an das andere. Da hat sie dieses Wort Jesu vor Augen und hört auf zu streiten. Später, wenn der Zorn verraucht ist, wird sie sich bei ihrem Mann entschuldigen für die Worte, mit denen sie ihn verletzt hat. Und sie weiß, dass ihr Mann sich für die Worte entschuldigen wird, womit er sie verletzt hat. Wenn ich mich an Jesu Stelle begebe, dann sehe ich, wie meine eigene Schuld ihm immer wieder auf die Wange schlägt. Doch er schlägt nicht zurück, wie ich es verdient hätte. Er trägt meine Schuld ans Kreuz und vergibt mir – weil er mich liebt. Er überwindet das Böse von mir mit Gutem.

Dann sehe ich, wie jemand an mir schuldig wird, mir auf "die Wange" schlägt. Was hätte Jesus nun an meiner Stelle getan? Dasselbe, was er für mich immer wieder tut: ER vergibt dem Schuldigen, weil er ihn liebt und weil er sieht, dass der sich mit seiner Schuld selbst am meisten schadet. So überwindet Jesus mit seinem Kreuz das Böse mit Gutem. Wenn ich es lerne, mich immer wieder auf den Standpunkt Jesu zu stellen und mit seinen Augen zu sehen, dann kann ich es auch lernen, das Böse, das mir geschieht, mit Gutem zu überwinden – mit Gottes Hilfe.

Sonntag, 18.02.2018: Jesus - Der beste Arzt

Die Angst kriecht ihr in die Glieder und scheint sie zu lähmen, als sie ihren Arzt reden hört. Es klingt wie ein Todesurteil. Sie will es nicht wahrhaben, was da in ihr tickt. Am liebsten würde sie wegrennen. Aber gebannt hört sie weiter zu. Jetzt redet der Arzt von den Heilungschancen, von der anstehenden Behandlung. Langsam keimt Hoffnung auf und sie schöpft wieder Mut. Diesem Arzt kann sie vertrauen, auch wenn die Wahrheit, die er sagt, hart ist.

Als Mose den Israeliten am Sinai die 10 Gebote Gottes verkündet, ist er selber darüber erschrocken und zittert. Wer kann sie halten? Wenn dies der Maßstab für die Seligkeit ist, dann sind die Gebote Gottes ein Todesurteil. Ja, in uns tickt eine tödliche, heimtückische Krankheit.

Doch - Gott sei Dank - ist dies nicht das letzte Wort Gottes. Unser Gott redet weiter, wie ein guter Arzt. Er bietet eine Therapie an; es gibt Heilung. Der Arzt der Seelen ruft uns zu Jesus, der uns in all unseren Fehlern heilen kann. Nur ist dies keine einmalige Behandlung, nach der wir das Krankenhaus für immer verlassen könnten. Wir haben eine chronische Krankheit, die ständiger Therapie bedarf.

Solange wir hier in dieser Welt leben, sind wir auf die Behandlung des Arztes Jesus angewiesen. Wir brauchen immer wieder seine Liebe und Nähe, welche unseren kranken Körper von innen her reinigen. Er ruft uns immer wieder zu sich, damit die begonnene Therapie auch nicht vergeblich ist. Lasst uns deshalb immer wieder in seine Behandlung kommen. Bei Jesus gibt es keinen Warteraum, sondern nur offene Türen. Dass Sie auch heute durch diese Tür gehen, wünscht Ihnen Pfarrer Harald Karpe aus Erfurt.

Biografie: Harald Karpe - Geboren 1957 in Halle/Saale und dort aufgewachsen
- 1975 Facharbeiter für Meteorologie
- Mit 23 Jahren Christ geworden
- 1981 - 1986 Fernstudium zum Ingenieurökonom für Maschinenbau und Elektrotechnik
- 1986-1991 Theologiestudium in Leipzig, Halle und Oberursel
- 1991-1993 Vikariat in Arnstadt
- 1993-2001 Pfarrer in Sangerhausen und Heldrungen
- 2001-2006 Pfarrer in Klein Süstedt (bei Uelzen)
- 2006-2015 Pfarrer in Plauen
- Seit 2015 Pfarrer in Erfurt
- Seit 1985 verheiratet mit Marlene. Sechs Kinder (Judith, Elisabeth, Johanna, Albrecht, Margarethe, Theresa)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag | 18. Februar 2018 | 06:20 Uhr