Der Innenraum der Kloster Kirche Sankt Wigbert
Täglich um 6:20 und 9:20 Uhr gibt es bei MDR THÜRINGEN - Das Radio "Augenblick mal", das Wort zum Tag. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wort zum Tag Augenblick mal

18. Juli 2024, 05:00 Uhr

Täglich 6:20 und 9:20 Uhr hören Sie bei MDR THÜRINGEN - Das Radio das Wort zum Tag. In dieser Woche spricht es Anne-Christin Martz von der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde G26 in Gera.

Donnerstag, 18. Juni: Die Kirche in der Stadt lassen

"Kein Geld, kaum Besucher – schlimmstenfalls werden Kirchen in Gera verkauft" – so titelte die Ostthüringer Zeitung vor ungefähr 2 Jahren. Gemeint war unter anderem die Kirche St. Peter im Stadtteil Gera Leumnitz, stark sanierungsbedürftig.

Marc-Manuel Moritz war selbst noch nie in dieser Kirche gewesen, wohnte erst seit ein paar Jahren in Gera. Aber, als er von der Notlage hört, fassen er und seine Frau einen Entschluss: Warum sollten sie nicht diese Kirche retten?  Sie nehmen sich Zeit, reden mit Menschen, treffen Gemeindemitglieder, erhalten Zuspruch für ihre Ideen – und einen Schlüssel für die Kirche. Sie suchen Unterstützer, gründen einen Verein. Gemeinsam wollen die rund 30 Mitglieder die Geraer Kirche St. Peter Leben beleben und langfristig retten. Sie sammeln Spenden. Organisieren einen Martinsumzug, einen Adventsmarkt, Konzerte und vieles mehr.

Anne-Christin Martz, Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Gera, Augenblick-mal-Autorin 2 min
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MDR THÜRINGEN - Das Radio Do 18.07.2024 06:20Uhr 01:43 min

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Viele Gäste und bestärkende Worte bei den Veranstaltungen zeigen: die Arbeit lohnt sich. Wahrscheinlich hätte Marc Moritz genug anderes zu tun - drei Kinder, Beruf, Alltag. Aber anstatt darüber zu jammern, dass er jetzt auch noch den Trasch mit der Kirche hat, spricht er davon, "wie sich Dinge erleben und gestalten lassen, wenn man eben noch mal eine extra Runde dreht. Es geht dabei um mehr als nur um ein Gebäude", erklärt er. "Es geht um all das, für das Kirche steht: Nächstenliebe, Gemeinschaft, Tradition, Hoffnung, Zusammenhalt, Heimat, zu Hause."

Tolles Anliegen – findet Anne-Christin Martz, evangelisch-freikirchlich aus der Gemeinde G26 in Gera. 

Mittwoch, 17. Juni: Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet.

"Jetzt klingele doch mal!", rufe ich entnervt. Mein fünfjähriger Sohn tuckert seit Minuten mit seinem Fahrrad hinter einer Gruppe Fußgänger her. Offenbar fällt es ihm schwer, sich bemerkbar zu machen. Dabei wäre es doch so einfach – eine Fahrradklingel ist eine tolle Erfindung, auch von Kindern leicht zu bedienen. Ist es ihm zu doof, oder traut er sich nicht?

Noch während ich mich darüber aufrege, kommt mir ein Gedanke: Geht es mir nicht selbst oft genauso? Es ist nicht nur das Klingeln beim Radfahren. Wie schwer fällt es mir, anderen ehrlich zu sagen, was ich brauche. Ist mir in dem Moment auch zu doof. Vielleicht kann ich mich anders durchwurschteln. Zähne zusammenbeißen, kurz aushalten. Denken: das schaff ich auch noch. Ist manchmal leichter als den Kollegen zu fragen: Kannst du das bitte übernehmen? Oder dem Partner zu sagen: Ich möchte mehr Zeit mit dir. Oder der Freundin zu schreiben: Hilfst du mir heute?

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MDR THÜRINGEN - Das Radio Mi 17.07.2024 06:20Uhr 01:57 min

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Zum Glück bin auch ich mit einer inneren Klingel ausgestattet, ich kann andere höflich bitten. Aber ich muss es tun. "Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet" – mahnende Worte im Jakobusbrief im Neuen Testament. Wenn ich etwas brauche, muss ich den Mund aufmachen – und darf das nicht nur vor meinen Mitmenschen, sondern auch vor Gott.

Was das alles für Möglichkeiten eröffnet, denke ich. Da reist mich ein Klingeln aus den Gedanken, es ist mein Sohn. Endlich. Die Fußgänger gehen höflich zur Seite. Und er düst los mit seinem Fahrrad. Gute Fahrt, auch Ihnen heute – wünscht Anne-Christin Martz, evangelisch-freikirchlich aus der Gemeinde G26 in Gera. 

Dienstag, 16. Juni: Einer trage des Anderen Last

Heute gratuliere ich dem Arbeitslosengeld zum Geburtstag: Denn genau am 16. Juli 1927 hat der Reichstag die erste staatliche Arbeitslosenversicherung eingeführt. "Happy Birthday", sage ich da – ehrlich gesagt aber mit Zähneknirschen, denn ich saß erst letzte Woche vor meiner Steuererklärung und sehe noch vor meinem inneren Auge, was da alles so abgeht von meinem Bruttogehalt.

Der Beitrag für die Arbeitslosenversicherung gehört natürlich dazu, den hätte ich gerne selber behalten und in einen Wochenendurlaub investiert. Stattdessen bleche ich für Menschen, die nicht arbeiten. Kaum gedacht, schon überkommt mich ein blödes Gefühl: Mir fällt ein, dass ich ja selbst auch schon arbeitslos war – und, dass es natürlich wieder passieren kann.

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MDR THÜRINGEN - Das Radio Di 16.07.2024 06:20Uhr 01:56 min

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Meist ist das eine weniger schöne Zeit, in der die Zukunft unsicher scheint. Wie gut, dann nicht ganz ohne Geld dazustehen. Also danke Ihnen - für Ihren Beitrag, mit dem Sie mich damals vielleicht mit durchgefüttert haben. In dem Sinne sind wir Teil einer großen Gemeinschaft, Sie und ich. Solidargemeinschaft. Super Prinzip: Diejenigen, die gerade stärker sind, helfen den Schwächeren. Oder – wie es in der Bibel heißt: Einer trage des Anderen Last. Dafür verzichte ich notfalls auf den Wochenendurlaub.

Beim Absenden der Steuererklärung beschleicht mich ein latentes Glücksgefühl – nicht nur, weil es dann endlich erledigt ist. Sondern weil ich weiß, dass ich nicht allein im Boot sitze, sondern mit Ihnen, und Ihnen und auch mit Ihnen. Und dass wir uns gegenseitig vor dem Untergehen retten, wenn es mal sein muss. Anne-Christin Martz, evangelisch-freikirchlich aus der Gemeinde G26 in Gera. 

Montag, 15. Juni: Die Kraft, nein zu sagen

Heute vor 87 Jahren begannen die Bauarbeiten für das KZ Buchenwald - nicht nur ein Projekt der SS. Nach und nach waren über 40 regionale Firmen aus Weimar und Umgebung beteiligt. Sie lieferten Baustoffe und Nahrungsmittel auf den Ettersberg oder beseitigten die ersten Leichen.

Warum haben sie nicht nein gesagt? Nein, dieses Vorhaben unterstützen wir nicht? War die Angst zu groß? Der Druck zu hoch? Der Auftrag zu attraktiv? Sollte ein Nein nicht zu jederzeit gesprochen werden, auch wenn es ein Risiko birgt? Ich denke an die 56.000 Menschen, die in Buchenwald gestorben sind. An ihre Angehörigen. Ich denke an die Folter, die Erschießungen, die Gaskammer. An das Unrecht, das hier in meiner Heimat von Tausenden mitgetragen wurde. Wie konnte das passieren?

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MDR THÜRINGEN - Das Radio Mo 15.07.2024 06:20Uhr 01:54 min

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Die Frage danach ist keine dämliche Bewältigungspolitik. Das Leid war real und die Verbrechen unmenschlich. Ich frage Gott, warum tun Menschen anderen Menschen so etwas an? Wie konnte hier in unserem Land ein System entstehen, indem Grausamkeit die Norm war? Und ich bete zu ihm: Lass es nicht zu, dass der Hass, der das möglich gemacht hat, sich heute hier breit macht. Gib uns den liebevollen Blick auf den anderen, der Unrecht nicht zulässt. Gib uns den Mut aufzustehen, wenn Menschen gegen andere Stimmung machen. Gib uns die Weisheit klug zu entscheiden. Gib uns die Kraft "Nein" zu sagen, wenn es nötig ist.

Anne-Christin Martz, evangelisch-freikirchlich aus der Gemeinde G26 in Gera. 

Sonntag, 14. Juli: Freut euch mit den Fröhlichen

Finale – heute Abend um neun wird es spannend. Dann entscheidet sich, wer den EM-Pokal bekommt und Millionen fiebern mit. Ehrlich gesagt ist Fußball nicht so mein Ding. Trotzdem bin ich gern mal dabei, wenn Freunde zusammensitzen und ein Spiel verfolgen.

Denn ich mag es, den Jubel zu erleben. Und die ganzen anderen Gefühle, die da kollektiv rausgelassen werden. Die Spannung, wenn ein Torschuss in Aussicht steht. Der Ärger, wenn der Pfosten getroffen wird. Das Mitleid, nachdem der Lieblingsspieler gefoult wurde.

Besonders gern höre ich mir die Geräusche an, die meine fußballguckenden Mitmenschen produzieren. Von pffff… oder och nööö, über uiuiui und komm schon, na komm! – da ist alles dabei, bis hin zu richtigen Wut- oder Freudenschreien. Aufregung, Freude und Frust zusammen erleben, in einer gemeinsamen Sache unterwegs sein, dem anderen in die Arme fallen in den bedeutenden Momenten. Super Sache, nicht nur beim Fußball.

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MDR THÜRINGEN - Das Radio So 14.07.2024 06:20Uhr 01:52 min

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Die EM ist morgen vorbei – macht nichts, fiebern Sie doch einfach mit ihren Mitmenschen mit – gern auch mit passenden Geräuschen. Falsch geparkt, Zettel kassiert? Pfffff. Frisch verliebt? Mhhhh. Angst zu versagen? Komm schon, na komm, komm… Oder, um es mit den Worten der Bibel zu sagen: "Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden." 

Vielleicht bleibt dann das gute Gemeinschaftsgefühl, auch nachdem das letzte Tor gefallen ist. Anne-Christin Martz, evangelisch-freikirchlich aus der Gemeinde G26 in Gera.

Anne-Christin Martz Anne-Christin Martz wurde 1988 in Jena geboren. Sie studierte Musikjournalismus in Karlsruhe und Kulturwissenschaften in Marseille/Hildesheim. Seit zehn Jahren ist sie in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde "G26" in Gera aktiv, moderiert Gottesdienste und engagiert sich im Gemeindeleben. Sie arbeitet als Kulturmanagerin und Journalistin, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Wie der Glaube an Gott ihr Leben bereichert, möchte sie gern weitergeben.

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Morgen | 18. Juli 2024 | 06:20 Uhr