Glühbirnen hängen in Reihe, nur die Rechte brennt
Manchmal reicht es nicht, dass ein Licht aufgeht. Man muss eine Idee auch zu Ende denken. Bildrechte: colourbox

Serie | Von Thüringern ausgetüftelt Erfindungen aus Thüringen

Oft denkt man, es wäre schon alles erfunden. Aber irgendeine Lücke gibt es immer. Auch die Thüringer sind erfinderisch und bringen sinnvolle, aber auch teils skurrile Dinge auf den Markt. MDR THÜRINGEN stellt die Produkte und die Kreativen in einer Serie vor: Schnaps aus der Dose, ein sichtbares Desinfektionsmittel, ein Notrufsystem für Motorradfahrer oder auch sturmsichere Ziegel aus Kahla.

Glühbirnen hängen in Reihe, nur die Rechte brennt
Manchmal reicht es nicht, dass ein Licht aufgeht. Man muss eine Idee auch zu Ende denken. Bildrechte: colourbox
Der eWalker ist ein aufblasbares Hausboot mit Elektromotor für den Kofferraum 2 min
Der eWalker ist ein aufblasbares Hausboot mit Elektromotor für den Kofferraum Bildrechte: Peter Moser

Luft Marsch, Schiff ahoi: Ein Boot für den Kofferraum? Peter Moser aus Jena hat ein aufblasbares Hausboot erfunden. Ob und wie das funktioniert, erzählt Reporterin Lisa Wennemer.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Fr 02.11.2018 06:40Uhr 01:40 min

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MDR THÜRINGEN-Reporterin Bettina Ehrlich 2 min
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Snowboarder bei der Abfahrt 2 min
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Ein Mann macht eine Probefahrt auf einem Fahrrad aus Bambus. 1 min
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Pandas essen es kiloweise, doch Martin Friedrichbaut daraus Fahrräder: Bambus. Reporter Tino Geist hat sich auf das leicht mitschwingende und nachwachsende Fahrrad gesetzt.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Mo 29.10.2018 08:20Uhr 01:29 min

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Sturmsichere Dachziegel

Ein Dachziegel ist mit einer speziellen Klemme an einem Balken befestigt
Ein Thüringer hat's erfunden: die sturmsichere Ziegel Bildrechte: MDR/Anke Preller

Dachdeckermeister Christoph Gruß aus Gumperda im Saale-Holzland-Kreis war mit den herkömmlichen Dachziegeln nicht zufrieden. Deshalb hat er einen Ziegel entwickelt, der auch Sturm standhält - den "Dach-Stick". Das Besondere daran: Dieser Dachziegel hat einen Bügel aus einem speziellen Kunststoff. Mit dem Bügel wird der Ziegel einfach in die Dachlatte eingehängt, was sehr viel schneller geht als das herkömmliche Sichern mittels Spangen oder Klammern. Acht Jahre Arbeit und zwölf Patente stecken in der Entwicklung. Dank der speziellen Technologie werden Ziegel und Bügel bereits im Werk miteinander verbunden. Beim DIN-Test hält die Dachfläche mit dem sturmsichereren Ziegel mehr als die gesetzlich geforderte Belastung aus, die der Orkanwindstärke entspricht. Schon mehr als 100 Dächer sind bundesweit mit dem Sturmziegel aus Thüringen gedeckt und haben sich bestens bewährt. Bis sich die Erfindung aber in der Branche durchsetzt, werden wohl noch ein paar Jahre vergehen, schätzt Dachdeckermeister Christoph Gruß.

Notrufsystem für Motorräder

Damit es zu folgendem Szenarien nicht mehr kommt, haben Erfinder aus Nordhausen ein Notrufsystem für Motorräder entwickelt.

Szenario Ein Motorradfahrer ist in den Bergen unterwegs. Mutterseelenallein genießt er die Freiheit und die Geschwindigkeit. Gedankenverloren legt er sich in eine enge Kurve und schon ist es passiert - er stürzt. Der Motorradfahrer ist verletzt, kann keinen Notruf absetzen. Weit und breit ist niemand da, der ihm helfen kann.

Zwei Männer zeigen ein Bild mit einer Grafik in die Kamera.
Stefan Hoffmann und Christoph Lebelt haben das Notrufsystem für Motorräder entwickelt. Bildrechte: Katharina Melzer

"Hilfe holen, wenn du es nicht mehr kannst" - das verspricht der sogenannte dguard. Er erkennt, wenn der Fahrer einen Unfall gebaut hat und setzt automatisch einen Notruf ab. Seit zwei Jahren ist der dguard auf dem Markt. Für Autos gibt es solche Systeme schon länger. Mehr als 1.000 Motorräder wurden bereits damit aufgerüstet. Anhand von Sensoren erkennt das System, wenn der Motorradfahrer zu Fall kommt, ob er umgekippt ist, wie schnell er dabei war und ob es sich dabei wirklich um eine Notfallsituation handelt. Wenn es auslöst, hat der Fahrer 15 Sekunden Zeit, um den Notruf noch zu unterbrechen. Tut er das nicht, informiert der "dguard" die nächste Rettungsleitstelle und gibt die Koordinaten durch.

Für ihre Erfindung wurde die Firma digades im vergangenen Jahr für den Innovationspreis Thüringen nominiert und erlangte den dritten Platz. Doch um Preise geht es den Erfindern dabei nicht. Sie sind selbst begeisterte Motorradfahrer und wollen mit ihrer Entwicklung Leben retten.

"Heyfair" - ein Desinfektionsmittel, das kurz sichtbar ist

Hinter dem Namen "Heyfair" verbirgt sich ein Team aus ehemaligen Studenten der Bauhaus-Universität Weimar. Robert Hellmundt und Alexander Döpel haben Visuelle Kommunikation studiert und sich bereits während des Studiums mit Produkten auseinandergesetzt. Keiner von Beiden hat einen medizinischen Hintergrund und dennoch haben sie eine Erfindung auf den Markt gebracht, die vor allem in Krankenhäusern eine große Rolle spielen könnte.

Hände reiben sich mit einem durchsichtigen Desinfektionsmittel ein.
Desinfektionsmittel sind meist durchsichtig. So weiß man nie, ob das Mittel wirklich alle Hautstellen erreicht hat. Bildrechte: Daniela Dufft / MDR

Sie haben ein kurzzeitig sichtbares Desinfektionsmittel entwickelt. Das Mittel ist nach dem Einreiben der Hände für etwa zwei Minuten sichtbar. Vergessene Stellen sind also leicht zu erkennen. Auch für die Lebensmittelindustrie und anderen Branchen ist das Mittel durchaus interessant. Das Desinfektionsmittel soll im professionellen Bereich, wie der Medizin oder der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden. Es wird bereits zu Schulungszwecken genutzt. Für den heimischen Gebrauch ist es aber nicht sinnvoll.

Wie kam es aber zu dieser Idee?

Die Studenten stellten sich die Frage, wie es sein kann, dass die Zahl der Krankenhauskeime und der daraus resultierenden Todes- oder Krankheitsfälle derart hoch ist. Eine scheinbar so einfache Methode Keime zu vermeiden, schlägt immer wieder fehlt. Die Produktentwickler suchten also Mitstreiter u.a. aus den Bereichen Kommunikationsdesign, Medizintechnik, Chemie und Mikrobiologie sowie Wirtschaftswissenschaften. Auch das Gründungszentrum der Bauhaus-Uni neudeli unterstützte das Projekt. Das Produkt ist nun fertig entwickelt und wird erprobt.

Schnaps aus der Spraydose

Jetzt gibt es Schnaps auch aus der Spraydose. Marko Geyer aus Themar hat ein neues Partygetränk in verschiedenen Geschmacksrichtungen erfunden. Gemeinsam mit seinem Partner Mike Traut, vertreibt er nun die Schnapsidee. Der Likör kommt übrigens aus Crock bei Eisfeld. Aber nicht vergessen: Alkohol sollte nur in Maßen genossen werden.

Ein besonderer Wärmespeicher: Thermobatterien aus Dingelstädt

Eine einfache und zudem noch bekannte Idee sorgte bei der Firma HM aus Dingelstädt für einen zündenden Einfall. Ein bestimmtes Salz „Natriumacetat-Trihydrat“ lässt sich durch Hitze aufladen und wird dadurch flüssig. Auch im erkalteten Zustand bleibt das Salz flüssig. Erst wenn man eine Erschütterung auslöst, kristallisiert das Salz wieder und gibt die Wärme wieder ab. Man kennt das Prinzip aus Wärmekissen oder Taschenwärmern. Daraus einen Speicher für Energie zu machen, war aber um einiges komplizierter, stellte Christian Muhr aus Dingelstädt fest. Seine Firma stellt eigentlich konventionelle Heizkörper her. 450.000 Stück im Jahr.

Der Vorteil des Salzes liegt auf der Hand. Anders als Lithium-Ionen Batterien lässt sich der Vorgang des Energie speicherns endlos wiederholen. Denn es ist kein chemischer sondern ein physikalischer Vorgang, erklärt Fabian Hoppe. Inzwischen ist die erste Thermobatterie serienreif.  Sie dient als Latentwärmespeicher für Warmwasser. Mit Strom, z.B. Solarstrom, wird aber nicht das Wasser selbst erhitzt, sondern das Salz verflüssigt. Dadurch kann man etwa ein Photovoltaikanlage effektiv nutzen. Geplant sind größere Lösungen für Häuser. Irgendwann so der Plan, sollen in Dingelstädt nicht nur hunderttausende konventionelle Heizkörper hergestellt werden, sondern ebenso viele Thermobatterien.

Vorschau Diese Erfindungen stellt MDR THÜRINGEN - Das Radio noch in seiner Serie vor:

Das Wickelwackel-Balanceboard

Quelle: MDR THÜRINGEN

--- AKTUELLES AUS THÜRINGEN ---

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 29. Oktober 2018 | 07:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. November 2018, 12:26 Uhr

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