Kyffhäuserkreis Holzengel, Westerengel, Kirchengel, Feldengel

Zur Einheitsgemeinde Großenehrich gehören neben Großen- und Wenigenehrich, Rohn-, Otter-, Bliederstedt und Niederspier auch Wester-, Kirch-, Holz- und Feldengel. Die Gemeinde gehört zum Kyffhäuserkreis. In Westerengel wohnen 375, in Kirchengel 314, in Holzengel 259 und in Feldengel 257 Einwohner.

Ortsnamen

  • 802-817 (Kopie um 1160): in villa Englide (CE 163; 86va; Heinrich Meyer zu Ermgassen, Der Codex Eberhardi des Klosters Fulda, Bd. 2, Marburg 1996, S. 142)
  • 822-842 (Kopie um 1160): Englide, in Englide, Englidi (88ra, 88va, 89va; Heinrich Meyer zu Ermgassen, Der Codex Eberhardi des Klosters Fulda, Bd. 2, Marburg 1996, S. 147, 148, 151)
  • 1053: Holzegglide (Werneburg, S. 33 nach MGH D.d.I.)
  • 1061: Velteggelethe  (H. Walther, Namenkundliche Beiträge zur Siedlungsgeschichte des Saale- und Mittelelbegebietes bis zum Ende des 9. Jahrhunderts, Berlin 1971, S. 286)
  • vor 1088: Holzegglide (H. Walther, Namenkundliche Beiträge zur Siedlungsgeschichte des Saale- und Mittelelbegebietes bis zum Ende des 9. Jahrhunderts, Berlin 1971, S. 286)
  • 1128: Westernengel (Werneburg, S. 33 nach MGH D.d.I.)
  • 1220: Kirchengelde (Werneburg, S. 33)
  • 1324: Westernengelde (Werneburg, S. 33)
  • 1544: Holzengel (Werneburg, S. 33)

Diese Namen sind nicht zu trennen von der Landschaftsbezeichnung, dem sogenannten Gaunamen, "Engeln/Engilin", vermutlich im nördlichen Thüringer Becken zu beiden Seiten der mittleren und der unteren Unstrut am Südhang der Gebirgszüge Hainleite, Schmücke und Finne gelegen.

Gau-Name

  • 772 (Kopie um 1160): in pago Engli (Heinrich Meyer zu Ermgassen, Der Codex Eberhardi des Klosters Fulda, Bd. 2, Marburg 1996, S. 96)
  • 932 (Kopie um 1160): in pago Engilin (Heinrich Meyer zu Ermgassen, Der Codex Eberhardi des Klosters Fulda, Bd. 2, Marburg 1996, S. 30)
  • Datierung? (Kopie um 1160): in pago Engleheim (Heinrich Meyer zu Ermgassen, Der Codex Eberhardi des Klosters Fulda, Bd. 2, Marburg 1996, S. 190)

Die Ortsnamen enthalten das germanische Suffix "-ithi", ein wichtiges Ortsnamenelement in Nord- und Mitteldeutschland, das früher einmal zur Bildung von Wörtern verwendet wurde, zum Beispiel bei "ham-ithi" (Hemd) oder "juhhidi" (Gespann), "jungidi" (Junges - zu jung), "hertida" (Härte - zu hart).

In Norddeutschland gibt es etwa 200 Ortsnamen, die das Element enthalten, hier eine Auswahl:

  • Belle bei Schieder, 9. Jahrhundert Wegbalithi, Wegballidi; Bierde, 1187 in Birethe
  • Birgte, 1088 Bergithi
  • Bleckede an der Elbe
  • Bünde, 853 (F.) Buginithi
  • Coerde, OT. von Münster, ca. 1030 Curithi
  • Dingden bei Bocholt, 1163 Tingethe, zu althochdeutsch "thing", "ding", "allgemeine Volksversammlung"
  • Döhren, OT. von Hannover, um 990 Thurnithi
  • Dörenthe, 11./12. Jahrhundert Thurnithi, Thurneze
  • Empte, 890 Emmithi, 12. Jahrhundert Emethe
  • Essen, 9. Jahrhundert Astnide;
  • Gaste, 1240 Gerst, Grundform wohl Gers-ithi
  • Geesthacht, 1216 in Hachede; Gimbte, 1088 Gimmethe; Grohnde, (1237-47) in Gronde
  • Günne, 1245 Gunethe
  • Helle bei Wiedenbrück, Ende 12. Jh. Helethe; Huckarde, OT. v. Dortmund, 947 Hucrithi
  • Hüsede, 12. Jahrhundert Husithi
  • Lengede, 1151 Lencethe
  • Looft, 1264-89 de Lovete
  • Mengede, OT. von Dortmund, 10. Jahrhundert Megnithi, Mengide
  • Meschede, 913 Meschede, 1015-25 Meschethi
  • Sarstedt, (1046-1056) Scersteti, Scerstete, 1196 Scardethe
  • Welsede, 1269 Welsede
  • Pente, ca. 1186 Pennethe, Penethe
  • Sehnde, 1147 Senethe
  • Sömmerda, 876 Sumiridi item Sumiridi
  • Störmede, 822-826 in Sturmithi
  • Strünkede, 1163 Strunkede

Durch "-ithi-" wird ausgedrückt, dass das, was im Grundwort steht, vorhanden ist. So bestätigt es zum Beispiel die Anwesenheit eines Sumpf, eines Hügels, eines Bergs oder (in Sonnenlagen) von Sommer. Für die "Engel"-Orte heißt das, dass sie nicht - wie vielfach angenommen, auch bei Wikipedia - von einem Stammesnamen, etwa dem der "Angeln", abgeleitet sein können, denn das ist bei Namen mit "-ithi-" nicht möglich. Vielmehr ist hier ein andere Lösungsvorschlag vorzuziehen, wonach in "Engel" ein Wort zu vermuten ist, das mit "Angel" zu verbinden ist und das etwa "Biegung, Krümmung, Schleife, Bogen, Haken" bedeutet haben muss.

Landkarte mit markierten Orten von Hainleite, Westerengel, Kirchengel, Holzengel, Feldengel, Kindelbrück, Clingen, Greußen, Großenehrich.
Betrachtet man sich die geographische Lage der "Engel"-Orte, so wird deutlich, dass es sich um den Raum zwischen Hainleite, Unstrut und Helbe gehandelt haben wird. Bildrechte: BING Maps, MDR.DE

Literatur-Hinweis Weitere Informationen zu den Ortsnahem sind hier zu finden:

G. Neumann: Engilin. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, 2. Auflage. Band 7, Berlin/New York 1989, S. 288–289.

J. Udolph: Die Ortsnamen auf -ithi. In: Probleme der älteren Namenschichten, Heidelberg 1991, S. 85-145.

H. Walther: Namenkundliche Beiträge zur Siedlungsgeschichte des Saale- und Mittelelbegebietes bis zum Ende des 9. Jahrhunderts, Berlin 1971, S. 286.

A. Werneburg: Die Namen der Ortschaften und Wüstungen Thüringens, Nachdruck Köln-Wien 1983, S. 159 f.

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