Der Redakteur | 26.11.2019 Wie gut sind Thüringer Schätze vor Kunstraub geschützt?

Werner Peters aus Gotha hat uns geschrieben und eine Frage gestellt, die nach dem Kunstraub in Dresden viele beschäftigt: Welches sind die wertvollsten Thüringer Schätze? Und wie sind diese Kunstwerke geschützt?

Auf der Straße vor dem Residenzsschloss Dresden stehen mehrere Einsatzfahrzeuge der Polizei, über die Straße ist ein Absperrband gezogen.
Ermittlungen nach dem Kunstraub aus dem Grünen Gewölbe in Dresden: Auch in Thüringen wurden bereits wertvolle Kulturschätze gestohlen. Bildrechte: Xcite-Press

Dass jetzt natürlich auch in Thüringer Einrichtungen geschaut wird, ob es noch Verbesserungspotential gibt, das ist logisch. Die Alarmeinrichtungen sind auf einem ganz guten Stand, das hat Museumverbandschef Thomas T. Müller der "Thüringischen Landeszeitung" gesagt. Es gibt Alarmanlagen und Videoüberwachung, aber die gab es in Dresden auch, wie man hörte. Viele Häuser sind auch bei Stromausfall gesichert. Sichtbar und unsichtbar, Details auszuplaudern verbietet sich von selbst. Trotzdem sollten - so Müller - notwendige Investitionen im Sicherheitsbereich nicht auf die lange Bank geschoben werden.

Schlimmster Feind von Kunst ist die liebe Sonne

Aber so groß der Schock auch sein mag in Dresden, der schlimmste Feind vieler unwiederbringlicher Kunstgegenstände ist nicht der böse Langfinger, sondern die liebe Sonne. Beispielsweise. UV-Strahlung, Feuchtigkeit oder auch Trockenheit, Holzwürmer, Motten, Temperaturschwankungen oder Ausdünstungen von wem auch immer haben einen ähnlichen Verlusteffekt wie ein Diebstahl, wenn man nichts dagegen tut. Auch wenn das ein eher schleichender Prozess ist. Deswegen ist es auch mit einer Alarmanlage alleine nicht getan.

Früher hat man zum Beispiel Spanplatten gehabt, die dann toxische Substanzen ausgeschieden haben. Auch die früher üblichen Holzvitrinen hatten wegen ihrer Gerbsäure schädliche Auswirkungen. Aber die großen Museen sind da auf einem guten Stand mittlerweile.

Dr. Falko Bornschein, Kunstgutbeauftragter im Bistum Erfurt

So gibt es Vitrinen, die sich abdunkeln, wenn niemand davorsteht und auch die goldene Kutsche von Sondershausen steht nur dann im Licht, wenn jemand den Raum betritt. Moderne Klimaanlagen in den Thüringer Archiven sorgen dafür, dass die historischen Papiere nicht zerfallen. Und dass es dort andere Brandsicherungssysteme geben muss als profane Sprinkleranlagen in der Decke, das ist auch klar.

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Fakt ist aber auch, Kronjuwelen wie die Sachsen haben wir nicht. Aber eben viele Dinge von ideellem Wert. Dazu gehören die Handschriften von Goethe genauso wie die (kirchen)historisch wertvollen Dinge, die in der Schatzkammer im Erfurter Dom aufbewahrt werden. Dort sind Weihrauchgefäße und Pokale aus Gold und Silber zu bestaunen, ein Kreuz aus venezianischem Glas, eine Sabbat-Ampel (ein Leuchter) aus der Zeit um 1180, oder die Elisabeth-Kasel, ein reich verziertes Gewand aus dem 14.Jahrhundert.

Wiederbeschaffung im Verlustfall unmöglich

Solche Dinge sind teilweise einmalig auf der Welt. Das bedeutet: Eine Wiederbeschaffung ist im Verlustfall unmöglich und deshalb eine Herausforderung für Kunstsachverständige, die trotzdem einen Wiederbeschaffungswert ermitteln müssen. Das geschieht aber gewöhnlich nicht erst, wenn das Kunstwerk verschwunden ist, sondern im Auftrag der Versicherung oder des Eigentümers im Vorfeld des Abschlusses eines Versicherungsvertrages. Zum Beispiel, wenn ein Kunstwerk auf Reisen geht. Da geht es dann einerseits um den Materialwert, aber auch um den ideellen Wert. Ein Gemälde zum Beispiel hat einen recht übersichtlichen Materialwert, es kommt sehr darauf an, wer der Künstler war, der die Farben auf das Stück Stoff gepinselt hat. Bei Kronjuwelen kommt einiges mehr zusammen. Der Materialwert, auf den es Diebe abgesehen haben könnten, ist schon nicht unerheblich bei Gold und Edelsteinen, dann geht es um die Verarbeitung, um den Künstler und letztlich auch um den ehemaligen Besitzer und auch die eventuelle Einmaligkeit.

Den Wert in Heller und Cent von einmaligen Kunstgegenständen zu ermitteln, ist eine mitunter sehr aufwändige Sache und geht nicht so fix wie bei "Bares für Rares".  

Es gibt Auktionsdatenbanken, wo man den Künstler finden kann. Dann sucht man vergleichbare Kunstwerke in Ausführung und Größe, die mit dem verschwundenen oder beschädigten Kunstwerk vergleichbar sind und ermittelt daraus einen Wiederbeschaffungswert.

Uwe Wasserthal, Vorsitzender des Bundesverbands der Kunstsachverständigen

Dieser wäre dann wie gesagt die Basis für eine Versicherungsprämie. Doch davon haben die Dresdner letztlich nichts. Hier wird nun die Frage diskutiert, wie das eigentlich passieren konnte, ob zum Zuschauen verdammte Wachmänner der Weisheit letzter Schluss ist, welche Alarmglocken hätten läuten müssten, wenn der Strom ausfällt usw. Im Grünen Gewölbe ist übrigens aus konservatorischen Gründen die tägliche Anzahl der Besucher begrenzt, um die Kunstwerke zu schützen. Zu Königszeiten war man noch der Meinung, dass es reicht, doch bitte saubere Kleidung zu tragen.

Diese Kostbarkeiten verschwanden aus der Vitrine im Grünen Gewölbe

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben nun mitgeteilt, welche Schmuckstücke am Montagmorgen gestohlen worden. Für die Schäden haftet der Freistaat, eine eigene Versicherung gibt es nicht.

Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Das Juwelenzimmer in der Schatzkammer des sächsischen Kurfürsten mit der Schmuckvitrine, als sie noch vollständig war. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Das Juwelenzimmer in der Schatzkammer des sächsischen Kurfürsten mit der Schmuckvitrine, als sie noch vollständig war. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur
Die Diamantrosengarnitur Überblick über alle Teile der Diamantrosengarnitur Bildrechte: SKD, Jürgen Karpinski
Degen (Diamantrosengarnitur)
Diamantrosengarnitur Degen aus der Diamantrosengarnitur Bildrechte: Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Jürgen Karpinski
Zwei gewölbte Schuhschnallen aus der Diamantrosengarnitur
Diamantrosengarnitur Zwei gewölbte Schuhschnallen aus der Diamantrosengarnitur Bildrechte: Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden; Jürgen Karpinski
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur Kleinod des Polnischen Weißen Adler-Ordens: Er trägt 225 größere und kleinere Diamanten. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur Hutagraffe: Der Diamant in der Schleife oben hat 24,98 Karat. Der Mittelstein unten in der Rosette zeichnet sich durch 16,5 Karat aus. Die Hutkrempe besteht aus 13 großen und 103 kleineren Diamanten, aus Silber und Gold. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Große Diamantrose (Diamantrosengarnitur)
Diamantrosengarnitur Große Diamantrose Bildrechte: Jürgen Karpinski
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantrosengarnitur Achselschleife (Epaulette) - Teilstück vorhanden: Das Schmuckstück trägt 20 große und 216 kleine Diamanten, besteht aus Gold und Silber. Die größte Diamantrose in der Mitte der Doppelschleife hat 31,5 Karat. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
10 Rockknöpfe aus der Diamantrosengarnitur
Diamantrosengarnitur 10 Rockknöpfe aus der Diamantrosengarnitur (einzelne erhalten) Bildrechte: Jörg Schöner
Brillantgarnitur
Brillantgarnitur Überblick über die Brillantgarnitur Bildrechte: SKD, Jürgen Karpinski
Hutschmuck, sogenannter Reiherstutz aus der Brillantgarnitur
Brillantgarnitur Hutschmuck, sogenannter Reiherstutz Bildrechte: Jürgen Karpinski
Epaulette mit dem sog. "Sächsischen Weißen" aus der Brillantgarnitur
Brillantgarnitur Epaulette mit dem sog. "Sächsischen Weißen" Bildrechte: Jürgen Karpinski
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Brillantgarnitur Bruststern des polnischen Weißen Adler-Ordens Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen Bildrechte: SKD, Jürgen Karpinksi
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen Diese große Brustschleife gehörte Königin Amalie Auguste. Der Schmuck stammt aus dem Jahr 1782 und trägt 51 große und 611 kleine Brillanten. Die Steine werden von Gold- und Silbereinfassungen gehalten. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Schmuckstücke aus dem Juwelenzimmer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
Diamantschmuck und die Perlen der Königinnen Aigrette für das Haar in Form einer Sonne Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)
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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 26. November 2019 | 16:40 Uhr

1 Kommentar

Jedimeister Joda vor 44 Wochen

Hallo! Seit der Steinzeit gibt es Äxte. Seit etwa 1905 gibt es Sicherheitsglas. Wer gewinnt das Duell? Das alte analoge in der Steinzeit entwickelte Werkzeug eines Handwerkers. Manchmal nutze ich auch solches Werkzeug, habs im Transporter. Bei einer kleinen verdachtsunabhängigen Kontrolle könnte ich in Schwierigkeiten geraten. Dagibt es Leute die teilen ein Gitter zerhacken ein Sicherheitsglas und sind mit der Beute weg. Dresden Grünes Gewölbe alles bekannt. Meine Frage: Wie will dieser Staat uns Bürger schützen, wenn wie hier ein Hospot an Wert und Wichtigkeit nicht zu schützen ist? Und das Tollste ist dann noch, daß die Täter und Tunichtgute beim Richter, wenn sie denn gefangen werden, erfahren, daß sie eine schwere Kindheit hatten. Deshalb werden sie nicht recht bestraft. Wie soll das werden? Hat der Staat den Überblick verloren? Ich fühle mich schlecht. Sicherheitsglas hat gegen einen Handwerker mit Axt keine Chance. Selbst in zeitnot klappt die Tat. Jedimeister Joda andere Galaxis