Weihnachtsbaum mit Kugeln und Strohsternen
Bildrechte: Conrad Weigert/MDR

Weihnachtslieder und ihre Geschichte "O du fröhliche"

Es ist mal wieder hektisch im Haus von Johannes Daniel Falk 1815, in Weimar in der Schillerstraße 20. Der Privatgelehrte aus Weimar sitzt in seinem Arbeitszimmer und schreibt hastig einige Zeilen auf. Ein Lied will er schreiben - für seine Waisenkinder.

Weihnachtsbaum mit Kugeln und Strohsternen
Bildrechte: Conrad Weigert/MDR

Weimar - 1815

Johannes Daniel Falk dichtet "O du fröhliche" für seine Waisenkinder. Dabei hatte ihn das Schicksal selbst hart getroffen. Vor drei Jahren verlor er vier seiner leiblichen Kinder an Typhus. Danach änderte sich sein Leben schlagartig.  

Damals in einer Winternacht des Kriegsjahres 1813 klopfte mitten im dicken Schneetreiben ein fremdes Kind an seine Tür. Es fror und war mutterseelenallein, hatte seine Eltern im Krieg verloren. Johannes Falk half dem Kind und nicht nur ihm: er gründete das "Rettungshaus für verwahrloste Kinder" in dem bis zu 30 Kinder Unterschlupf finden. Er gibt ihnen Brot, vermittelt sie an Pflegefamilien und unterrichtet sie in seiner Sonntagsschule.

O du fröhliche 2 min
Bildrechte: Colourbox

Mit seinem Lied will er den Kindern Freude bereiten. Die Melodie leiht sich Falk bei einem alten sizilianischen Fischerlied. Und ursprünglich widmet er "O du fröhliche" allen drei Hauptfesten der Christenheit: Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Erst später wird daraus ein reines Weihnachtslied.

Noch im 19. Jahrhundert wurde "O du fröhliche" in viele Sprachen übersetzt, unter anderem ins Französische, Lateinische und Schwedische. Auch in englischsprachigen Regionen wird das Lied gesungen – unter dem Titel "Oh how joyfully".

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 24. Dezember 2018 | 09:50 Uhr