Martin Luther mit Sprechblasen auf den steht: Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. und Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz.
Keine Winde aus dem Popo - sondern die Siedlung eines Poppo gaben Poppenwind den Namen... Bildrechte: IMAGO

Landkreis Hildburghausen Poppenwind - Ortsteil der Gemeinde Auengrund

Klingt erstmal anzüglich - doch "Poppenwind" geht eventuell auf eine Siedlung des Henneberger Grafen Poppo zurück. Hier erklärt Professor Jürgen Udolph den Ortsnamen.

Martin Luther mit Sprechblasen auf den steht: Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. und Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz.
Keine Winde aus dem Popo - sondern die Siedlung eines Poppo gaben Poppenwind den Namen... Bildrechte: IMAGO

Historische Belege des Ortsnamens

  • 1260 Poppenwinden (Schaumberg 1, Nr. 68)
  • 1317 Boppenwinden (Mötsch, Lehnsbücher, Teil A, Nr. 147)
  • 1317 Boppenwinden (H 1, S. 39, XXXII)
  • 1340 In Boppenwinden (Dahinten, Eisfeld S. 154)
  • 1484 Poppenwinde (Hist. Germ.; S. 564)
  • 1492 Poppenwinda (Krauß, Historie III S. 319)
  • 1506 Poppenwind (Hist. Germ.; S. 674)
  • 1529 Boppenwyndt (AfRG 4, 1907, S. 382)

Poppenwind gehört zu den zahlreichen Ortsnamen, in deren zweiten Teil die alte Bezeichnung der Slawen als Wenden enthalten ist. Es handelte sich bei diesen Slawen zumeist um Leibeigene, die im Auftrag eines Dienstherrn angesiedelt wurden und daher der entsprechende Ort einen Namen erhielt, in dem -wenden = Slawen enthalten ist. Eine umfangreiche Auflistung von -wenden-Ortsnamen in Bayern hat v. Reitzenstein vorgelegt (s. Literatur-Angabe).

Der Ortsname kann somit etwa als ‛Wendensiedlung eines Poppo’, die Siedlung abhängiger Wenden auf dem Besitz eines Poppo oder eine Ansiedlung von Wenden unter der Führung desselben verstanden werden. Ob es sich dabei um Henneberger Grafen Poppo gehandelt hat, bleibt unsicher, zumal ähnliche Ortsnamen auch anderswo begegnen, so etwa als Poppenwind bei Erlangen, 1303-1313 (Kopie 1358) Boppenwinden, und Poppenwinden, Wüstung bei Amberg, ca. 1178 (Kopie 14.Jh.) Bukewiniden.

Literatur-Angabe: * G. Jacob, Die Ortsnamen des Herzogthums Meiningen, Nachdruck Meiningen 2004, S. 95f.
* Y. Merkenelioglu, Ortsnamen des Landkreises Hildburghausen auf der Grundlage gedruckter Überlieferung, Magisterarbeit Bayreuth 1997, S. 25, 51.
* W.-A. Frhr. v. Reitzenstein, Ortsnamen mit Windisch/Winden in Bayern, Blätter für oberdeutsche Namenforschung 28/29 (1991/92) S. 36f.
* J. Udolph, Namenkundliche Studien zum Germanenproblem, Berlin - New York 1994, S. 279.

Zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2017, 10:08 Uhr