Wort zum Tag Augenblick mal

Täglich um 6:20 und 9:20 Uhr hören Sie bei MDR THÜRINGEN - Das Radio "Augenblick mal", das Wort zum Tag. In dieser Woche spricht es Cordula Lindörfer aus Eisenach.

Chorraum der Wallfahrtskapelle Etzelsbach
Täglich hören Sie das Wort zum Tag bei MDR THÜRINGEN - Das Radio. Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Dienstag, 26. Mai: Die wahre Bedeutung der Kirche

Stellen Sie sich vor, selbst an Ostern geht niemand mehr zur Kirche! Dann könnte man den Laden doch wirklich dicht machen.

Dieses Jahr war es so. Leere Kirchen, trotz des hohen christlichen Feiertages. Für uns Pastorinnen und Pfarrer ist das ja einer unserer schlimmsten Alpträume: Dass einfach niemand mehr kommt. Und wenn wir morgens von so einem Alptraum erwachen, dann können wir uns nicht so leicht von dem unguten Gefühl befreien. Der Traum ist ja nicht ganz unrealistisch ist. Dreiviertel der Menschen in unserem Land haben in ihrem Alltag keine Berührungen und auch kein Interesse an der Kirche. Ist die Coronazeit also ein Blick unsere Zukunft?

Die Frage ist, was Kirche eigentlich ausmacht. Geht es darum kleine oder große Kirchengebäude mit Publikum zu füllen? Die Bibel malt ein ganz anderes Bild. Sie spricht von einem Gebäude aus lebendigen Steinen, die jeder einzelne von uns verkörpert. Da geht es nicht so sehr um die Frage, wie oft jemand zu einer gottesdienstlichen Veranstaltung geht, sondern vielmehr darum, wie das Leben ausdrückt, dass man Gott in den Mittelpunkt stellt. An anderer Stelle wird in der Bibel gesagt: Ein makelloser Gottesdienst ist es, wenn man Witwen und Waisen in ihrer Not besucht. Oder mit Bonhoeffer: Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist.

Vielleicht ist das etwas, was wir als Kirche aus dieser Zeit neu lernen sollen. Und woran wir uns messen lassen müssen: Wie lebendig ist unsere Gemeinschaft? Das spiegelt sich dann auch positiv in unseren Gottesdiensten wieder. Davon bin ich überzeugt. Ihre Cordula Lindörfer Eisenach.

Montag, 25. Mai: Sterben macht klug

Am 30.1. postete eine Facebookfreundin von mir: "Gut, dass tödliche Hungersnöte für uns Deutsche nicht ansteckend sind." Und sie fügte noch hinzu, dass mehr Menschen an Hunger sterben, als an HIV, Malaria und Corona zusammen. Ich hab das damals geliked.

Heute, 5 Monate später, erinnere ich mich an den Post. Inzwischen haben wir in Deutschland krasse Verhaltensänderungen hinter uns. Wir tun und lassen unvorstellbare Dinge. Hätten Sie gedacht, dass die Kreuzfahrtindustrie einmal komplett stillsteht? Dass Lufthansa Staatshilfe braucht, weil keiner mehr fliegt?

Wir diskutieren ja schon lange über die negativen Folgen der Globalisierung und des Massentourismus. Und wir wissen: Wenn wir alle unser Verhalten etwas ändern, würde es einige dieser weltweiten Krisen nicht mehr geben. Doch bislang konnten wir uns überhaupt nicht zu solchen kollektiven Maßnahmen bewegen.

Was ist bei Corona anders? Dass der Staat verordnet? Vielleicht. Aber die meisten Menschen folgen diesen Verordnungen ja freiwillig. Ich glaube, eine Hauptursache ist die Realisierung: Corona könnte mich oder meine Familie treffen.

In der Bibel steht ein Gebet: "Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden." Wie klug oder sinnlos unsere Verhaltensänderungen waren, wird die Zukunft zeigen. Aber eins wird deutlich: Wir Menschen sind zu so vielem fähig, wenn wir den eigenen Tod nicht ignorieren, sondern ihm ins Gesicht schauen. Ich finde das nachdenkenswert. Cordula Lindörfer aus Eisenach.

Sonntag, 24. Mai: Gott ist und bleibt derselbe – meiner Meinung nach

Mir fällt auf, dass die Coronakrise uns Menschen in dem bestärkt, was wir bereits vorher geglaubt haben. Manchmal reden wir ja davon, dass die Krise aufrüttelt und uns zum Umdenken bringt. Aber damit meinen wir: Die anderen sollten anfangen, so zu denken, wie ich es bereits tue.

Die Verschwörungstheoretiker sagen gerade "siehste!". Die Umweltaktivisten sagen "na endlich!". Die Anhänger des bedingungslosen Grundeinkommen sagen "Wenn nicht jetzt, wann dann!". Und auch ich füge mich ein in die Stimmen, die ein Weltbild verkünden. Ich sage: "Gott ist und bleibt derselbe!".

Keine Ahnung, ob diese kleine Rede, Sie zum Umdenken bringt. Oder ob ich eine Stimme unter vielen bleibe. Aber – ich bin ein Fan von Gott. Und in dieser Krise bin ich es sogar noch mehr geworden.

Sie fragen: Welcher Gott denn überhaupt? Es gibt eine Stelle in der Bibel, in der Gott seinen Namen sagt. Er heißt: "Ich bin, der ich bin." Das finde ich so sympathisch und überzeugend an Gott. Er gibt sich nicht irgendeinen großen Namen, der beeindruckend klingt. Sondern er sagt: Meine Größe, dass was mich ausmacht und wer ich bin, das ändert sich nicht. Das kannst du erleben, wenn du mit mir unterwegs bist.

Neulich haben wir in unserer Gemeinde einmal gesammelt, wie wir Gott in der Coronazeit erlebt haben. Seine Namen waren: Ruhepol, Sorgenfresser, 24h Ansprechpartner, Leuchtturm, Motivator, Angstnehmer, Anker, Tröster. Wer wird Gott wohl für Sie sein? Viel Spaß beim Entdecken wünscht Cordula Lindörfer aus Eisenach

Biografie Cordula Lindörfer Cordula Lindörfer (Jahrgang 1982) ist Pastorin der StartUp Kirche Eisenach, einer evangelischen Gemeindegründungsinitiative des Bundes der FeGs Deutschland. Die studierte Theologin (MTh) und verheiratete Mutter von drei Kindern hat zuvor im kirchlichen Bereich mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet (7 Jahre Kinder- und Jugendreferentin in Greifswald; 4 Jahre Referentin für landesweite Jugendarbeit im CVJM Thüringen).

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Samstagmorgen | 24. Mai 2020 | 06:20 Uhr