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Täglich hören Sie das Wort zum Tag bei MDR THÜRINGEN - Das Radio. Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Wort zum Tag

Augenblick mal

Täglich um 6:20 und 9:20 Uhr hören Sie bei MDR THÜRINGEN - Das Radio "Augenblick mal", das Wort zum Tag. In dieser Woche spricht es Andrea Wilke von der katholischen Kirche in Arnstadt.

Samstag, 4. Dezember: In aller Ruhe

Der Advent hat mir einen Brief geschrieben. Und das steht drin:

"Hallo Andrea,
ein Jahr ist es her, dass wir uns gesehen haben. Und nun sind wir wieder zusammen. Wie die Zeit vergeht. Am vergangenen Sonntag hast Du die erste Kerze angezündet, auf dem Adventskranz, den Du selbst mit getrockneten Orangenschalen, Zimtstangen und Sternanis geschmückt hast. Sieht schön aus. Duftet auch toll.

Plätzchen hast Du noch keine gebacken. Du bist noch nicht dazu gekommen, aber sie stehen auf deiner To-Do-Liste. Ich kann dir nur raten: entspann dich. Alles kann, nichts muss. Die handgemachten Dominosteine von Deinem Lieblingsbäcker sind auch oberlecker. Weißt Du noch, letztes Jahr hattest Du so viel gebacken, dass Du noch im Januar volle Plätzchendosen hattest. In Deinen Freunden und Bekannten hattest Du keine willigen Abnehmer, sie hatten auch  jede Menge gebacken. Lag wahrscheinlich am Lockdown letztes Jahr.

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Augenblick mal am 04.12.2021 (Verkündigungssendung)

In diesem Jahr willst Du ohnehin alles viel ruhiger  angehen. Ist ja auch richtig, denn ich, der Advent, bin ja eine Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Und Vorbereitung braucht ihre Zeit und Ruhe. Aber das muss ich Dir ja nicht sagen, schließlich kennst Du Dich mit christlichen Traditionen aus. Bei denen geht es mehr ums Innere als um Äußerlichkeiten.

Ich bin gespannt, wie wir beide das hinkriegen in den nächsten  Wochen bis zum Heiligabend. Lichterhelle Grüße, Dein Advent"

Einen schönen Tag! Ihre Andrea Wilke aus Arnstadt, katholische Kirche.

Freitag, 3. Dezember: Ehrensache

Gestern bekam ich eine E-Mail mit einer wirklich schönen Nachricht. Der Absender  erzählte mir von dem riesigen Tannenbaum, der vor der katholischen Kirche der Eichsfeldgemeinde in Ferna steht. Und dass dieser Baum jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit mit seinem Lichterglanz die Bewohner des Ortes und alle, die auf der B 247 durch Ferna fahren, erfreut.

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Augenblick mal am 03.12.2021 (Verkündigungssendung)

Das Foto, das er mir dazu schickte, ist wirklich beeindruckend. Eine mit Lichtern geschmückte hohe Tanne, die in der Dunkelheit erstrahlt und weithin sichtbar ist. 460 Lämpchen an 17 Lichterketten mussten mit einer Hebebühne dafür an den Baum gebracht werden. Das haben zwei Männer aus der Gemeinde getan. Ehrenamtlich. Um anderen eine Freude zu machen. Ach, so etwas erfreut mich immer ungemein, weshalb ich diese gute Nachricht hier gleich weiterverbreite.

Ich weiß, die beiden Männer sind nicht die einzigen, die sich ehrenamtlich engagieren. In Deutschland sind es mehrere Millionen Menschen, im zweistelligen Bereich. Sie bringen im übertragenen Sinn, und manchmal auch im wahrsten Sinne des Wortes Licht in unsere Welt. Da wird einem doch warm ums Herz, oder?

Ihre Andrea Wilke, katholisch und aus Arnstadt

Donnerstag, 2. Dezember: Adventspost

In diesem Jahr im Advent mache ich etwas, was ich zuvor noch nie gemacht habe. Ich schreibe mir völlig unbekannten Menschen einen Brief. Jeden Tag. Und dafür bekomme auch ich jeden Tag einen Brief. Es ist eine Aktion des christlichen Vereins junger Menschen in Thüringen und nennt sich Adventsschreiben. 

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Augenblick mal am 02.12.2021 (Verkündigungssendung)

Glück für mich, denn an der Aktion kann jeder ungeachtet seines Alters mitmachen. Zu Beginn bekam ich eine Liste mit 24 Adressaten, von Kiel bis Sonneberg, von Berlin bis Buttstädt. Ich hatte natürlich vorher überlegt: Schaffe ich das überhaupt, mich jeden Tag hinzusetzen und einen Brief zu schreiben? Die Tage sind doch so schon gut gefüllt. Und einfach mal sagen, heute schaffe ich es nicht zu schreiben, das geht nicht.

Ich habe mich getraut und angemeldet. Drei Briefe habe ich bis jetzt geschrieben, heute Abend wird es der vierte werden. Und was soll ich sagen: dieses Briefschreiben ist für mich wie eine Oase. Ich komme automatisch innerlich zur Ruhe, die ich mir sonst vielleicht gar nicht nehmen würde.

Und weil sich diese Briefe nicht nur darauf beschränken, dem Empfänger oder der Empfängerin eine schöne Advents- und Weihnachtszeit zu wünschen, entdecke ich beim Schreiben in mir vieles neu. Erinnerungen werden wach und eine nahezu kindliche Vorfreude auf den Postboten mit einem handgeschriebenen Brief für mich. Warten und Vorfreude – das ist auch Advent.

Ihre Andrea Wilke, katholisch und aus Arnstadt

Mittwoch, 1. Dezember: Weihnachtsfreude hinter Gittern

Herr Schmidt packt ein Paket. Er weiß nicht, wer es an Weihnachten überreicht bekommt. Er weiß nur so viel, dass derjenige, der es bekommt, derzeit im Knast sitzt. Vor einigen Wochen hatte er davon gelesen, dass es da einen eingetragenen Verein gibt: Schwarzes Kreuz. Christliche Straffälligenhilfe. Dieser Verein hatte Leute gesucht, die – anonym – Strafgefangenen Weihnachtspakete schicken. Diese werden dann über die Gefängnisseelsorge verteilt.

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Augenblick mal am 01.12.2021 (Verkündigungssendung)

Und so packt er nun ein Paket. Es dürfen nur bestimmte Dinge hinein, und nur eine bestimmte Menge. Zum Beispiel Kaffee und Süßes. Also rein mit den Lebkuchen, den Dominosteinen und den Marzipankartoffeln. Alles, was auch ihm selbst schmecken würde. Mit dem Tabak tut er sich etwas schwer, er kann Rauchen nicht ausstehen. Aber, so hieß es auf dem Informationsblatt vom Verein, gerade darüber freuen sich Gefängnisinsassen sehr. Also springt er über seinen Schatten.

Es ist schon komisch, so anonym ein Paket zu packen, denkt er. Nicht zu wissen, wer es bekommt, geschweige denn eine persönliche Rückmeldung zu erhalten. Wenn er seinen Enkelkindern etwas schenkt, kann er sehen, wie ihre Augen leuchten. Nicht so wichtig, sagt sich Herr Schmidt, Hauptsache, jemand freut sich. Und wenn er mithelfen kann, ein bisschen mehr Freude zu verbreiten, macht er gern mit.

Ich finde das großartig. Ihre Andrea Wilke aus Arnstadt, katholische Kirche.

Dienstag, 30. November: Aushalten

Frau Liebekind hat die Nase voll. Und zwar gründlich. Ständig bekommt sie von Freunden und Bekannten per WhatsApp irgendwelche Karikaturen oder kleine Filmchen. Und darin geht es immer um Corona und ums Impfen. Und dass die, die sich nicht impfen lassen, zu wenig oder gar kein Hirn haben, totale Egoisten sind oder der Geier was.

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Augenblick mal am 30.11.2021 (Verkündigungssendung)

Frau Liebekind weiß nicht, was das soll mit diesen WhatsApps. Sie ist ja geimpft. Den Corona-Leugnern kann sie auch nichts abgewinnen. Aber sie kennt auch Menschen in ihrem Umfeld, die sich aus verschiedenen Gründen nicht haben impfen lassen. Soll sie die jetzt alle für blöd erklären? Frau Liebekind hört sich viel lieber erst einmal deren Argumente an. Die kann sie doch nicht so einfach wegwischen. Ganz oft spürt sie, wie verletzend es für diese Menschen ist, von den scheinbar Guten als die Bösen abgestempelt zu werden.

Das geht doch nicht, denkt sie. Wir müssen doch zusammenhalten. Momentan ist sie richtig erschüttert, wie beide Gruppen, also die der Impfgegner und die der Befürworter, miteinander umgehen. Die schenken sich  beide nichts. Zusammenhalten hat viel mit Aushalten zu tun. Den Abstand. Die Maske. Die ganzen Regeln. Aber vor allem, denkt Frau Liebekind, müssen wir einander aushalten, und zwar friedlich. Ob wir das wohl hinbekommen?

Das hofft Andrea Wilke, katholisch und aus Arnstadt.

Montag, 29. November: Einladung auf andere Art

Einmal pro Woche fahre ich durch den kleinen Ort Riechheim, in der Nähe von Weimar. An einer Stelle des Ortes gibt es einen so genannten Bücherbaum. Das ist eigentlich nur ein Baumstamm, in den aber mehrere Fächer eingebracht wurden, und dort in diesen Fächern befinden sich Bücher zur freien Verwendung. Zu dem Bücherbaum gehört auch eine Sitzgruppe. Also zwei Bänke und ein Tisch, die miteinander verbunden sind und das alles unter einem Dach, das sowohl vor Sonne als auch vor Regen schützt.

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Augenblick mal am 29.11.2021 (Verkündigungssendung)

Was mich an dem ganzen Ensemble jedes Mal am meisten berührt, ist jedoch etwas Kleines. Da steht auf dem Tisch eine kleine Blumenvase mit frischen Blumen. Was für eine Verschwendung, mag manch einer denken, mitten in der Natur, eine Blumenvase hinzustellen. Der Bücherbaum und die Sitzgruppe hätten es doch auch getan. Mag sein. Die Schriftstellerin Eva Strittmatter spricht in einem ihrer Gedichte, vom "kleinen wenig mehr als Muss, das ist des Lebens Überfluss".

Ja, genau so. Für mich ist diese kleine, gefüllte Blumenvase eine liebevolle Einladung: Komm, setz dich her, ruh dich aus, du bist willkommen! Die Blumenvase stellt sich ja nicht von allein dahin. Da muss es ja jemanden geben, der einen auf so gastfreundliche Art und Weise willkommen heißt. Dieser Jemand ist für mich mit dieser stillen Willkommensgeste ein Licht in unserer Welt. Dafür Danke!

Ihre Andrea Wilke, katholisch und aus Arnstadt

Sonntag, 28. November: Licht in der Dunkelheit

Eine heile Welt. Ich kenne niemanden, der sich das nicht wünscht oder nicht davon träumt, dass die Welt heil und gut ist. Die Sehnsucht ist da. Sie zeigt sich mir in den leuchtenden Lichterketten an den Häusern oder in den Vorgärten. Obwohl die Adventszeit erst heute beginnt, leuchten sie schon seit einigen Tagen in meiner Wohngegend. Wir können es kaum erwarten, dass Licht die Dunkelheit erhellt. Gerade jetzt, in der Zeit, in der die Tage immer kürzer und die dunklen Nächte immer länger werden.

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Augenblick mal am 28.11.2021 (Verkündigungssendung)

Die Dunkelheit auch im übertragenen Sinn. Es gibt gerade so vieles, das sich wie ein Schatten auf unser Leben und unser Miteinander legt. Da tun brennende Lichter richtig gut. Sie vermitteln mir so ein Gefühl von Idylle, von Warmherzigkeit und Frieden. Ich glaube, dass brauchen wir alle gerade sehr. Die jahrhundertalten Adventslieder, die heute in den Kirchen angestimmt werden, singen von dieser Sehnsucht: "Komm, du Heiland aller Welt" oder "O Heiland reiß die Himmel auf".

O ja, es wäre ja so schön, wenn Gott käme und alles zum Guten richten würde. Aber Gott scheint nicht daran zu denken. Vielmehr habe ich den Eindruck, er würde mir sagen: ich habe euch doch alles in die Hand gegeben, was es braucht, damit es in der Welt heller ist und friedlicher zugeht. Mit anderen Worten: Sei Du das Licht, das Frieden und Warmherzigkeit ausstrahlt!

Einen schönen ersten Advent! Ihre Andrea Wilke aus Arnstadt, katholische Kirche

Biografie Andrea Wilke* 1964 in Potsdam-Babelsberg geboren
* nach Ausbildung als Krippenerzieherin einige Jahre als solche tätig
* 1989-1995: Studium der kath. Theologie in Erfurt
* bis 2002 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Forschungsstelle für kirchliche Zeitgeschichte
* seitdem Referentin im Seelsorgeamt des Bistums Erfurt und Rundfunkbeauftragte
* Andrea Wilke lebt mit ihrem Sohn in Arnstadt

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 02. Dezember 2021 | 06:20 Uhr