Der Redakteur | 04.06.2021 Wer koordiniert die Baustellen auf Thüringer Autobahnen?

Auf zahlreichen Autobahnen in Thüringen wird gebaut. Doch an vielen Stellen scheint es nicht voran zu gehen. Da stellt sich für einige die Frage, wer für Koordination verantwortlich ist.

Warnhinweis Spurwechsel an einem Fahrzeug der Autobahnmeisterei auf der Autobahn A4 bei Regen
Auf Thüringens Autobahnen gibt es derzeit zahlreiche Baustellen. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Seit Januar haben unsere Autobahnen eine eigene GmbH. Das bedeutet: Alles, was ausschließlich dort passiert, ist Sache der Autobahn GmbH des Bundes. Die Gesellschaft wird über die Einnahmen aus der deutschen Lkw-Maut finanziert sowie aus der Infrastrukturabgabe für Pkw-Halter, die aus dem Bundeshaushalt kommt. In der GmbH werden Bau, Betrieb, Erhaltung, Finanzierung und vermögensmäßige Verwaltung zentral gebündelt, wenngleich es auch u.a. eine Niederlassung Ost gibt. Deren Betreuungsgebiet sind die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. 

So ganz geräuschlos lief die Gründung nicht ab, u.a. der Bundesrechnungshof hatte verfassungsrechtliche Bedenken, es gab Diskussionen über hohe Gehälter von Führungskräften, Ärger mit Bauunternehmen bezüglich der Rechnungslegung machten Schlagzeilen und auch Beraterverträge standen in der Kritik und damit auch Verkehrsminister Scheuer höchst selbst. Ungeachtet dessen gibt es die GmbH nun und auch die von ihr verantworteten Baustellen. 

Ziel ist es, effizienter und schneller zu werden.

Tino Möhring Sprecher Autobahn GmbH Niederlassung Ost

Eines der ersten größeren Projekte in Thüringen ist sicher die Baustelle auf der A4 bei Erfurt. Auf zehn Kilometern Länge werden die Betonschutzwände zwischen den beiden Richtungsfahrbahnen erneuert. Deren Lebenserwartung von 25 Jahren ist zwar noch nicht ganz erreicht, aber die laufenden Untersuchungen haben ergeben, dass Handlungsbedarf besteht. Und ganz billig wird es auch nicht.

Verkehr auf der Autobahn bei Sonnenuntergang und einem Nebelfeld. 25 min
Bildrechte: IMAGO

Tino Möhring von der Autobahn GmbH beantwortet die Fragen von MDR THÜRINGEN Redakteur Thomas Becker zur Koordination der Baustellen auf den Autobahnen.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Fr 04.06.2021 16:40Uhr 25:19 min

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Das Projekt dauert nach aktueller Planung bis Mitte September und kostet circa 5,7 Millionen Euro.

Tino Möhring Sprecher Autobahn GmbH Niederlassung Ost

Nun geht es heute nicht darum, die grundsätzliche Notwendigkeit der Maßnahmen in Frage zu stellen, dafür gibt es Richtlinien und Experten, die das beurteilen können. Die gibt es aber auch auf der planerischen Seite, die Frage ist, ob da alles perfekt gelaufen ist. Denn vier Wochen Vorlauf, in denen nichts passiert, aber der Verkehr bereits massiv eingeschränkt ist, scheinen doch relativ viel zu sein.

Eine wirklich zufriedenstellende Antwort, wie dieser Zeitraum im konkreten Fall zustande gekommen ist, konnte uns seitens der Autobahn GmbH niemand geben. Am Nachmittag erreichte uns aber eine zusätzliche schriftliche Stellungnahme, die verkürzt gesagt "Planerfüllung" meldet.

Alles in allem war vom Beginn des Aufbaus bis zur Abnahme bzw. Beginn der eigentlichen Bautätigkeiten ein Zeitraum von Mitte Mai bis Anfang Juni geplant. Die einzelnen Schritte sind in einem sogenannten Bauablaufplan festgehalten. Dieser Plan wurde umgesetzt und war im Soll, sodass die Erneuerung der Betonschutzwände starten kann.

Stellungnahme per Mail der Autobahn GmbH vom 4.6.2021

Vielleicht wurde ja Brigade Adolf Hennecke mit dem Aufbau der behelfsmäßigen Leitplanken beauftragt, die bis zum September nun die jeweiligen Fahrstreifen mit dem fließenden Verkehr und die Bauarbeiter in der Mitte der Autobahn voneinander trennen. Leider hat es bereits mehrfach Unfälle gegeben, bei der auch zwei Todesopfer zu beklagen sind.

Das alleine sind Argumente, die Einschränkungen zu kurz wie möglich zu halten. Hinzu kamen neuartige digitale Verkehrszeichen, die die Höchstgeschwindigkeit an das Verkehrsaufkommen anpassen sollen. Die Thüringer Allgemeine berichtete in diesem Zusammenhang von "weiteren Maßnahmen", die die Polizei beantragt habe, weshalb es nun zusätzlich und  frühzeitig Stauwarnschilder und Geschwindigkeitsreduzierungen gibt.

Vollgesperrte sechsstreifige Autobahn ohne Fahrzeuge mit Schilderbrücke, Hinweis- und Baustellenschildern 10 min
Bildrechte: IMAGO / Harry Koerber

Wie werden die Baumaßnahmen koordiniert?

So lange die Baustelle nur die Autobahn betrifft, ist es Sache der Autobahn GmbH als sogenannter Baulastträger – sagen wir "Bauherr". Wie beim Häuslebauer auch, dürfen Wege auf der eigenen Parzelle nach eigenem Gutdünken angelegt werden, wobei sich die Autobahn GmbH noch an ein paar mehr Regelungen halten muss. Sobald aber das Straßennetz außerhalb betroffen ist, sprich die Abfahrten, die Bundesstraßen, Landesstraßen oder kommunalen Straßen, sind die dafür zuständigen Baulastträger bzw. Straßenverkehrsbehörden, Polizei usw. einzubeziehen.

Dazu gehören zum Beispiel auch Umleitungen bei Vollsperrungen von Streckenabschnitten. Die Koordinierungen beginnen schon sehr zeitig und funktionieren auch gut, sagen die Beteiligten. "Da haben wohl wieder nicht alle miteinander geredet", sagen die Arnstädter und verweisen auf ihre Situation mit der gesperrten Abfahrt Arnstadt/Süd und der Baustelle auf der innerstädtischen Sankt Florian Straße, die gern als Umleitung genutzt wird und nun Staufalle ist. Doch so war es ja eigentlich auch gar nicht gedacht.

Man soll Auf der A71 in Fahrtrichtung Nord eigentlich bis zur Abfahrt Arnstadt/Nord fahren, dort wenden und bis zur Abfahrt Arnstadt/Süd fahren und dann von dort in die Stadt.

Dr. Matthias Regler Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr

Vorteil: Jetzt befindet man sich vor der Großbaustelle in der Stadt, muss die Baustelle also nicht mehr innerstädtisch umfahren. Nun kann man sicher trotzdem die Frage stellen, warum beide Baumaßnahmen unbedingt parallel stattfinden müssen, aber offenbar waren sich die Verantwortlichen sicher, mit der angebotenen Umleitung eine gute Lösung gefunden zu haben. Hinzu kommt, dass es immer wieder solche Situationen geben wird, dass gleich zwei Nadelöhre entstehen. Die Gründe sind vielfältig.

Das kann eine Havarie sein oder dass man an Haushaltsmittel oder Fördermittel gebunden ist. Da kann es ganz verschiedene Gründe geben, die dazu führen, dass Baumaßnahmen parallel laufen müssen.

Dr. Matthias Regler Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr

Schön wäre es natürlich, wenn sich der interessierte Autofahrer auf die Situation einstellen kann. Dafür ließen sich die Segnungen des Internets nutzen, in diesem Fall die wunderbaren Möglichkeiten, die digitale Straßenkarten bieten. Nun haben wir die sehr komfortabel erscheinende Situation von gleich zwei Systemen, die unter der Bezeichnung "Baustelleninformationssystem" laufen. Eines ist vom Bund (Stichwort Autobahnen) und eines vom Land Thüringen.

Doch Moment! Gab es nicht noch weitere Bundesländer? Richtig! Und tatsächlich fühlt sich der interessierte Laie schon beim ersten Website-Besuch an die einstige Kleinstaaterei erinnert. Das Thüringer System endet zum Beispiel an den Landesgrenzen und informiert nur über die Baustellen auf Bundesstraßen, Landesstraßen und in den Kommunen. Immerhin.

Aber die Autobahnstellen, einschließlich unserer Baustelle auf der A4 oder die gesperrte Abfahrt Arnstadt/Süd suchen wir dort vergeblich. Im Gegenzug verheimlicht die Karte der Autobahn GmbH die Baustellen abseits der großen Rennpiste. Aktuell sogar die eigenen, was man auch an dem Hinweis auf technische Probleme erkennen kann. Der nicht gerade nutzerfreundliche Zustand der parallelen Systeme ist den beteiligten Behörden bekannt und das Ganze ist leider auch eine etwas größere Baustelle.

Ziel soll es natürlich sein, dass man diese beiden Systeme miteinander koppelt, sodass man im besten Fall sämtliche Informationen in einer Oberfläche einsehen kann.

Dr. Matthias Regler Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 04. Juni 2021 | 16:40 Uhr

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