Der Redakteur | 29.06.2022 Warum ist ein Stück Butter so teuer geworden?

Die Lebensmittel täglicher Bedarf werden immer teurer, darunter auch die Butter. Unsere Hörerin Petra Herrmann aus Gera fragt: Warum kostet das Stück Butter manchmal mehr als drei Euro und ist teilweise teurer als Bio-Butter?

Ein Stück Butter liegt neben einem Messer auf einem Teller
Viele Lebensmittel sind in der letzten Zeit viel teuerer geworden, darunter auch die Butter. Bildrechte: colourbox

Der Butterpreis ist nur ein Symptom. Klar ist, dass die allgemeine Teuerung auch vor der Butter nicht Halt macht und die Begründungen wiederholen sich. Die Futtermittelpreise sind gestiegen, die Energiepreise ebenso. Milchprodukte, allen voran die Butter, wurden ohnehin bei uns lange Zeit unter Wert verkauft.

Butterpreise jenseits der 2,50 Euro das Stück sind in anderen Ländern schon lange normal. Während die Milchbauern kaum 35 Cent je abgeliefertem Liter bekamen, kostete das Stück Butter im Laden 1,49 Euro. Das ging schon rechnerisch kaum zusammen, denn viel mehr als Butter und Buttermilch ist bei dieser Produktionsstrecke nicht drin, was man zu Geld machen kann.

Für ein Päckchen Butter (250 Gramm) werden etwa 4,5 Liter Milch benötigt.

Webseite vom Milchindustrieverband

Bedeutet: Im Moment bekommt der Milchbauer knapp 50 Cent pro Liter, mal 4,5 Liter ist gleich 2,25 Euro. Und er ist damit angesichts der auch für ihn gestiegen Preise noch nicht einmal wirklich im Plus.

Für eine genaue Berechnung müsste man alle Beteiligte von der Molkerei bis zum Supermarkt um die Offenlegung ihrer Kalkulation bitten. Doch das ist nicht einmal den Milchbauern gelungen. "Betriebsgeheimnis", sagt Hans Foldenauer vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter und kritisiert, dass seine Branche davon abhängt, was die Molkereien zu zahlen gedenken.

Wieviel bleibt wem?

Versuchen wir anhand der Angaben aus Buttermaschinen, die man kaufen kann, eine Annäherung. Neben der Butter fällt in der Produktion auch noch etwas Buttermilch an, die sich ebenfalls verkaufen lässt. Da kommen bei einem Stück Butter (250 Gramm) rund 0,25 Liter Buttermilch zum Verkaufspreis von rund 50 Cent heraus.

Mit der Drei-Euro-Butter und der Menge abgefallener Buttermilch sind also 3,50 Euro zu erlösen, abzüglich 7 Prozent Mehrwertsteuer 3,27 Euro netto. Da die Molkerei aktuell 2,25 Euro für die benötigte Menge Milchbezahlt, teilen sich den verbleibenden einen Euro die Molkerei für die Produktion, die Verpackungsindustrie, die Logistikfirmen und der Einzelhandel.

Wenn wir da den Preis für das Stück Butter gedanklich auf einen "Butter-Wohlfühl-Preis" von unter zwei Euro drücken, sind wir von einer kostendeckenden Gesamtbilanz weit entfernt und mitten in der Wertediskussion.

Was ist uns das Essen wert?

Hans Foldenauer vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter möchte mehr Wertschätzung für die Produkte der Landwirtschaft generell. Weltweit geht rund ein Drittel der produzierten Lebensmittel unterwegs verloren. Das kritisieren Verbraucherorganisationen und UNO seit Jahren.

In Deutschland haben die Verbraucher mit 52 Prozent der weggeworfenen Lebensmittel die Nase vorn. Das hat eine Untersuchung ergeben, die die GfK für das Bundeslandwirtschaftsministerium erstellt hat. Der Großteil unseres vermeidbaren Wegwerfens betrifft Obst und Gemüse, dann folgen Backwaren, Getränke und Milchprodukte. Da sind wir wieder beim Thema.

Wenn ein Produkt etwas kostet, dann wird es auch wertgeschätzt und Lebensmittel gehören wertgeschätzt.

Hans Foldenauer Bundesverband Deutscher Milchviehhalter

Und das ist auch eine Generationenfrage, so die GfK, jüngere werfen schneller weg als ältere.

Und Hans Foldenauers Forderungen gehen über die Milchproduktion hinaus. Qualität statt Quantität muss auch beim Fleisch gelten. Jahrelang wurde auch die Landwirtschaft auf Massenproduktion getrimmt. Mit importierten Futtermitteln haben wir Tiere gemästet, deren Fleisch wieder exportiert wurde.

Auf der anderen Seite importieren wir Erdbeeren im Winter, deren wirklicher Preis für Erzeuger und Klima am Obstregal verschwiegen wird. Für den würde die Erdbeeren - die gar nicht danach schmecken - auch niemand kaufen. Ausbaden müssen es die Herstellerregionen und die dortigen Landwirtschaftsbetriebe.

Wir müssen uns wieder viel mehr darauf konzentrieren, Agrarprodukte damit zu erzeugen, was bei uns auf den Feldern wächst.

Hans Foldenauer Bundesverband Deutscher Milchviehhalter

Doch das ist ein schmerzhafter Prozess für uns alle, denn das wird dazu führen, dass nicht immer alles zu jeder Jahreszeit verfügbar ist. Dabei will Foldenauer nicht etwa Banane, Mango und Co. abschaffen, aber eine vernünftige Relation sei nötig. Wenn das Kilo weitgereiste Bananen billiger ist als der Apfel von der Plantage um die Ecke, läuft gehörig etwas schief.

Das ist alles gerade etwas viel Zeitenwende

Natürlich sind Geringverdiener im Moment in einer Situation, die existenzgefährdend ist. Energiepreise und Lebensmittelpreise sind ja nicht die einzigen Kostentreiber. Wehe, es geht irgendetwas kaputt zu Hause. Das Abfedern zu organisieren, ist Sache der Politik - Stichwort Abschöpfen von Übergewinnen - und gesellschaftliche Solidarität.

Doch vor dem Hintergrund, dass wir uns in Deutschland viel zu fett und ungesund ernähren, könnte man den Preisdruck ja auch als Chance begreifen. Weniger ist manchmal eben mehr … Qualität.

Uns ist es wesentlich lieber, wir produzieren weniger, verbrauchen weniger Ressourcen, sind weniger angewiesen auf Importfuttermittel und dafür wird unser Produkt entsprechend wertgeschätzt, bezahlt und auch gegessen.

Hans Foldenauer Bundesverband Deutscher Milchviehhalter

MDR (mw)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 29. Juni 2022 | 16:40 Uhr

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